Spielstraßen auf Abwegen

Von Pauline  Schwarz | Während sich die meisten Menschen verzweifelt damit beschäftigten ihr Leben trotz Corona-Krise möglichst normal weiterzuführen und ihre finanzielle Existenz nicht zu verlieren, haben die grünen Fortschrittsverfechter die Situation geschickt genutzt, um ihren Traum von der Verkehrswende still und leise voranzutreiben. Der nächste Schritt auf dem Weg zur autofreien Wunschmetropole: 19 temporäre Spielstraßen in Friedrichshain-Kreuzberg.

Als ich im April das erste Mal von diesem Projekt hörte, gab es lediglich ein paar einzelne Verrückte, die dem Aufruf von Bezirksbürgermeisterin Herrmann folgten und sich für den Job als Kiezlotsen meldeten, um zur Blütezeit der Corona-Ausbreitung einen neuen „Aufenthalts- und Begegnungsort“ zu schaffen – zum Wohle der Kinder, versteht sich natürlich. Obwohl im Bergmannkiez schon im August 2019 die erste temporäre Spielstraße (in einer Spielstraße) eingerichtet wurde, glaubte ich noch daran, dass selbst die Kreuzberger gerade wirklich größere Probleme hatten und nahm die ganze Aktion nicht sonderlich ernst. Die bittere Erkenntnis, dass die Leute hier ihren Verstand selbst – oder gerade – in Krisenzeiten nicht benutzen, kam dann per Zettel an meine Windschutzscheibe.

Seit dem dritten Mai muss ich nun jeden Sonntag um Erlaubnis fragen, ob ich aus meiner Straße rausfahren darf und mich dabei auch noch verächtlichen Blicken und dummen Sprüchen aussetzen. Reinfahren darf man bis 19 Uhr überhaupt nicht mehr, egal ob ein einziges Kind auf der Straße spielt oder nicht. Doch das widerlichste an der ganzen Aktion ist nicht mal die extreme Freiheitsbeschneidung, der ich mich jede Woche aufs neue aussetzen muss, oder die Art wie sich die Kiezlotsen an ihrer neugewonnen Autorität berauschen, sondern die Tatsache, dass die Linken abermals ihre Kinder missbrauchen, um ihre wirren Gesellschaftsfantasien und Politikziele in die Tat umzusetzen.

Straßendreck als Spielwiese

Das erste Mal, als ich unseren Oberaufseher um Erlaubnis bat die Straßensperre passieren zu dürfen, musste ich mich wirklich beherrschen keinen Tobsuchtsanfall zu erleiden. Mein Ärger über die Poller, die erst letzten August in meinem Kiez installiert wurden, schäumte wieder in mir hoch: Erst schaffen die Grünen eine neue Komfortzone für die Drogendealer und erzeugen damit künstlich Stau und jetzt soll ich bei den Verantwortlichen – oder zumindest Mitverantwortlichen – auch noch „Bitte, bitte“ sagen, um überhaupt aus meiner Straße rauszukommen. Und wofür? Für drei traurige Kinder, die auf der Straße spielten – bzw. gelangweilt herumstanden oder in der Hoffnung, dass sich ihre Eltern vielleicht doch noch erbarmen würden, ihnen etwas Aufmerksamkeit zu schenken, allein auf dem Boden saßen. Eben die, hatten derweil nämlich Wichtigeres zu tun: Mit einem Bier bewaffnet, flätzten sie gemütlich auf Liegestühlen vor der Straßensperre und demonstrierten in ihren coolen Warnwesten, die neugewonnene Autorität. Frei nach dem Motto „die Kinderchen können sich schon selbst beschäftigen“, sollten die Armen jetzt also auf der dreckigen Straße spielen – dort wo gerne mal Glasscherben, Spritzen und Hundehäufchen auf einem Fleck zusammenkommen. Das einzige was sie zum Spielen bekommen hatten, war eine verlassene Tischtennisplatte und ein großer, fünf Meter langer Holzbalken vom Bau – was sie damit anfangen sollten, ist mir bis heute ein Rätsel. 

Für mich grenzt es an Perversion, angesichts dieses Elends auch noch vorzuheucheln, man tue das alles aus Liebe zu den Kindern. Wenn man ihnen wirklich etwas Gutes tun wollte, dann würde man sich seine Kleinen schnappen und mit ihnen raus aufs Land, an den See oder zumindest in einen etwas weiter entfernten Park fahren – dahin wo genug Platz ist, um einer Corona-Ansteckung aus dem Weg zu gehen und sich frei zu bewegen. Dafür wäre ein Auto natürlich praktisch, aber selbst mit einem bekloppten Lastenfahrrad wäre das in Echt doch kein Problem, das man nicht lösen könnte. Allerdings müsste man dann auch wirklich die Muße haben, sich mit seinen Kindern zu beschäftigen – und ich denke, genau da liegt das wahre Problem.

Als ich nach 18 Uhr, dem bis dato offiziellen Ende der „Spiel-Zeit“, in unsere Straße einbiegen wollte, stand die Straßensperre immer noch. Es regnete in Strömen, weit und breit war kein Kind mehr zu sehen und die Kiezlotsen hatten sich selbst auch schon in einen Hauseingang geflüchtet. Als ich einen der Männer zur Rede stellte, warum die Sperre immer noch nicht weggeräumt war, erfuhr ich, dass man die Zeit einfach um eine Stunde verlängert hatte – ganz ohne Ankündigung und wahrscheinlich auch ohne Recht. Mit diesen offensichtlichen Argumenten entlockte ich ihm aber nicht mal ein Zucken und da platzte mir wirklich der Kragen. Ich fragte ihn, ob er sich vorstellen könnte, wie beschissen es ist, als junge Frau nicht in seine Wohnstraße einfahren zu können, wenn an jeder Ecke schon Drogendealer auf einen warten. Empört davon, wie ich so etwas Rechtsextremes sagen konnte, keifte er mich an, was das denn mit der Spielstraße zu tun habe. Also erklärte ich ihm, wie schön es ist, wenn man von seinem Parkplatz aus von Dealern nachhause begleitet wird. Danach starrten wir uns einen Moment lang stillschweigend an. Zu meiner Überraschung gab er plötzlich nach und motzte: „Na dann fahr halt einfach rein“. Euphorisch von meinem kleinen Sieg, stieg ich klatschnass ins Auto und wartete bis er die Straßensperre widerwillig weggeschoben hatte. Während ich grade versuchte um den ollen Holzbalken herum zu manövrieren, sausten vier weitere Autofahrer, die anscheinend schon auf der Lauer gelegen hatten, in die Straße hinein, bevor der erboste Moralapostel die Straßensperre wieder vor die Einfahrt schieben konnte.

Freundliche Sittenwächter

Die ganze Maßnahme wurden laut Bezirksamt begleitend zur schrittweisen Wiedereröffnung der Spielplätze eingeleitet, um den Kindern unter Einhaltung der Sicherheitsregeln in unserem urbanen, dicht besiedelten Raum, Platz für „Bewegung und Spiel mit physischem Abstand“ zu ermöglichen. Die Abstandsregeln werden aber alles andere als eingehalten – bei Kindern natürlich wenig überraschend, aber auch deren Eltern und die Kitzlotsen interessiert das Kontaktverbot nicht die Bohne. Inzwischen „spielen“ dort jeden Sonntag 5-10 Kinder und Erwachsene, ohne auch nur einen Gedanken an Corona zu verschwenden, obwohl der ganze Unsinn ja angeblich ins Leben gerufen wurde, um die geforderten Abstände von „1,5 Metern beim Bewegen, bzw. 5 Metern beim Rasten“ einhalten zu können. Dieselbe Ignoranz bekommen auch die Anwohner zu spüren, die sich nicht freiwillig in diese Situation begeben haben. Einer der Kitzlotsen hat jetzt schon zweimal das Auto meiner Schwester gestoppt, obwohl sie (zwar widerwillig, aber ordnungsgemäß) bescheid gesagt hat, dass sie jetzt rausfahren möchte. Statt sie freundlich anzusprechen, wie es vom Bezirksamt insinuiert wurde, schlug er ihr mehrfach aufs Autodach, blockierte den Weg und schrie sie solange an, bis sie ihr Fenster runterkurbelte. Er missachtete nicht nur die Abstandsregeln, er belästigte sie und beging im Prinzip auch noch Sachbeschädigung.  Aber vielleicht sehe ich das mit den Regeln und Gesetzen auch mal wieder zu eng – wen interessiert das schon. Laut Pressemitteilung dürften die Straßen nämlich auch nur unter der Betreuung von mindestens sieben Personen zur temporären Spielstraße erklärt werden – in vier Wochen war das aber höchstens ein einziges Mal der Fall. Und das nicht nur in meiner Straße, sondern auch bei allen anderen temporären Spielstraßen, an denen ich vorbeikam – meistens „betreuen“ nicht mehr als zwei bis drei Erwachsene die leeren Straßen.

Bedingungslose Kapitulation

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass eine Mehrheit der Anwohner mit dieser Maßnahme einverstanden ist. Sicher wohnen hier viele bekloppte Gutmenschen und Klimaretter, aber auch viele Handwerker und Kleinunternehmer, die auf ihre Autos angewiesen sind. Genau wie viele Türken, die gerne mal ihr ganzes Erspartes in ihre heißen Schlitten investieren und die Karre dann liebevoll pflegen, säubern und auftunen – sei es aus Prestige oder aus purer liebe zum Autofahren. Trotzdem regt sich nicht der kleinste Widerstand und ich frage mich ernsthaft, ob die Menschen hier zu blöd sind, um zu verstehen, dass es nicht wirklich um die lieben Kinder, sondern darum geht, das Autofahren Schritt für Schritt abzuschaffen. Auch wenn letztlich alles nichts gebracht hat, beim Bau der Poller damals unterschrieben immerhin 2.288 Kreuzberger in einer Petition, dass sie mit dem Autofreien Wrangelkiez nicht einverstanden sind und machten ihren Ärger publik.

Statt sich weiter und konsequenter gegen diesen Irrsinn zu wehren, lassen wir uns aber lieber wie Verbrecher behandeln – so als wäre jeder Autofahrer ganz scharf darauf, endlich mal ein Kind tot zu fahren. Wir beugen uns anstandslos einer weiteren Umerziehungsmaßnahme und sehen zu, wie kleine Kinder auf der Straße sitzen und im Dreck spielen, während um sie herum die Kriminalität aufblüht. Würde es wirklich darum gehen, mehr Platz zum Spielen zu schaffen, gäbe es sofort eine ganz tolle Lösung für dieses Problem: Wenige Meter entfernt, warten gleich mehrere Spielplätze und riesige Wiesen im Görlitzer Park darauf, endlich von den ganzen Drogendealern und sonstigen Kriminellen befreit zu werden um der Normalbevölkerung wieder zur Verfügung zu stehen. Aber so weit geht die Liebe zu den Kleinen dann wohl doch wieder nicht.

9 Antworten

  1. Tim sagt:

    Ich war bisher davon ausgegangen dass in Großstädten (insbesondere in Vierteln wie Kreuzberg) der Anteil von Menschen unter den Zweibeinern auf niedrige einstellige Prozentsätze gesunken ist – und sich deshalb solche Probleme mit diesem grünen Gesocks – gar nicht mehr ergeben…. daher meine (wirklich ernst gemeinte!) Frage: weshalb lebt ein (denkender) Mensch da noch?

  2. Abid Hussain sagt:

    Verwahrloste Kinder spielen im Dreck, während zehn Meter weiter die ältere Schwester Kokain kauft. Wie im Text beschrieben, interessieren sich die Grünen nicht für Kinder. Das haben sie noch nie getan. Mir scheint, sie interessieren sich eigentlich für gar nichts. Man sieht aktuell in den USA, wohin das führt: die Polizei wird abgeschafft und durch kriminelle Schlägertrupps ersetzt. Auch da geht es nicht um Schwarze. Es scheint darum zu gehen, alles abzuschaffen, was mit Leistung, Wohlstand, Recht, Ordnung, Liebe, Hingabe, Freude zu tun hat. Der wie immer schön geschriebene Text zeigt erneut, dass die Grünen eine komplett bankrotte Truppe sind, denen zur Verbesserung der Lebensumstände bzw. Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung nichts einfällt – einfach, weil es sie gar nicht interessiert.

  3. Tommy Tulpe sagt:

    Liebe Frau Schwarz,

    wer lässt seine Kinder denn auf einer Straße im Wrangelkiez spielen, auf der es von Drogendealern und Konsumenten nur so wimmelt? Kinder werden hier mal wieder für einen politischen Zweck missbraucht. Wer sich um Spielmöglichkeiten für Kinder Sorgen macht, könnte sich mal dafür einsetzen, dass der Görlitzer Park am Ende der Spielstraße wieder für Kinder gefahrlos genutzt werden kann. Es geht nicht um Kinder, es geht darum Autofahrer zu schikanieren. Danke dass Sie das mal wieder klargestellt haben.

  4. A. Ferrante sagt:

    Spielstraßen, Umbau von Hauptverkehrsstraßen zu einspurigen Staustellen, Pop-Up-Radwege, die auch nach Corona bleiben werden, der Senat und die Bezirke machen Politik gegen die Bevölkerung.
    In Berlin waren im Januar 2020 1,2 Millionen Pkws zugelassen. Diese 1,2 Millionen Fahrer und Käufer sowie die dazugehörigen Mitnutzer von Autos werden ignoriert zugunsten einer Minderheit von – ja, was sind das eigentlich für Menschen? Was ist ihr Interesse? Das Märchen vom umweltverschmutzenden Auto kann kein denkender Mensch mehr aufrecht erhalten. Bleibt nur die Ideologie vom bösen Auto, damit irgendwer schuld ist, wenn das Leben nicht idyllisch ist.
    Früher gab es Geschichten von Eltern- und Nachbarschaftsinitiativen, die sich, mit Unterstützung von der Polizei, für dealer- und drogenfreie Parks und Spielplätze engagiert haben, im Weinbergspark oder in der Hasenheide zumindest temporär auch mit Erfolg. Der Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain unterstützt die zunehmend aggressiv agierenden Drogendealer im Görlitzer Park, die zunehmend auch die umliegenden Straßen und Spielplätze okkupieren, und eine Minderheit von Anwohnern feiert heile Welt, indem sie Autos von Straßen verbannen wollen.

  5. moneypenny sagt:

    Treffender kann man das nicht beschreiben.

  6. Annika Seeschwalbe sagt:

    Liebe Frau Schwarz, vielen Dank für diesen schonungslosen Bericht. Ich drücke die Daumen, dass selbst in Ihrem linksgrün-verblödeten Kiez die Leute durch solche Aktionen aufwachen und bei der nächsten Bezirkswahl ihr Kreuz nicht mehr bei diesen totalitären Spinnern machen. Man darf doch noch träumen…

  7. Mürsel sagt:

    Die Grünen haben nur auf so einer Situation gewartet um endlich loszuschlagen.Es geht bei grünen und ihre anderen Kollegen nicht ums Kinder sondern den Kapitalisten.Sie wollen nur Deutschland runterwirtschaften.

  8. fineart sagt:

    ach Frau Schwarz… warum?
    Glauben Sie es ändert sich was wenn Sie es nur oft genug beschreiben?
    Hat sich denn bis jetzt was geändert? Also, abgesehen davon, dass es schlimmer geworden ist?
    Man sagt intelligenten Menschen bekanntlich nach, dass es ihnen oft an Pragmatismus fehlen würde, ist eigentlich auch nicht schlimm,man kann schließlich nicht alles haben.
    Aber wenn Sie ein um´s andere Mal feststellen, dass es da, wo Sie sind gefährlich ist und dumm und hässlich auch noch, ist es dann wirklich klug genau da zu sein?
    Kann man sonst überhaupt nirgendwo anders leben? Oder nehmen Sie Ihre eigenen Texte nicht ernst? (Sollten Sie aber, sagt die Statistik)
    In – sorry, aber es bietet sich nun wirklich an – Seattle gibt es tausende von Menschen, die seit Jahren davor gewarnt haben, dass die Richtung nicht stimmt. Keiner von denen klopft sich heute zufrieden auf die Schulter und freut sich, dass er Recht behalten hat aber viele werfen sich vor, dass sie nicht beizeiten die richtigen Konsequenzen gezogen haben. Die haben jetzt nicht nur wirklich existentielle Sorgen (Anarcho mit Sturmgewehr vor der Haustür…), sondern auch noch die demütigende Gewissheit, dass es nicht so hätte kommen müssen. Anti-Establishment-Autoren/innen bekommen dort übrigens keinen Welpenschutz – aber die Dealer von der Straßenecke einen Posten als Hilfspolizist.
    Also, wie wär´s beim nächsten Mal mit einem Artikel a la „lernen von der Völkerwanderung – mehr Lebensqualität durch Mobilität“?

  9. Max Media sagt:

    Zum Glück lebe ich nicht in Berlin!
    Und so Gott will, werde ich es auch niemals müssen!