#TeamGensing, oder: Das Öffentlich-Rechtliche wirbt für seine eigene Abschaffung

Von MAX ROLAND | Wer Zeit im politischen Teil des deutschen Twitters verbringt, wird an der Kontroverse um Patrick Gensing nicht vorbeigekommen sein. Patrick Gensing, Chef der Tagesschau-„Faktenfinder“, hatte sich auf mehreren Posts zu linksradikalen Aktionen und Gruppierungen bekannt. So nannte er die Geldsammelaktion des FC St. Pauli für die Rote Flora „politisch Championsleague“ und bekennt mit den Hashtags #antifa #life zu linker Gewalt. Einige (Unter ihnen erfreulicherweise Bild-Chefredakteur Julian Reichelt) twittern darüber, woraufhin Gensing seine Tweets sofort löscht (Gott sei Dank gibt es die Screenshotfunktion, kennt Gensing den Satz „das Internet vergisst nicht“ eigentlich?)

Dass Gensing sich zum Linksextremismus bekennt, steht also außer Frage. Wie reagiert man also bei den Öffentlich-Rechtlichen, die sich ja noch vor kurzem im Rahmen der #NoBillag-Debatte als Diener und Garanten der Demokratie darstellten? Man distanziert sich bestimmt, Richtig?

Nein, natürlich wurde sich nicht distanziert. Selbstverständlich haben sich die Kollegen mit Gensing solidarisiert (sozialistische Kader sorgen füreinander, möchte man einwerfen). Julia Böhling, Redakteurin beim NDR, twittert: „Jetzt retweetet auch schon BILD-Chef @jreichelt Tweets, mit denen #Faktenfinder-Chef @PatrickGensing verunglimpft werden soll. Umso wichtiger ist es, dass alle von euch, die wie ich so etwas missbilligen, öffentlich dagegenhalten. #TeamGensing“ Nicole Diekmann, Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio, meint: „#TeamGensing. Ein toller Ex-Kollege. Über Zweifel erhaben.“

Unterstützung auch aus anderen Medien: Hanning Voigts, Journalist bei der „Frankfurter Rundschau“, twittert: „Ihr könnt übrigens alle mal @PatrickGensing folgen, wenn ihr es nicht eh schon tut. Ein kluger und souveräner Kollege, der gerade sehr unter Beschuss steht.“ Voigts scheint einem Antifa-Genossen hier beizustehen, denn immerhin schreibt er sich in seine Twitter-Bio „Schnauze, Fascho.“

Die Punkte der Kritiker werden von Gensings ÖR-Genossen genommen und völlig verzerrt und missrepräsentiert. So nehmen sie die Kritik und nennen sie einen „rechten Shitstorm“, oder sagen, es gehe nur um den Musikgeschmack. Die Kritik daran, dass sich immerhin der Chef des ARD-Faktenfinders offen zum Linksextremismus bekennt, wird gekonnt ignoriert, stattdessen wird ein riesiger Strohmann aufgebaut, oder sie ist eben Rechts und damit natürlich Illegitim. Ach ja, die gute alte Nazi-Keule. Für mich zeigt sich hier ganz deutlich die Grenze zwischen ehrlichen Journalisten und ideologisch korrumpierten. An der Stelle, danke an Julian Reichelt dafür, dass er sich als Journalist beweist!

Die Öffentlich-Rechtlichen haben sich als offensichtlich ideologisch durchzogene Institutionen bewiesen, die sich selbst und ihresgleichen lieber beschützen und alles tun, um wahren, guten, investigativen Journalismus zu verhindern. Anscheinend mögen Faktenfinder Gensing und seine Genossen nicht, wenn man Fakten über einen der eigenen findet. Manipulation, Lügen und Verdrehung von Tatsachen: Für die ÖR-Journalisten ist offensichtlich kein Trick zu schade, um die eigene Haut zu retten. Sie sind das beste Argument gegen sich selbst.

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