Rechtsextremer Anschlag in Halle: Warum Einigkeit und Solidarität jetzt wichtig sind

Von Max Zimmer | Gestern schoss der Neonazi Stephan Balliet in Halle vor einer Synagoge und einem Dönerladen um sich, töte dabei einen Mann und eine Frau. Sein Ziel: eine zum Jom-Kippur Tag vollbesetzte Synagoge, ein geplanter Angriff auf Juden in Deutschland. Als der Attentäter die Tür der Synagoge – glücklicherweise -nicht aufbekommt, wirft er einen Sprengsatz auf den angrenzenden jüdischen Friedhof und schießt auf eine unbeteiligte Passantin – die Frau stirbt. Seine widerliche Tat streamte Balliet – ähnlich wie der Attentäter von Christchurch – im Netz.

Es ist abzusehen, dass in unmittelbarer Zukunft eine erneute Debatte um Rechtsextremismus und politische Gewalt als solche entbrennt, genau wie um Antisemitismus, und wer als Antisemit einzustufen ist.  Wahrscheinlich wird die AfD wieder angeklagt “Hass zu schüren“, und die politische Gegenseite wird dem linken Spektrum eine Verharmlosung islamischen Antisemitismus vorwerfen.

Dieser Anschlag, und das ist keine Phrase, trifft uns alle. Er ist ein Angriff auf unsere jüdischen Mitbürger, genau so wie auf Deutsche mit Migrationshintergrund, die zweifellos Ziel des Angriffs auf den Dönerladen waren. Dieser Anschlag wurde am 30. Jahrestag der friedlichen Revolution von 1989 begangen, und hat ein freudiges Fest der Deutschen in einen Tag nationaler Trauer und Schande verwandelt – dieser Angriff war eine Attacke auf die deutsche Gesellschaft, die Einheit unserer Nation, auf unsere Demokratie  – es war ein Angriff auf uns Deutsche. Viel mehr war es aber ein Angriff auf deutsche Juden, auf Juden in Deutschland.

Daher ist es jetzt angesagt, politische Grabenkämpfe und das alltägliche Gerangel der verschiedenen Lager bewusst auszulassen, und Einheit zu demonstrieren. Jeder, der sich als deutscher Demokrat sieht, muss diesen Anschlag ohne wenn und aber verurteilen, und mit seinen Landsleuten in Halle trauern – ohne jedwede Versuche, politisches Kapital aus dem Anschlag zu ziehen, und ganze Parteien und Spektren in Sippenhaft zu nehmen. Wer die Toten von Halle jetzt zu instrumentalisieren versucht, um den Begriff Rechtsextremismus und damit diese Schandtat auf eine demokratisch gewählte Partei zu übertragen, der behindert fahrlässig die einzig richtige Reaktion unserer Gesellschaft auf derartige Taten: Gemeinsame, einheitliche Verurteilung durch alle Schichten und politische Lager, Solidarität mit den Opfern und den Angehörigen, und ein konstruktives Zusammenrücken der Gesellschaft, dass die beste denkbare Antwort auf solche Verbrechen ist. 

Das Ziel von Extremisten ist es, eine Gesellschaft zu spalten, und Konflikte zu vertiefen und zu eskalieren. Wenn durch diesen Anschlag Gräben vertieft und Anschuldigungen gegen Unbeteiligte getätigt werden, erreicht der Täter genau das, was er erreichen wollte. Wahre Stärke zeigen wir alle – von der Linken über die Grünen bis hin zur AfD – nur durch einen einmaligen, harmonischen Schulterschluss in einer Sache, in der es ausnahmsweise keinen Streit geben kann: Der Verurteilung dieses Verbrechens. 

2 Antworten

  1. dasLinkeParadox sagt:

    JA und Nein! Selbstredend werden wir Liberalen, Patrioten, gemässigten Rechten…. uns hier nicht spalten lassen und unsere vollste Solidarität hinausschreien. Es sollte aber AUCH ein Moment der selbstkritischen Reflexion sein! Ich will Schnellroda und anderen völkischen Spinnern keine Mitschuld attesttieren, aber sie produzieren schon in beständiger Regelmässig ziemlich fragwürdiges Gedankengut, auch wenn sie sich relativ gut tarnen. Aber hinter ihrer Taqiyya sind Vereinnahmensversuche zu sehen, das VERNÜNFTIGE patroiatische Lager zu unterwandern. Es wird Zeit das wir uns noch klarer von solchen von diesen Sozialisten und anderen Feinden der Freiheit , distanzieren. Diese Menschen sind NICHT unsere Verbündeten, auch wenn wir 2, 3 gemeinsame Feinde haben -das macht uns noch lange nicht im Sinne gleich!!!!
    Die Freiheit, die Demokratie, der Liberalismus…. wird derzeit von extrem vielen Seiten angegriffen. Die Angriffe von Rechtsaussen sind da zwar nur ein Aspekt, aber einer auf den wir zumindest etwas Einfluss hätten, wenn wir denn wirklich wollten und nicht aus falsch verstandenem Einigkeitsbestreben ausgewachsene Freiheitsfeinde mitten unter uns dulden! Was ich schmerzlich vermisse ist eine KONSTRUKTIVE Kritik nach Innen! Es darf nicht sein, das wir aus Angst vor Spaltungsvorwürfen und andere fadenscheiniger „Gründe“ hier Vogel Strauss spielen. FReiheitsfeinde sind Freiheitsfeinde egal aus welcher Ecke sie stammen., welche gemeinsamen Feinde wir haben.
    Man kann „Spaltung“ auch positiv sehen. Denn was wir auf der einen Seite verlieren, gewinnen wir dr5eifach auf der anderen Seite zurück! Weil wir uns nicht deutlich genug von solchen zwielichtigen Personen/Gruppen abgrenzen verschrecken wir viele potentielle Sympathisanten die hier VÖLLIG ZU RECHT eine mehr als unschöne Tendenz sehen!

  2. nordseeschwalbe sagt:

    Liebes Apollo-Team, viele Grüße aus Jerusalem, wo wir Yom Kippur miterleben konnten.
    Es war berührend zu sehen, wie feierlich gekleidete jüdische Männer, Frauen, Kinder (aber auf Socken oder mit Badelatschen, da Lederschuhe an Yom Kippur tabu sind) mit Gebetsbuch unterm Arm zur Klagemauer und in die Synagogen eilten und das ganze Land einen Tag stillstand. Leider erreichten uns auch die schrecklichen Nachrichten aus Halle.
    Sie haben völlig recht – in der Frage, auf Seiten der Juden und Israels zu stehen, müssen wir einig sein. ❤️🇮🇱

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