Sahra Wagenknecht bricht Parteilinie

Von ERIK SNIPER | Sahra Wagenknecht ist die neue Altkommunistin, die den imperialistischen Klassenfeind lieber national bekämpft, als mit Christopher-Street-Days und Open-Borders-Blauhaarigen. 

Jeder hat ein ungefähres Bild im Kopf, wenn es um Linke in Deutschland geht. „Linksgrün versiffte Gutmenschen“, wie man im Volksmund sagt. Schlacksige junge Männer, die in schwarzer Kleidung und Vermummung Großstädte verwüsten und junge Frauen, die mit „Refugees Welcome“-Schildern an Bahnhöfen auf Wirtschaftsflüchtlinge und Kulturbereicherer warten. Wenn man an Linke denkt, dann ist Sahra Wagenknecht nicht das erste, was einem durch den Kopf geht. Die knallharte Antikapitalistin fiehl nämlich in letzter Zeit immer wieder mit Aufrufen gegen hirnlose Masseneinwanderung und grenzenlose Aufnahmebereitschaft auf. Damit stellt sie sich voll gegen die Parteilinie. In einem Gastbeitrag in der „Nordwest-Zeitung“ schreibt sie: „Eine realistische linke Politik lehnt beide Maximalforderungen gleichermaßen ab.“ Damit ist auch eine Abgrenzung zur AfD gewollt. Weiter schreibt sie, dass sich die Politik aber nicht von kriminellen Schlepperbanden vorschreiben lassen dürfe, „welche Menschen auf illegalen Wegen nach Europa gelangen.“ Mitverfasser des Artikels ist Bernd Stegemann. Der stößt bei den Linken nicht nur wegen gelegentlichen Ausfällen auf wenig Gegenliebe.

Dass sich Wagenknecht mit ihrer eigenen Flüchtlingslinie nicht gerade Freunde macht, ist spätestens seit einem Parteitag bekannt, bei dem sie von einem zahlenden Mitglied eine Sahnetorte ins Gesicht geworfen bekam. Doch sie schafft es geschickt, die gesellschaftliche Missgunst auf unsere lieben Flüchtlinge auch auf andere Gegenstände linker Politik zu schieben. Die Fixierung vieler Bürger auf das Thema Flüchtlinge sei aus ihrer Sicht der falsche Ausdruck einer Wut, die sich in ganz anderen Bereichen des Lebens angesammelt habe, so Wagenknecht. „Wer nur befristete Arbeitsverträge hat, wessen Rente zu klein ist und wessen Kinder keine anständige Schuldbildung mehr bekommen können, weil die öffentlichen Schulen vergammeln und Lehrerstellen unterbesetzt sind, der hat jeden Grund, auf ‚die da oben‘ sauer zu sein.“ Um den Linken in diesem Lande, die ihrer Linie zustimmen, wieder eine Stimme zu geben, gründete Wagenknecht eine Sammelbewegung. Dazu schreiben die beiden Verfasser in ihrem Beitrag, dass es eine linke Sammlungsbewegung geben müsse, „die den Mut hat, sich mit den mächtigen Akteuren anzulegen. Für ein gerechtes Land nehmen wir den Kampf gegen die Privilegien der globalen Konzerne auf wie gegen die Superreichen, die ihre Steuern hinterziehen und zugleich alle Vorteile eines friedlichen Gemeinwesens beanspruchen. Wir glauben nicht länger dem Märchen, dass es allen besser geht, wenn zuerst die Reichen noch reicher geworden sind.“ Laut Wagenknechts Ehemann und ehemaligen Linken-Vorsitzenden Oskar Lafontaine sei die Bewegung recht erfolgreich und hätte schon 36.000 Unterschriften. Man merkt, dass Wagenknecht in ein Wespennest gestochen hat. Man merkt, dass dieses Thema den Linken unter den Nägeln brennt, gerade, wenn ein so hohes Parteimitglied eine so kontroverse Meinung vertritt. Aber man merkt Wagenknecht auch an, dass sie es genießt, den Linken zuzuschauen, wie sie sich selbst zerfleischen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.