Ressentiment gegen Amerika ist Mainstream: 64% der Deutschen bezeichnen Verhältnis zu Amerika als ,,schlecht“

Von Jan Schneider | Verschwörungstheorien en Masse, „die sind eh alle bekloppt“, „Trump der Clown“ – das hört man, wenn man viele Deutsche auf der Straße nach ihrer Meinung zu den Vereinigten Staaten von Amerika fragt. Geht man aber über den großen Teich, sieht die Antwort ganz anders aus: 75% der Amerikaner bezeichnen das deutsch-amerikanische Verhältnis als gut oder sehr gut, während es in Deutschland nur 34% so sehen. Zwar sind beide Zahlen im Vergleich zum letzten Jahr gestiegen, jedoch nicht auf dem Niveau vor Trumps Amtsantritt 2017. Die schlechte Sicht auf das Verhältnis hängt wohl zum großen Teil mit Präsident Trump zusammen, über den es in Deutschland nach wie vor viele Vorurteile gibt. 

Die von Pew-Research und dem Körber-Institut veröffentlichten Zahlen zeigen ebenfalls, dass zwar mit 52% der Deutschen eine Mehrheit die US-amerikanische Truppenpräsenz in Deutschland als wichtig für die nationale Sicherheit ansieht, in Amerika sind es jedoch 85%. Woher diese geringe Wertschätzung für Amerika kommt, hat wohl mehrere Gründe. 

Schon genannt wurde Donald Trump, der stets um ein gutes Verhältnis zu den NATO-Partnern bemüht ist, jedoch zurecht einfordert, dass Deutschland das 2%-Ziel erfüllen soll. Auch sind die Medienberichte in Deutschland über seine Arbeit und seine Person sehr negativ. Hinzu kommt, dass viele Deutsche die USA für den Bürgerkrieg in Syrien und die damit verbundene Flüchtlingskrise verantwortlich machen. Zudem verstehen viele Deutsche amerikanischen Patriotismus und die Freiheit des Waffenbesitzes nicht und bezeichnen Amerikaner als verrückt. 

Dankbarkeit für den Schutz Deutschlands vor einer sowjetischen Besatzung, für die Befreiung vom Nationalsozialismus und die Mitwirkung an der deutschen Einheit sind oft Fehl am Platz. In den Staaten jedoch weiß man klassische deutsche Tugenden, deutsche Ingenieurskunst und vor allem deutsche Autos wert zu schätzen. Wie viel davon noch aktuell ist, sei mal dahingestellt, zumindest sehen es die Amerikaner so. 

Neben Verschwörungstheorien und Trump könnten aber noch zwei weitere Gründe existieren: Arroganz und Neid. Deutsche sehen sich gerne als kluge Nation an, aber vor allem als moralisch-erhobene, wie man an der Generation Greta unschwer erkennen kann. Neidisch ist man jedoch in unserer Gesellschaft gerne, auch auf erfolgreiche Staaten wie Israel und die USA. Die Gründe für die Amerika-Ablehnung könnten also auch ganz einfach eines sein: In nationalen Komplexen verwurzelt.

3 Antworten

  1. Christoph sagt:

    Was für ein merkwürdiger Artikel. Von welchen Komplexen hier wohl die Rede ist?Natürlich ist es für uns mehr als befremdlich, dass in den USA jeder Depp eine Waffe kaufen kann. Was dabei herauskommt zeigt doch wohl ganz klar die Statistik. Die Berichterstattung über Trump halte ich auch nicht für übertrieben oder verfälscht. Ich denke jeder halbwegs zivilisiert denkende Mensch muss ihn einfach völlig ablehnen. Er ist niemandem zumutbar und gefährdet nicht nur den Weltfrieden, sondern auch eine gesunde humanistische Weiterentwicklung des amerikanischen Volkes. Offenbar hat Amerika nichts aus unserer Geschichte gelernt. Und „aufgeräumt“ hat der unbestrittene Meister der Vetternwirtschaft in meinen Augen auch noch nichts. Nein, es hat sehr gesunde und an Fakten festmachbare Gründe, warum so viele Deutsche Trump ablehnen. Arrogant ist auch doch wohl eher sich weltpolitisch überall einmischen zu müssen und nicht Gretas Sorge um unsere umweltpolitische Zukunft. Aus meiner Sicht ist der obige Artikel völlig daneben.

  2. Marc sagt:

    Hier ein Interview mit dem Historiker Victor Davis Hanson, leider ist nur die englische Version gratis, über Trump, über Probleme in der amerikanischen Gesellschaft, über das Verhältnis zu Europa und dem Rest der Welt und warum die Menschen es zwar schätzen, wenn jemand „aufräumt“, ihn aber doch nicht mögen. Ein sehr lesenswerter Artikel:
    https://www.weltwoche.ch/ausgaben/2019-48/weltwoche-international/hanson-die-weltwoche-ausgabe-48-2019.html