Sieg der Sozialdemokraten in Finnland: Trendwende oder Einzelfall?

Von JAN SCHNEIDER | Die Parlamentswahlen in Finnland haben einen Regierungswechsel erwirkt: Die regierende Finnische Zentrumspartei KESK von Ministerpräsident Juha Siplä verlor deutliche 7,3 Prozentpunkte und landet nun mit 13,8% nur auf Platz 4 hinter den Sozialdemokraten von der SDP (17,7%), den rechtspopulistischen Basisfinnen (ehemals Wahre Finnen, 17,5%) und den konservativen wirtschaftsliberalen von der KOK (17,0%). Stärkster Wahlsieger waren die Grünen (11,5%), die um knapp 3 Prozent zulegen konnten. Ebenfalls ins Parlament einziehen konnten die Kommunisten der VAS, die Partei der schwedischen Minderheitspartei RKP, sowie die Christdemokraten KD. Zwei Parlamentssitze gingen an die Sonstigen.

Das Wahlsystem in Finnland ist ein Verhältniswahlrecht. In Finnland gibt es 13 Wahlbezirke, welche proportional zu ihrer Einwohnerzahl Sitze im Parlament bekommen, welche in den Wahlbezirken per Verhältniswahlrecht bestimmt werden. An der Reihenfolge der Parteien ändert sich jedoch nichts. Auffallend ist, dass fast alle Parteien in ihren Stimmen stagnierten, außer Grüne und Zentrum. Die Regierungsbildung könnte sich als schwierig erweisen, auch wenn die Sozialdemokraten mit ihrem designiertem Ministerpräsidenten Antti Rinne bis zur Europawahl eine Regierung haben wollen. Die Wahl ist europaweit von besonderer Bedeutung, da Finnland ab dem 1. Juli die EU-ratspräsidentschaft übernimmt.

Trotzdem lässt sich auch in Finnland der Trend der schwächelnden Volkspartei beobachten, da die Sozialdemokraten in Finnland traditionell schwächer als KEKOS oder KOK sind. KEKOS erreichte sogar das schlechteste Wahlergebnis aller Zeiten.

Dennoch ist die Situation in Finnland nicht mit der in anderen Staaten vergleichbar. Hier gewann eine junge sozialdemokratische Partei mit einem beliebten, dynamischen Anführer: Im Willy-Brandt-Haus lässt dieser Umstand den einen oder anderen Genossen vielleicht noch verbitterter auf Andrea Nahles gucken. Auch kam die finnische SDP aus der Opposition heraus an die Macht und profitierte von der Schwäche der regierenden Partei.

2 Antworten

  1. karlchen sagt:

    Die spinnen die Finnen