Reißt Auschwitz ab!

Von EVA GOLDERBIET | In Deutschland setzt die Mehrheit der Bevölkerung alles auf die Niemals-Vergessen-Leier wenn es um die Shoah und die allgemeine Schuld Deutschlands geht. Wie es Juden damit geht, interessiert eher wenige.

Die Juden und die Konzentrationslager
Vorletzte Geschichtsstunde in der Schule verkündete die Lehrerin, dass nach den Herbstferien alle 9. Klassen unserer Schule in ein KZ zur Exkursion fahren werden.
Dass ich Jüdin bin, wusste die Lehrerin noch gar nicht. Ich hob also die Hand und fragte: „Muss man dorthin fahren?“,„Wieso?“. „Ich will nicht zu dem Ort gehen, in dem meine Vorfahren ermordet wurden mit allen anderen Juden!“. Im Klassenraum wurde es sofort still. Zuvor wurde noch niemand mit dergleichem konfrontiert. Die Angst stand der Lehrerin ins Gesicht geschrieben. Ohne in eine ähnliche Situation zu kommen, denken viele erst gar nicht darüber nach, was Juden empfinden, wenn all die großen Gebäude, in denen ihr Volk gezielt ermordet wurde, immer noch existieren und nicht abgerissen wurden, und wenn Deutsche stolz darauf sind, dass sie dermaßen zahlreich Gedenkstätten erbaut haben. Ich kenne keinen einzigen Juden, der stolz darauf wäre, dass die Gebäude, in denen Oma und Opa getötet wurden, immer noch da sind, und dass es so viele Gedenkstätten gibt. Einigen kommt das Ganze wie ein Gedenken an die NS-Zeit vor.
Dass immer noch Konzentrationslager auf deutschem Boden stehen, ist eine Erniedrigung aller Holocaustopfer und deren Nachfahren. Man darf selbstverständlich nicht vergessen, was damals geschehen war, – denn aus der Geschichte soll man lernen – aber es ist tatsächlich antisemitisch wenn man seine Erinnerungskultur derart pompös ausstellt, wie die Deutschen es heutzutage machen.
Wer sich an der Sichtweise der Juden auf diese Sache interessiert und sich informieren will, dem empfehle ich das Buch „Vergesst Auschwitz!“ von Henryk M. Broder. Er geht an die Sache hervorragend heran. Mir persönlich ist es wichtig, dass alle Deutschen das Problem der Erinnerungskultur, so wie sie jetzt ist, verstehen.
Meine Klasse hat das ganz am Anfang beschriebene Ereignis nicht besonders beeindruckt, sie empfindet es immer noch als richtig, dass man diesen grausigen Ort besucht.

Die ewige Schuld Deutschlands und die Flüchtlinge
Ich bin schon sehr oft auf Menschen gestoßen, die, nachdem sie erfahren haben, dass ich jüdisch bin, eine niedergeschlagene Miene zogen und sagten: „Es tut mir schrecklich Leid, was ICH deinen Verwandten damals angetan hatte.“.  Selbst wenn sie genauso alt wie ich sind und am 3. Reich nun wirklich keine Schuld haben. Da ich dieses „ICH“ in ihrem Satz nicht verstehe, frage ich immer nach, wieso denn „ICH“?. Meist bekomme ich keine eindeutige Antwort. Einige sagen jedoch, sie wären einfach Schuld an dem Tod von über 6 Millionen Juden und dass sich das nicht ändern ließe.
Danach können viele von diesen Leuten nicht mehr ruhig mit mir sprechen: sie haben Angst, etwas Falsches zu sagen und sind nervös. Manche versuchen sogar, mir aus dem Weg zu gehen. Durch dieses Schuldgefühl haben viele Deutsche Angst, sich als Nation zu identifizieren. Ihnen kommt jeglicher Patriotismus und jede Vaterlandsliebe wie Faschismus vor.

Der Kampf gegen Antisemitismus scheint für viele Deutsche, unter anderem auch Angela Merkel, von großer Bedeutung zu sein. Jedoch ist es paradox, dass man seit 2015 gleichzeitig unkontrolliert Millionen Antisemiten ins Land hineinlässt. Das zeigt vielen Juden, dass der Kampf gegen Antisemitismus geheuchelt ist. Wenn man wirklich gegen Antisemitismus kämpfen will, dann lässt man  keine Antisemiten einfach so nach Deutschland hinein. Antisemitische Straftaten durch illegale Migranten haben sich seit 2015 drastisch vermehrt und werden kleingeredet und/oder verschwiegen. Viele Juden wandern deshalb bevorzugt nach Israel aus Deutschland aus, da sie einen zweiten Holocaust, diesmal durch extremistische Muslime nicht erleben wollen. Wenn es in Deutschland genauso weiter geht, wird Israel ebenfalls mein Ziel sein.

Die Deutschen und Israel
Die negative Einstellung von Deutschen zu Israel ist unbegründet. Israel wird beispielsweise als Besatzerstaat bezeichnet. Entweder sagt man das, weil man den deutschen Staatsmedien glaubt, oder dahinter steckt wiederum wahrer Antisemitismus, tief verborgen unter dem Mantel des guten Deutschen, der scheinbar Antisemiten bekämpft.
Man muss wissen, dass Juden vom zweiten Weltkrieg sehr viel gelernt haben. Sie sind äußert vorsichtig. Lange hatten Juden keinen eigenen Staat. Jetzt endlich hatten sie ihn. Besonders deshalb schätzen und lieben sie Israel sehr. Wie schon vorher erwähnt, Deutsche mögen Patriotismus nicht sonderlich. Israel will keinen Krieg, Israel greift auch niemanden an. Wenn Israel jedoch angegriffen wird, schützt sich Israel so stark, wie es nur geht: kein Israeli will wieder sein Land verlieren. Von den deutschen Staatsmedien wird verschwiegen, wieso israelische Soldaten an der Grenze auf Palästinenser feuern – Israel schützt sich nur vor allen, die Israel angreifen. Ich erlebe oft, dass von toten Palästinensern die Rede ist. Wieviele israelische Soldaten sterben, wird fast nie erwähnt. Das Verschweigen von Tatsachen ist auch eine Lüge. Die Situation wird vom Empfänger anders wahrgenomen, als wenn er selbst vor Ort wäre. Woran liegt diese Verschwiegenheit der Staatsmedien? Henryk Broder geht auch darauf in seinem Buch ein: viele Deutsche haben eine Abneigung gegen Juden, weil sich viele Deutsche an der Shoah schuldig fühlen. Gegen Juden können sie nichts sagen, da sie Angst haben, als Antisemit abgestempelt zu werden. Aber irgendwie müssen sie ihren Hass nach Außen tragen. Als Folge wird Israel als Verbrecherstaat dargestellt, der andere Menschen grundlos angreift. Dann kann ja niemand sagen, es sei antisemitisch. Es ist ja eigentlich nur  Kritik an einem Staat…

Ich persönlich bin patriotisch zu dem Land, in dem ich lebe. Als Jüdin liebe ich aber auch Israel. Das ist für viele in meiner Umgebung nicht verständlich. Diese Unverständlichkeit wird wiederum in unterschwelligen Hass umgewandelt: mündliche Mitarbeitsnoten in Gesellschaftswissenschaften werden merklich nach unten verschlechtert. Auf meine Nachfrage, wieso das so sei, redete die Lehrerin nur um den heißen Brei herum. Trotz der Folgen, die ich in meinem Alltag erlebe, werde ich nicht aufhören, mich als Jüdin und Israelfreund zu zeigen. Ich werde mich auch weiterhin für Deutschland einsetzen, da ich es für sehr wichtig empfinde. Solange man hier noch nicht für seine Meinung weggesperrt oder getötet wird, werde ich bei meiner Sache bleiben. Und das sollten auch alle anderen Menschen tun, die Deutschland lieben.

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5 Antworten

  1. Thorben Meyer sagt:

    Typisch Gesinnungsethiker eben: Es geht nicht darum, antisemitische Taten zu verhindern, sondern selbst nichts direkt zu tun, was als fremdenfeindlich ausgelegt werden könnte. Wenn die Menschen, die man im Rausch der eigenen Gutherzigkeit hergeholt dann Dinge tun, die bei Menschen europäischer Abstammung sofort als rechte Hassstraftaten erkannt worden wären, ist man selbst nicht verantwortlich, so die Gesinnungsethik.

  2. A. Meir sagt:

    Sehr lesenswert. Gut das sich jüdische Mitbürger, noch dazu so junge, zu diesen Themen einmischen. Das fehlt unser deutschen Diskussion sehr.
    Die Meinung der Juden in unserer Gesellschaft zum Antisemitismus,, nicht immer nur das Zentralrad der Juden, der kann ja bald mit Margot Käßmann eine Ökomene bilden. Mischen sie sich weiter ein junge Dame!

    • Karl sagt:

      Ich finde eure Denkweise und auch die Themen sehr interessant und bereichernd. Aber dieser Artikel ist wirklich unschön. Er hat in manchen Punkten vielleicht recht, aber allgemein finde ich es unfair wie vereinfachend und subjektiv er geschrieben ist.

      • kasizwo sagt:

        Also bitte: „unschön“ und „vereinfachend“ sind doch keine fundierten Aussagen. Wenn jemand etwas kritisiert, sollte er es begründen. Und außerdem: Ein Erfahrungsbericht darf und sollte sogar subjektiv sein!

  3. le chaim sagt:

    Beeindruckender und berührender Bericht, der den modernen Antisemiten die Schamesröte ins Gesicht treiben sollte!

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