Sawsan Chebli und die Raketenwissenschaft von Gut und Böse

Beide schießen Raketen und zielen doch in völlig unterschiedliche Richtungen: Und Sawsan Chebli verliert die Orientierung.

Von MAX ROLAND | Es ist oft schwer, die Welt in „Gut“ und „Böse“ einzuteilen. Ein Konflikt, auf den das allerdings nicht zutrifft, ist der Nahostkonflikt. Es verwundert mich immer wieder, wie Menschen, die sich selbst als Verteidiger der offenen Gesellschaft sehen, sich in dieser Frage so unfassbar schwer tun. Dabei ist für jeden, der es ernst meint mit den westlichen Werten, die Frage „Israel oder Palästina“ in Sekunden entschieden. Die einen schießen Raketen zum Mond, die anderen schießen Raketen auf Kinder. Und um das schonmal im Voraus aufzulösen: Nein, die Hamas hat kein Weltraumprogramm entwickelt. Auch, wenn der Mond noch nicht islamisiert ist und dort bestimmt viele Felsen rumliegen, die noch nicht den wahren Glauben angenommen haben, sind für die Islamisten die Juden noch immer ein besseres Ziel für die Raketen als ungläubiges Mondgestein.

Es sollte keine schwere Aufgabe sein, sich zwischen einer säkularen, rechtsstaatlichen Demokratie wie Israel und einem Gebiet wie Palästina, welches direkt von zwei Terrororganisationen regiert wird, auf eine Seite zu stellen. Selbst Sawsan Chebli hat das geschafft. Natürlich hat sie sich leider auf die falsche Seite gestellt. Im Hinblick auf die gescheiterte israelische Mondlandung und die Wahlergebnisse bei der Knesset-Wahl twitterte Chebli: „To the Moon and beyond? Nein. Weder Frieden noch Mond.“ 

Vielleicht spricht da der Neid einer Berliner Staatssekretärin, die mit ihren Rot-Rot-Grünen Kollegen die größte Stadt einer einstigen Wissenschafts- und Fortschrittsnation in den Ruin regiert, während die Israelis in 70 Jahren ihr Land vom Wüstenstaat zur Raumfahrernation gemacht haben. Die einen entdecken neue Tiefpunkte, die anderen stoßen in unendliche Höhen vor. Aber das wäre wohl noch zu wohlmeinend interpretiert. 

Vergessen wir für eine Sekunde den Mond und widmen uns dem Teil über Frieden. Nun wird Frau Chebli als Tochter von Palästinensern wissen, was in den Autonomiegebieten so passiert. Auch Frau Chebli wird vor der Wahl stehen, die ich am Anfang formuliert habe. Und sie entscheidet sich für die falsche Seite.  „Kein Frieden“ pöbelt eine zweitrangige Staatssekretärin in Richtung des Landes, an dem noch kein Friedensplan für die Region gescheitert ist. Jeder unvoreingenommene Beobachter weiß: Legen die Araber, legen die Palästinenser die Waffen nieder, herrscht morgen Frieden in der Region. Legt Israel aber die Waffen nieder, gibt es morgen kein Israel mehr. Es ist diese simple Formel, die sich aus 70 Jahren Geschichte ableitet. Seit Jahren könnte Israel Palästina auslöschen – und tut es nicht. Israel ist wohl der einzige Staat, der ein ausgesprochen feindlich gesinntes Volk an und in seinen Grenzen nicht nur toleriert, sondern auch noch versorgt. Denn während die Ressourcen aus Gaza in den Terror fließen, kommen Strom und Wasser aus Israel nach Gaza. Israel lässt Angriff auf Angriff quasi ohne größere Reaktion über sich ergehen. Die Israelis aber wählen Parteien, die es tatsächlich wagen, eine härtere Gangart gegen solche Angriffe zum Programm zu machen – und schon verschwimmen für Sawsan die Grenzen zwischen Gut und Böse. 

Währenddessen sitzt Sawsan Chebli in Berlin. Berlin und das umliegende Deutschland haben mit Raketen nichts zu tun – Weder schickt es welche zum Mond, noch wird es von welchen getroffen. Von Berlin aus twittert Chebli und meint, den Nahostkonflikt verstanden zu haben: Schuld sind die Israelis. Sie verurteilt den Frontstaat, der sich seit 70 Jahren Terror und Krieg ausgesetzt sieht.  Menschen wie Sawsan Chebli können nur in dieser Sorglosigkeit entstehen: Man stelle sich eine Chebli im Jahre 1940 vor, die die Bombenangriffe der Briten auf Deutschland als „Hindernis für den Frieden“ bezeichnet, ohne sich auch nur mit einem Satz dem deutschen Luftkrieg gegen England zu widmen. 

Israel schießt Raketen zum Mond, Palästina schießt Raketen auf Kinder. Und Sawsan kann es nicht fassen, dass die Israelis doch tatsächlich Parteien wählen, die sich dem Terror nicht unterwerfen wollen. An allem sind die Juden schuld. 

15 Antworten

  1. Bettina sagt:

    Schön dass es in eurem Alter Leute gibt, die -wenn auch in a nutshell – und aller mainstream Medien zum Trotze, ganz gur kapieren was in Israel so läuft. Ich lebe seit 20 Jahren in israel und kann es oft nicht fassen wie zum Teil auch der engste Bekanntenkreis über das Land und die Menschen hier denken. Gibt Hoffnung, weiter so

  2. Raubtierkapitalist sagt:

    Betreff: Ottis Kommentar vom 15. April 2019 um 17:13 Uhr

    Ich ahnte, dass sie so ticken. Dass es aber nur drei Kommentare braucht, bis sie den Holocaust relativieren bzw. mehr oder weniger durch die Blume hindurch sogar gutheißen… Was verschlägt offensichtlich Irre wie sie ausgerechnet auf diesen Blog?

    Eine Antwort können sie sich sparen.

    P.S.: Ich habe mal hier oben geantwortet, da unter Ottis letztem Kommentar keine Antworten-Option ist.

  3. E.Weider sagt:

    Liebe/r Otti,

    Dein Kommentar: Und die von dir genannten Lager waren für jüdisch-asiatische Bolschewisten, die übrigens zuvor grade mal eben selber 20 Millionen Menschen ermordet hatten. Heute machen sie übrigens einen auf verfolgte Unschuld…

    Solltest du mal auf den Wahrheitsgehalt überprüfen, gerne auch mit guten Geschichtsbüchern, ist ja nicht zu fassen.

  4. Daniel sagt:

    Max Roland: Respekt, sehr gut erkannt, sehr gut g(b)eschrieben.

  5. Jonathan HG sagt:

    Israel schießt Raketen zum Mond, Palästina schießt Raketen auf Kinder.“
    Philosemitismus und nüchternes Begreifen der Welt lassen sich nicht gut vereinbaren. Lieber Max Roland, nimm nicht jeden dummen tweet irgendeiner tussi so ernst, und schraub dein Bild von Israel ein bisschen runter, sonst kommt irgendwann das böse Erwachen: auch israelischer Mist stinkt. Lass dir durch diesen Konflikt nicht die Welt in schwarz und weiß teilen.

  6. Otti sagt:

    Nicht Deutschland hat den Bombenkrieg angefangen, sondern England.
    Und zwar gleich bei Kriegsbeginn.
    Auch in der gesamten Eskalation wsr England immer weit voraus:
    Schon 4 Monate vor Coventry war der erste Großangriff gegen Essen mit 99 Bombern.
    Die Deutschen setzten übrigens meist Stukas ein, damit ist „chirurgische Kriegsführung“ möglich. Wobei der Sturzflug ein hohes Risiko für den Piloten bedeutet. Im Gegensatz zum Flächenbombardement aus großer Höhe, wo die Bomben sonstwo landen.

    • Raubtierkapitalist sagt:

      Otti schrieb:

      > Nicht Deutschland hat den Bombenkrieg angefangen, sondern England.

      Warschau? 560 Tonnen Sprengbomben, 72 Tonnen Brandbomben. (25./26. September 1939)

      > Die Deutschen setzten übrigens meist Stukas ein, damit ist „chirurgische Kriegsführung“ möglich.

      Wielun? „Chirurgische“ Stuka-Angriffe u.a. auf das Krankenhaus. Stadt zu 90% zerstört. (1. September 1939)

      Frampol? Stadt zu 90% zerstört. (13. September 1939)

      • Otti sagt:

        Weder Warschau noch Wielun noch Frampol liegen in Großbritannien. Die Briten hatten nicht das geringste Recht, sich in den deutsch-polnischen Krieg einzumischen. Denn: Dieser war gerechtfertigt, weil die Polen den westpreußischen Landbesitz zu 85 % enteignet hatten. Das durften sie nicht, auch nicht nach dem Versailler Vertrag. Sie durften zwar Westpreußen regieren, aber sich nicht den Privatbesitz unter den Nagel reißen. Das selbe galt übrigens auch für Ostoberschlesien. Die Franzosen und die Briten hatten damals übrigens über die sich-überall-einmisch-wo-sie-nichts-zu-suchen-haben-tour die halbe Welt unterworfen. Wer behauptet, die Einmischung Englands und Frankreichs wegen des Polenfeldzuges sei rechtens, der muß auch den gesamten europäischen Kolonialismus als rechtmäßig einstufen.

        Wenn der Stuka-Pilot die Bomben über einer Stadt einfach so ausklinkt statt sie präzise im Sturzflug abzuwerfen, dann ist das zwar nicht so wie die Heeresleitung sich das gedacht hat. Aber es ist in keinster Weise anders als das Verhalten der britischen Bomber, die sowieso fast nie mit Sturzkampfbombern angegriffen haben somit fast immer Flächenbombardements durchführten, meistens sogar nachts, wo sie überhaupt nicht zielgenau operieren konnten.

        Zum Angriff auf Wielun: Diese Stadt wurde angegriffen, weil in einem sachlich falschen Geheimdienstbericht angegeben wurde, daß dort massenhaft polnisches Militär stationiert sei. Dies war nicht der Fall, bombardiert wurde trotzdem, jedoch durch Stukas, was die Opferzahl (die nach polnischen Zahlen exorbitant hoch ist, was aber kein normaler Mensch für bare Münze nimmt) erheblich reduziert. Denn die Stukas hatten zum Schutz der Zivilisten extra Sirenen eingebaut.

        Zu Warschau: Die Bombardierung Warschaus wurde von der deutschen Luftwaffe rechtzeitig angekündigt und es wurde auch angegeben, auf welchen Wegen die Zivilisten die Stadt gefahrlos verlassen können. Eine Praxis, wie sie heute Israel bei der Bombardierung Warschaus anwendet und die somit selbst nach heutigen Kriterien international als absolut human und akzeptabel eingestuft wird.

        Zu Frampol weiß ich nichts genaueres, nur daß sie nicht in Großbritannien liegt und die Erwähnung der Bombardierung dieser Stadt damit absolut unsachlich ist.

        • Raubtierkapitalist sagt:

          Otti schrieb:

          >Weder Warschau noch Wielun noch Frampol liegen in Großbritannien. Die Briten hatten nicht das geringste Recht, sich in den deutsch-polnischen Krieg einzumischen […]

          Ich ahnte, dass die Antwort auf meinen Kommentar Whataboutism und Appeasement sein wird.

          P.S.: Auschwitz und Majdanek lagen auch nicht in Großbritannien.

          • Otti sagt:

            „Ich ahnte, dass die Antwort auf meinen Kommentar Whataboutism und Appeasement sein wird.“
            Was ist das denn schon wieder für ein blödsinniger Mist? „Whataboutism“?

            Im Übrigen liegen die von dir genannten Städte tatsächlich nicht in Polen.

            Und die von dir genannten Lager waren für jüdisch-asiatische Bolschewisten, die übrigens zuvor grade mal eben selber 20 Millionen Menschen ermordet hatten. Heute machen sie übrigens einen auf verfolgte Unschuld…

  7. jonas sagt:

    hey, ich finde es cool was ihr macht kann man irgendwie teilnehmen?

  8. DasLinkeParadox sagt:

    Naja, ganz so simpel, sich auf eine Seite zu stellen, ist es nicht, wie oben impliziert. Auch die Israelis haben paar Eskalations-Fanatiker in ihren Reihen. Aber man kann sich GROßTEILS zu einer Seite bekennen und auch wenn Golda Meir ganz sicher nicht ganz unschuldig an der Eskalation war, muss man ihr zustimmen: Solange die Palästinenser ihre Kinder weniger lieben, als sie uns hassen, wird es keinen Frieden geben.
    Genaugenommen weiss ich viel zu wenig über diesen Konflikt, um zu jeder Frage ne Position beziehen zu können… Aber Großteils weiss ich ganz klar, mit wem ich mich solidarisiere. Es kann vorkommen das DieLInke oder gar die Grünen in manchen Fragen ne bessere Position als die AFD vertreten, bspw. Thema Sterbehilfe… aber das reicht eben lange nicht, um mich ALLGEMEIN auf ihre Seite zu schlagen.
    BTW: Beim Thema Abtreibung ist mir die AFD zu kategorisch und die Linke Seite zu liefstylisch.
    NUr die Schwangere kann schlussendlich wissen und entscheiden: Werde ich das Kind so selsbtslos lieben und ausreichend für es sorgen können, wie es jedes Kind verdient? Die Politik kann hier bessere Rahmenbedingungen schaffen, aber sie kann keine potenzielle Mutter zwingen, ihr Kind zu lieben, wie es jedes Kind verdammt nochmal verdient. Und ich behaupte nicht geboren zu sein, ist ein größeres Glück als ungeliebt geboren zu sein! Wie bei der Sterbehilfe/Freitod (also saubere Abgang, sztatt die Putzfrau eines Hotels oder nen Lokführer…. damit zu traumatisieren) ist auch Kind bekommen/abtreiben ein urpersönliche Angelegenheit, eine Frage die sich kein Betroffener vermutlich zu leicht macht. Je weniger kategorischer, ideologischer Imperativ, umso besser. Zur Freiheit gehört eben auch, solche tiefgreifenden Entscheidungen des Einzelnen zu respektieren, denn leicht macht er/sie/es sich diese Entscheidung ganz sicher nicht. Zumindest die meisten. Wenn ein „junger Werther“ aus Liebeskummer von dannen scheiden will, sollte man ihn selbstredend besser therapieren, bei der „Mutter“ allerdings, die Abtreibung als Pille danach betrachtet… Will man einer solch verantwortungslosen, egositsischen, unreifen…. Person tatsächlich ein Kind anvertrauen?
    Etwas vom Thema ab. Was ich grundlegend sagen wollte: Wohl kaum jemand, der in den meisten Punkten Recht hat, hat in allen Punkten recht. Bleibt bitte in jeder Frage schön differenziert! Der Kopf ist rund damit die Gedanken bei Bedarf die Richtung ändern können! Alles andere ist kategorische Ideologie und eines jeden freien Geistes eminenter Bremsklotz!

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