Prag baut Statue von Sowjet-Marschall ab


Von Lucy Mai | In den vergangenen Tagen gab es heftige Diskussionen um die Statue des sowjetischen Feldmarschalls Konew in Prag. Immer wieder wurde die Statue Konews, der 1945 an der Befreiung Böhmens und Prags von den deutschen Besatzern beteiligt war, beschmiert. So auch Ende August: Mit roten Aufschriften wurde an die Beteiligung Konews an der Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes und die Niederschlagung des Prager Frühlings erinnert. Nun beschloss die Vertretung des sechsten Bezirks in Prag, die Statue abzubauen und stattdessen ein „Denkmal der Befreiung der Hauptstadt“ an die Stelle zu bauen.

An der Spitze: Feldmarschall Konew | Attribution: Mil.ru via Wikimedia Commons

Heftige Kritik erntete die Stadt aus Moskau: Der russische Kulturminister Wladimir Medinskij bezeichnete den Bürgermeister des sechsten Prager Bezirks, Ondrej Kolar, prompt als „Gauleiter“. Auch die russische Botschaft in Prag kritisierte den Beschluss und bezeichnete diesen als „ungeheuerlich“. Das russische Außenministerium drohte mit Vergeltung, in einer Erklärung hieß es, diese Entscheidung würde nicht ohne Folgen bleiben. Doch muss sich Prag solche Kritik gefallen lassen und sich mit Nazi-Begriffen wie „Gauleiter“ beschimpfen lassen?

Jahrelang wurde Iwan Konew als der Befreier Prags gefeiert. In Russland gilt er heute noch als Kriegsheld: Seit 1944 leitete er die 1. Ukrainische Front und stieß mit ihr nach Westen vor. 1945 fand er unter anderem das Konzentrationslager Auschwitz. Schließlich befreite er Böhmen von den deutschen Besatzern, Prag wurde am 9. Mai 1945 erobert.

Seit 1989 kommen aber immer wieder kritische Stimmen zu Wort. Konew wird auch mit zahlreichen unrühmlichen Taten für die Sowjetunion in Verbindung gebracht: Nach dem Krieg war er 1956 als Oberkommandierender der Streitkräfte des Warschauer Pakts auch an der Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes beteiligt. 1961, also auf dem Höhepunkt der Berlin-Krise, wurde Konew Anführer der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland und war in dieser Position somit auch maßgeblich an dem Bau der Berliner Mauer beteiligt. Kontrovers diskutiert wird, ob Konew am militärischen Einmarsch in die Tschechoslowakei 1968 beteiligt war. Er soll im Vorfeld zu nachrichtendienstlichen Untersuchungen beigetragen haben, was jedoch von Moskau zurückgewiesen wird.

Letzteres trifft bei vielen Pragern wohl einen wunden Punkt. Nach all diesen Taten ist der Protest gegen das Denkmal und die Verehrung Konews vollkommen nachvollziehbar. Beinahe jährlich wird die Statue beschmutzt und nun als Folge des Protests abgebaut. Den Russen aber schmeckt es nicht, wenn ihr „Kriegsheld“ anderswo abgebaut wird. In Prag steht die Statue jedoch längst nicht mehr für die Verehrung eines „Kriegshelden“, sondern wohl eher für ein verzerrtes Bild der Geschichte. Was gibt Russland das Recht, sich in eine tschechische Angelegenheit einzumischen, mit Vergeltung zu drohen und Tschechen mit Nazi-Begriffen zu beschimpfen?

4 Antworten

  1. Tatjana Pivovar sagt:

    Ich finde ihr junge Menschen solltet ein bisschen tiefer denken, dieses Denkmal dient vorallem dem Kampf gegen Faschismus und steht stellvertretend für die Befreiung Europas von Antisemitismus, und nur deshalb verdient er da zu stehen!

    • Zacch sagt:

      Die Rote Armee hat die Nationalsozialisten aus Osteuropa vertrieben, richtig. Sie hat Osteuropa auch ohne Zweifel von der nationalsozialistischen Herrschaft befreit.

      Darauffolgend und schon im Zuge der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft, wurde halb Europa von den Sowjets versklavt. Die Statue von Konew gehört weg!

      Die Rote Armee hat Auschwitz befreit, richtig. In Sachen Antisemitismus und Judenverfolgung, waren die Sowjets vor, während und nach dem Krieg nicht gerade unbefleckt.

  2. Antikommunist sagt:

    Der stalinistische Geist lebt im Kreml bekanntlich weiter.
    Unter KGB-Agent Putin wird es sicherlich keine Aufarbeitung der und Distanzierung zur Sowjet-Diktatur geben.

  3. karlchen sagt:

    Russland kritisiert Prag, China kritisiert Berlin, die Türkei droht ganz Westeuropa… Und wir alle bräuchten mutige Männer vom Formate Churchills, um diesen Despotien etwas entgegenzusetzen.o