“Tatort“: Drohnenkriege und Feindbilder

Von MAX ZIMMER | Gerne greift das zur deutschen Tradition gewordene Sonntags-Ritual “Tatort“ auch mal politische Themen auf, vor einigen Monaten beispielsweise das Thema “Rechtspopulismus“ und Antifa, vor kurzem das Thema Digitalisierung und künstliche Intelligenz, und in der jüngsten Ausgabe das Thema Rammstein und US-Drohnenkriege.

Dass scheinbar selbst ein vermeintliches Unterhaltungsformat bei den Öffentlich-Rechtlichen nicht mehr politisch-neutral bleiben kann, und für politische Stimmungsmache herhalten muss, wurde dabei auch recht schnell deutlich.
In der Geschichte besucht der Staatssekretär des US-Verteidigungsministeriums den deutschen Luftwaffen Stützpunkt “Rammstein“, der medial vor allem durch Anti-US-Demonstrationen und Mobilmachungen aus dem Querfront-Lager bekannt ist, um mit dem deutschen Verteidigungsminister über Kooperationen zu verhandeln.
Kurz vor dem Besuch wird jedoch ein Psychologe ermordet, der auch traumatisierte US-Soldaten behandelte.
Zudem sind die dortigen Ermittler hinter zwei kurdischen Brüdern her, die aufgrund persönlicher Erfahrungen mit US-Drohnen im Irak einen Anschlag auf den Staatssekretär planen.

Was nach einer interessanten Tatort-Story für den Sonntag Abend klingt, verkommt schon nach wenigen Filmminuten zu einer politisch-einseitigen Propaganda-Show.
In emotional aufgeladener Atmosphäre berichten die Deutsch-Kurden, was das dämonische US-Imperium ihren kleinen, unschuldigen Kindern angetan hat, direkt werden alle Register gezogen, und so richtig auf die Tränen-Düse gedrückt.
Gleichzeitig hört man seitens der Ermittler öfter von einer “Opfer-Täter“ Situation, in der die US-Soldaten ohne Widerspruch als Kriegsverbrecher stilisiert werden.
Vor ab eine Sache:
Ja, natürlich darf man den anonymen Drohnenkrieg, dem tatsächlich immer wieder unbeteiligte Zivilisten zum Opfer fallen, öffentlich ansprechen und auch kritisieren.
Das ist aber erstens nicht die Aufgabe eines Sonntag-Abend-Krimis, und zweitens sollte dies in einem, den Umständen entsprechend sachlichen und nüchternen Umfeld passieren, und nicht in Form emotionaler Täter-Opfer Narrative, die über ausgedachte ARD-Geschichten propagiert werden.

Während die Ermittler also den Mörder des Psychologen hinterher jagen, bereiten die beiden Attentäter den Anschlag auf den Staatssekretär vor.
Bevor dieser ausgeführt werden soll, nehmen diese aber noch ein Bekenner Video auf. Hier erreicht der Film seinen propagandistischen Höhepunkt:
Die Terroristen werden nun eindeutig zu den Sympathieträgern des Publikums manipuliert, indem sie ihre traurige Geschichte erzählen, und die “unbequemen Wahrheiten“ über andere Nationen aussprechen, über die sich das deutsche Publikum dann moralisch erheben kann.
Als dann auch noch die Mörderin des Psychologen, eine einstige Patientin und Angestellte der US-Air Force von sich selbst als “Massenmörderin“ spricht, die das Blut von Frauen und Kindern an den Händen hat, weiß der Zuschauer, auf wessen Seite er sich zu stellen hat – gefolgt von einem martialischen, mit düsterer Musik unterspielten Zusammenschnitt von Drohnen Aufnahmen, US Soldaten und Bombenexplosionen, der wohl ihre traumatisierte Gedankenwelt darstellen soll.

Von der dramaturgischen Einseitigkeit und dem propagandistischen Charakter dieses Anti-Amerika Exzesses mal abgesehen, könnte dieser Tatort als independence Projekt, der sich eindeutig der Kritik an den Drohnenkriegen verpflichtet sieht etwas taugen.
Das empörende an der Sache ist aber einmal mehr, dass diese Blüte der bewegten Bilder aus den Produktionsstudios des Öffentlich-Rechtlichen kommt, einem angeblich objektiven und von der Allgemeinheit zur Förderung journalistischer Standards finanzierter Medienanbieter.
Dass dies nicht der Fall ist dürfte nichts Neues sein, mit Formaten wie der “Heute Show“, der “Anstalt“, “Extra 3“, “Mann Siebert“, “Panorama“, “Monitor“ oder sonstigen super investigativen Sendungen hat die GEZ ihre Objektivität schon lange über Bord geworfen.
Dass die politische Agenda der Alt-68er jetzt aber auch den Tatort als neue Form der subtilen Einflussnahme erobert, ist ein weiteres Argument für die Abschaffung des Zwangsbeitrags.

3 Antworten

  1. moneypenny sagt:

    Ich finde den Tatort schön lange nicht mehr guckbar – was schade ist, war er doch früher wirklich ein schönes Sonntags-Ritual… Aber diese – nichtmal subtilen – Erziehungsversuche des Staatsfernsehens beleidigen die Zuschauer.

  2. Raubtierkapitalist sagt:

    *gähn* Immer wieder die gleiche Story: Terrorist wurde zum Terroristen weil eine US-Drohne seine Frau und Kinder tötete. Verständnis, Mitgefühl, Fingerzeig auf die USA…

    Der einzige mir bekannte Film zum Thema, der nicht nur was taugt, sondern wirklich gut ist, ist Unthinkable mit Samuel L. Jackson.

    Insbesondere die Schlussszene des Films sorgte für einige Kritik von USA-Hassern und Terrorismus-Verstehern.

    Unthinkable

    https://de.wikipedia.org/wiki/Unthinkable_%E2%80%93_Der_Preis_der_Wahrheit

    Unthinkable Trailer

  3. Jason Miller sagt:

    Die USA brechen mit ihren Drohneneinsatzen gegen internationales und deutsches Recht, sollten Zivilisten verletzt oder getoetet werden. Es wurden mehrfach Zivilisten getoetet. ARD klaert hier u.a. Verbrechen auf. Zudem hat der Autor anscheinend noch nie den Begriff „kuenstlerische Freiheit“ gehoert, der es erlaubt alles im Film zu zeigen, Hakenkreuze, Antifa-Schriftzuege und auch die Perspektive von Opfern der teils illegalen Bombardements. Auch wenn diese dadurch Terroristen geworden sind!