Reine Provokation? Erdogan macht Hagia Sophia zur Moschee

Von Manuel Freund | Die Hagia Sophia wurde 532 bis 537 erbaut. Seitdem gilt sie als eines der wichtigsten Gotteshäuser weltweit. Als die Kirche erbaut wurde, war Istanbul (damals noch Konstantinopel) christlich geprägt. Sie war die Hauptkirche Byzanz‘, in der sogar die Kaiser des Reiches gekrönt wurden.

Als Konstantinopel 1453 durch die Osmanen erobert wurde, ließ Sultan Mehmet II. die vier Minarette hinzufügen und wandelte die zu dem Zeitpunkt griechisch-orthodoxe Kirche in eine Moschee um. Trotz dieses Kirchenraubs blieb die Hagia Sophia für alle Christen, aber besonders für die griechisch- und russisch-orthodoxen, ein Zentrum ihrer Religion. Für sie ist die Hagia Sophia das Pendant zum Petersdom im Vatikan.

Der Gründer der Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, ließ 1934 die Umwandlung der Hagia Sophia zu einem Museum anordnen. Damit wollte er das Gotteshaus zu einem Zeichen der Säkularität im türkischen Staat machen. So durfte bis vor Kurzem jeder die Hagia Sophia betreten und dort zu seinem Gott beten.

Erdogan hat’s nicht so mit Säkularität

Warum nur bis vor Kurzem? Naja, wenn man sich das jüngste politische Geschehen in der Türkei ansieht, merkt man schnell, dass der aktuelle Staatschef und gewählte Diktator Recep Tayyip Erdogan nicht gerade eine herausragende Säkularität aufweisen kann. Auf seine Verfügung hin erkannte das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei der Hagia Sophia den Status des Museums ab. Erdogan setzte das erste islamische Gebet bereits am 24. Juli an.

Jetzt fragt man sich natürlich, warum ein radikaler Präsident, der trotz seiner Machenschaften wie dem Einsperren kritischer Journalisten in weiten Teilen Europas noch ziemlich glimpflich davongekommen ist, so auf den Putz haut. Der offensichtlichste Grund ist Provokation. Die Türkei steht aktuell wegen der Flüchtlingsfrage und einiger Streits um Erdölvorkommen im Mittelmeer mit Griechenland im Streit. Da die Hagia Sophia vor allem für die griechisch-orthodoxen Christen enorme religiöse Wichtigkeit besitzt, ist dies offensichtlich ein symbolischer Akt der Provokation gegen Griechenland und weitere orthodoxe Länder wie Russland. Aus diesen Ländern kassierte die Türkei für ihr Vorgehen daher auch heftigste Kritik. Griechische Zeitungen titeln „Die Hagia Sophia ist Opfer des Größenwahns Erdogans geworden“ und werfen dem türkischen Diktator – in meinen Augen völlig zu Recht – vor, zu versuchen, die Türkei in einen absolutistischen, rein muslimischen Staat umzuwandeln.

Erdogan sucht nach solchen Möglichkeiten, um unter dem Deckmantel kleinerer Skandale nach und nach die Rechtsstaatlichkeit in der Türkei abzuschaffen.

Auch aus den USA und der EU kommt hauptsächlich Kritik. Nachdem sich die Türkei eigentlich als Gründungsmitglied des Bündnisses der Zivilisationen dazu verpflichtet hatte, die Religionsfreiheit und -vielfalt in der Türkei zu wahren, hatte man eigentlich auf Besserung gehofft. Gerade der Fakt, dass die Kirche ein Weltkulturerbe ist und somit für Menschen aller Glaubensrichtungen bedeutungsvoll und besuchenswert ist, sorgt dafür, dass nicht nur christlich-orthodoxe Länder nun aufschreien.

Wegen der Einverleibung der Hagia Sophia durch den Islam könnte sie den Status als Weltkulturerbe sogar verlieren. In meinen Augen war der Streit mit Griechenland nur ein gefundenes Fressen. Erdogan sucht nach solchen Möglichkeiten, um unter dem Deckmantel kleinerer Skandale nach und nach die Rechtsstaatlichkeit in der Türkei abzuschaffen. Er hat bereits die Gewaltenteilung, die Religions- und die Pressefreiheit stark eingeschränkt bis gänzlich abgeschafft. Er ist auf dem besten Weg, die Türkei in einen weiteren islamisch-diktatorischen Schurkenstaat im Nahen Osten zu verwandeln.

2 Antworten

  1. Frank Grossfuss sagt:

    Damit vollendet und zementiert Erdogan den Raub des griechisch-orthodoxen Gotteshauses.
    Und die EU / BRD?
    Wie üblich donnerndes Schweigen sobald es pro Islam und contra Christentum geht.

  2. David sagt:

    Es wird hier im Westen kaum jemanden interessieren, was da geschieht. Ist man doch geschichtsvergessen einerseits und andererseits krampfhaft-peinlich darum bemüht, sich den Moslems, insbesondere Erdogan, anzubiedern und anzudienen.

    Ein weiteres trauriges Kapitel und eine Wegmarke auf dem Weg in ein völlig verändertes Europa unter dem Halbmond.