Pflegekrise: ist der Kapitalismus schuld?

Von MARVIN WANK | Jahrhundertelang war Pflege eine Familienangelegenheit: Eltern zogen ihre Kinder auf und konnten sich im Gegenzug darauf verlassen, im Alter von diesen versorgt zu werden. Solidarität und Zusammenhalt innerhalb der Familie waren selbstverständlich. Konnte die Pflege nicht Zuhause erfolgen, kümmerten sich Kirche und Wohlfahrtsverbände um die Alten und Kranken.

Das System funktionierte – bis 1995 die Politik einschritt und aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit die allgemeine gesetzliche Pflegeversicherung einführte. Damit wurden alle Menschen verpflichtet, sich für den Pflegefall abzusichern.

Dies verursachte immense Probleme – die wir heute zu spüren bekommen. Zum einen wurde die familieninterne Solidarität geschwächt: Warum sich noch kümmern um die Alten, man hat doch jahrelang in die Pflegeversicherung eingezahlt. Die Kleinfamilie ist wohl die größte Bedrohung für den Fortschritt des Sozialismus – das wusste Lenin schon 1915. Und er hatte Recht: Wer würde echten familiären Zusammenhalt gegen die „Solidarität“ eines anonymen Wohlfahrtsstaates eintauschen? Es sei denn natürlich, man wird dazu gezwungen.

Doch auch auf wirtschaftlicher Ebene führte staatliche Zwangspflege zu katastrophalen Ergebnissen. Anstelle gemeinnütziger Vereine, die sich mit Herzblut engagierten, traten private Unternehmen. Diese sind auch der Grund, warum der aktuelle Notstand immer wieder dem Kapitalismus in die Schuhe geschoben wird. Behauptet dieser doch, dass Privatunternehmen auf einem freien Markt die bestmöglichste Qualität zum kleinsten Preis bieten.

Und genau dort liegt das Problem: Der Pflegemarkt ist eben nicht frei. Er ist durch und durch staatliche kontrolliert, finanziert und reguliert. Und wenn Privatunternehmen auf einen solchen Staatsmarkt drängen, führt das immer zu großen Problemen. Denn wenn Firmen ihr Geld vom Staat erhalten, dann sind diese Unternehmen nicht länger auf das Geld der Kunden angewiesen und damit auch nicht mehr auf deren Zufriedenheit.

In einem wirklich freien Markt ohne Zwangspflegekassen, ohne staatliche Tarife wäre die Pflegekrise innerhalb weniger Jahre vorbei. Entweder würden wieder mehr Menschen ihre Angehörigen zuhause Pflegen oder aber die Löhne für Pflegekräfte würden explodieren. Vermutlich eine Mischung aus beidem.

Fakt ist aber, dass das staatliche System versagt hat. Wollen wir die bestmögliche Pflege für unsere Angehörigen, dann müssen wir jetzt anfangen marktwirtschaftliche Strukturen durchzusetzen – bevor wir am Ende selbst in der staatlichen Solidarität verenden.

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