Schützt unser Bargeld! 

Von Niklas Heinsohn | Schon seit geraumer Zeit steht in Deutschland immer wieder eine Idee im Raum, die bisher glücklicherweise noch nicht allzu viel Rückenwind erhalten hat: die Abschaffung des Bargelds. Nur wenige Völker hängen so an ihren Münzen und Scheinen wie die Deutschen. Mit dem Aufkommen der Corona-Krise betrachten nun aber auch viele Menschen hierzulande das Bargeld ob der möglichen Ansteckungsgefahr zunehmend kritisch und setzen aktuell vermehrt auf die Kartenzahlung. Warum wir dennoch am Bargeld festhalten sollten, möchte ich in diesem Artikel erklären. 

Zunächst einmal folgende beruhigende Anmerkung: Virologen sehen nur eine geringe Wahrscheinlichkeit, sich über das Bargeld mit dem neuartigen Coronavirus anzustecken. Die Infektionsgefahr beim Bargeld geht in erster Linie von Schmierinfektionen aus, also vom physischen Kontakt mit Münzen und Scheinen, an denen das Virus haftet. Wer sich also nach dem Einkaufen erst dann wieder ins Gesicht fasst, wenn er sich seine Hände ausgiebig gewaschen hat, der ist auf der sicheren Seite. 

Was geht es den Staat an, wofür ich mein Geld ausgebe?

Doch selbst dann, wenn wir einmal davon ausgingen, dass eine Corona-Übertragung über Bargeld aktuell eine große Gefahr darstellen würde, wäre es noch immer eine schlechte Idee, das Bargeld endgültig abzuschaffen. Die Coronakrise endet schließlich irgendwann wieder, doch die Nachteile der Bargeldabschaffung würden bleiben. 

So bietet Bargeld den Vorteil des Datenschutzes und der Anonymität. Warum sollte man dem Staat oder den Banken die Möglichkeit geben, mittels des Kontoauszuges einer Person nachzuvollziehen, wofür diese ihr Geld ausgibt? Wer für bestimmte Produkte oder Dienstleistungen lieber die Barzahlung wählen möchte, um die Nachverfolgung dieser Zahlung zu verhindern und anonym zu bleiben, der sollte die Möglichkeit dazu haben

Doch es besteht nicht nur die Gefahr, dass Staat und Banken sich die Zahlungsdaten der Menschen zu eigen machen. Gerade auch im Falle eines Cyberangriffes auf die Systeme einer Bank könnten Hacker an sensible Finanzdaten der Bankkunden gelangen. Zudem bieten Cyberangriffe immer auch die Möglichkeit, dass der gesamte elektronische Zahlungsverkehr unmöglich gemacht wird, wenn die entsprechende Infrastruktur attackiert wird. In einem solchen Szenario könnten schlimmstenfalls Millionen Menschen nicht auf ihr Geld zugreifen. Geldscheine und Münzen hingegen benötigen grundsätzlich keine anfällige, digitale Infrastruktur, sondern funktionieren auch „offline.“ 

Die Brieftasche trickst nicht 

Bargeld hat aber auch einen anderen, überaus praktischen Vorteil: vielen Menschen gelingt die eigene Ausgabenkontrolle besser, wenn sie ihr Geld in der Hand halten und zweifelsfrei feststellen können, wie ihr aktuelles Budget aussieht. Ich schaue zum Beispiel lieber in mein Portemonnaie und weiß innerhalb von Sekunden, wie hoch mein Budget für den restlichen Monat noch ist, anstatt meinen Kontostand mühevoll per App oder Internet herausfinden zu müssen und am Ende trotzdem nicht genau zu wissen, ob denn überhaupt schon alle vergangenen Zahlungen abgebucht wurden. 

Glücklicherweise sieht das auch die Mehrheit der Deutschen so. Eine Civey-Umfrage aus dem letzten Jahr zeigt hier, dass jeder zweite Deutsche die Barzahlung als liebste Zahlungsweise nutzt. Nur jeder Dritte präferiert hingegen Kartenzahlung. 

Gerade für kleinere Unternehmen würde eine Umstellung vom Bargeld zu ausnahmslos elektronischen Zahlungsmethoden zudem noch eine weitere Problemstellung mit sich bringen: jedes Unternehmen, das noch keine Kartenzahlung anbietet, müsste zwingend die notwendigen Voraussetzungen dafür schaffen. Das wäre logischerweise mit einigen Kosten verbunden. Zu den Anschaffungskosten der entsprechenden Geräte kommt stets noch ein gewisser Betrag, den der Unternehmer für jede erfolgte Kartenzahlung an den Zahlungsdienstleister abgeben muss. In der Regel sind das zwar Centbeträge, die sich aber natürlich mit der Zeit aufsummieren und so zur Belastung werden können. 

Bargeld ist Freiheit! 

Das wichtigste Argument für das Bargeld ist und bleibt aber die Freiheit. Wieso sollte der Staat die Menschen zur Kartenzahlung zwingen, wenn sich die Wahlfreiheit zwischen elektronischer und Barzahlung im Laufe der Jahre bewährt hat? Die Vorteile lägen hier einzig und allein beim Staat, der mehr Kontrolle ausüben könnte. Für den Bürger hingegen ist die Wahlfreiheit die beste Option, da sie jedem erlaubt, die persönlich bevorzugte Entscheidung zu treffen. Eine Einschränkung dieser Freiheit braucht niemand. 

Aus diesen Gründen sollte Deutschland unbedingt weiterhin am Bargeld festhalten. Nicht grundlos lieben die Deutschen ihr Bargeld so wie kaum ein anderes Volk. Und schon mein Vater wusste: nur Bares ist Wahres. 

6 Antworten

  1. Manfred Offermann sagt:

    Wenn ich in eine Gaststäte zum Essen gehe und ich werde von einer Kellnerin oder einem
    Kellner gut bedient,gebe ich diesem Menschen ein Trinkgeld. Auch wenn es nur ein Euro ist
    greift der Staat zu und verlangt dafür Steuern. Steuern. Steuer. Steuern Das kann ich mit Bargeld vermeiden. Es gibt auch noch andere Beispiele ( Kleinspenden )

  2. nordseeschwalbe sagt:

    Sie sprechen mir aus dem Herzen!

  3. Ernie Balboa sagt:

    Ein viel wichtigerer Aspekt für Bargeld ist, dass dessen Existenz der einzige Grund ist warum Negativzinsen nicht an private Verbraucher weitergegeben werden kann.
    Ohne Bargeld gäbe es zeitnah einstellige Negativzinsen auf Sichteinlagen – das würde den Spielraum für die Notenbanken sehr stark erweitern.

  4. robert spieß sagt:

    Nur Bares ist Wahres!

  1. 16. April 2020

    […] über  Schützt unser Bargeld!  — Apollo News […]

  2. 16. April 2020

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