Warum ist Inflation eigentlich so problematisch?

Von Marvin Wank | In meinem Artikel über Preisbildung habe ich die Infomationsfunktion von Preisen erklärt. Ganz kurz zusammengefasst: Preise beschränken den Verbrauch knapper Ressourcen. Nun bin ich in besagtem Artikel von einem freien Markt ausgegangen. Doch von diesem Zustand sind wir in Europa leider Gottes sehr weit entfernt. Deswegen werde ich hier beleuchten, wie Geldmengeninflation als staatlicher Eingriff in die Wirtschaft die Informationsfunktion des Preises aushebelt.

Stellen wir uns zwei Volkswirtschaften vor und nennen diese A und B. An dieser Stelle: Entschuldigung an die Herren Schmidt und Müller, aber das hätte hier einfach nicht gepasst. Beide Volkswirtschaften sind komplett gleich, es gibt nur einen Unterschied: Die Währung der Volkswirtschaft A, der A-Taler ist stabil, während die Währung der Volkswirtschaft B, die B-Mark von Inflation betroffen ist. Zu Beginn legen wir die Geldmenge für A und B auf 1 Million Währungseinheiten fest. In beiden Wirtschaftsräumen wird die gleiche Menge der Ressource Getreide produziert, nehmen wir 4 Tonnen an, und auch nachgefragt.

Das Getreide hat natürlich einen Preis, sagen wir 1.000 A-Taler bzw. B-Mark pro Tonne. Den Preis können wir auch relativ zur Geldmenge angeben, in diesem Fall jeweils 1%. Nun fängt die Zentralbank von Nation B an fleißig B-Mark zu drucken und verdoppelt die Geldmenge auf 2 Millionen B-Mark. Das Problem hierbei ist, dass das Geld nicht gleichmäßig auf alle Akteure in der Wirtschaftszone verteilt wird. Zuerst bekommen frisches Zentralbankgeld in der Regel Großbanken und Staaten, in unserem Beispiel kauft die Zentralbank mit dem gesamten geschöpften Geld Staatsanleihen.

Der Staat beginnt jetzt also Getreide zu kaufen. Er kann dieses mit dem neuen Geld der Zentralbank bezahlen. Daher muss der Staat nur 0,5% der Geldmenge für eine Tonne Getreide bezahlen. Der Bauer, der das Getreide anbaut hat indes noch nichts von dem neu geschöpften Geld gesehen. Er geht also von der alten Geldmenge von 1 Million B-Mark aus. Entsprechend hat er auch seine Preise noch nicht angepasst und verlangt weiterhin 1.000 B-Mark die Tonne, die für ihn immer noch 1% der Geldmenge entsprechen.

Nun kommt der Staat zum Bauern und kauft 2 Tonnen Getreide, also die Hälfte seiner Ernte, ein. Der Bauer denkt, er hätte 2% der Geldmenge dafür erhalten, in Wahrheit hat er aber nur 1% bekommen. Hätte aber nicht der Staat beim Bauern gekauft, sondern ein normaler Bürger, dann hätte er für 1% der Geldmenge nach seiner Auffassung nur 1 Tonne Getreide erhalten. Inflation bevorteilt den Staat also schon einmal gegenüber seinen Bürgern und erzielt so eine Umverteilung von Unten nach Oben. Inflation ist nichts weiter als eine Steuer, die man nicht sieht.

Doch damit nicht genug. Der Landwirt geht davon aus, dass die Nachfrage nach Getreide massiv gestiegen ist, weil sich nach seiner Information jemand dazu entschieden hat, einen wesentlich höheren Teil seines Einkommens für Getreide aufzuwenden. Also investiert er in die Erhöhung seiner Produktionskapazitäten, um nächstes Jahr mehr Getreide verkaufen zu können. Doch im nächsten Jahr entscheidet sich die Zentralbank dagegen, mehr Geld zu drucken und der Staat kauft eben nicht mehr Getreide ein. Dem Agraringenieur verschimmelt seine Ernte und unter Umständen geht er sogar pleite, weil er für die Anschaffung seiner neuen Gerätschaften Kredite aufgenommen hat.

Inflation hebelt die Infomationsfunktion des Preises aus. Sie verzerrt die tatsächliche Nachfrage, indem sie staatlichen und staatsnahen Akteuren Kapitalmittel ohne Gegenwert zur Verfügung stellt. Dadurch werden knappe Ressorucen verbraucht, in unserem Beispiel landwirtschaftliche Maschinen, um der scheinbar höheren Nachfrage gerecht zu werden. Inflation sorgt dafür, dass diese knappen Ressourcen an der falschen Stelle verschwendet werden und verhindert so den Produktivitätsanstieg der Volkswirtschaft, der möglich gewesen wäre, hätte man die knappen Ressourcen an der richtigen Stelle investiert.