Peking, Teheran, Moskau: Die freie Welt unter Feuer

Von Max Zimmer | Das letzte mal, dass die freie Welt massiv angegriffen wurde, war am 11. September 2001.  Die islamistischen Terroranschlägen ausgehend von Al-Quaida waren eine Zäsur in Amerika und dem Rest der westlichen Hemisphäre, die  seit dem Kalten Krieg, ja vielleicht sogar seit dem zweiten Weltkrieg ungesehen war.  Die Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus ist mit der Bekämpfung und starken Eindämmung von Terrororganisationen wie Al-Quaida, der Taliban oder des islamischen Staates  zwar nicht gebannt, aber doch stark geschwächt worden. Einen 11. September hat es in dieser Form Gott sei dank nach 2001 nicht mehr gegeben.

Nach dem teilweisen Sieg des Westens über diesen asymmetrischen Feind könnte man sich in Sicherheit wähnen, einen weiteren Sieg für die westlichen Demokratien herbeireden, behaupten, die nächste Bewährungsprobe gemeistert zu haben. Das wäre singulär betrachtet vielleicht richtig, mal von den massiven Grundrechtseingriffen im Kampf gegen den Terror abgesehen.

In den letzten Jahren ist jedoch eine ganz andere, wohl weitaus gefährlichere – weil mächtigere – Gefahr herangewachsen. Das Erstarken der kommunistischen Volksrepublik China und ihre Achse mit Moskau und Teheran kann sich zur ernsten Bedrohung für die westlichen Demokratien erweisen, wie wir in der Corona-Krise erneut vor Augen geführt bekommen. 

Wie ich bereits in dem Artikel „und diesem China sollen wir trauen?“ beschrieben habe, ist das KP-Regime in Peking maßgeblich für die Pandemie und die internationale Ausbreitung des Corona-Virus verantwortlich. Gleichzeitig versucht es nun, nicht zuletzt auch über Propaganda im Ausland einen strategischen Vorteil zu erlangen. „Corona als Biowaffe“, könnte man da fast hineininterpretieren, was so natürlich nicht der Wahrheit entspricht, aber das chinesische Regime nutzt es genau so aus. Es ist ersichtlich, dass die Propaganda in den letzten Wochen stark zugenommen hat. 

Während beispielsweise in Russland selbst die Corona-Maßnahmen extrem streng umgesetzt werden, Ausgangsperren gelten und die Bürger Moskaus eine App + QR-Code brauchen, um vor die Tür zu treten, verbreiten russische und sympathisierende Medien in Deutschland und Europa immer mehr Fake News über ein angeblich „ungefährliches“ Virus, machen so Stimmung gegen westliche Demokratien und versuchen, die Gesellschaften Westeuropas zu destabilisieren. In antiwestlichen Alternativmedien mit hoher Reichweite wie KenFM wird nun gezielt gegen europäische Regierungen und die USA polemisiert, während China in Schutz genommen wird. Diese mediale Entwicklung ist auch angesichts von Bewegungen wie „Widerstand2020“ besorgniserregend, da sich jetzt Putinfreunde, Verschwörungstheoretiker, Antisemiten, Querfrontler und Antiamerikaner aller Couleur in einer Sammelbewegung gegen unsere parlamentarische Ordnung versammeln – wohl Moskaus feuchter Traum.

Es ist schon naiv, zumindest nicht die Vermutung in Betracht zu ziehen, russische und chinesische Behörden, Auslandsmedien oder gar Geheimdienste könnten hier involviert sein. Was natürlich nur eine unbestätigte Verschwörungstheorie ist, ist keineswegs abwegig, wenn man die mediale Berichterstattung und Zusammenarbeit russischer Staatsmedien in Deutschland und Europa mit genau dieser Szene beobachtet. China und Russland versuchen, die Gunst der Stunde zu nutzen, um den Westen zu destabilisieren und sich eine geopolitische Vorreiterrolle einzuverleiben. Das geostrategische Schlachtfeld im Nahen Osten wird vom Iran dominiert, wenn auch mit der Tötung Solemanis hier ein erster Schritt zur Gegenoffensive getan wurde. 

Die freie Welt befindet sich unter Feuer – aus Peking, Moskau und Teheran. Ein kalter Krieg zwischen den westlichen Gesellschaften und all ihren Werten und denen, die diese Werte als schwach und falsch ansehen. Und auch dieser kalte Krieg wird, genauso wie der letzte, bei uns im Land ausgefochten. Nicht zwischen Soldaten und Panzern, sondern vor allem über Debattenhoheit und mediale Dominanz.  Wer das Narrativ kontrolliert, wird entscheiden, an wessen Seite Deutschland in diesem neuen kalten Krieg steht.  Soll es die Seite sein, die auch im zweiten Weltkrieg und während des kalten Krieges für Freiheit und Demokratie stand, oder soll es die Seite derer sein, die sich einen autoritären Staat wünschen und die liberale Ordnung überwinden wollen? 

Diesem Kampf sehen wir aktuell entgegen und er ist bereits entflammt – wenn auch nicht für alle sichtbar.  Der Westen kann ihn gewinnen, wenn er sich nicht von innen heraus selbst besiegt. Kein Wunder, dass versucht wird, von innen zu zersetzen. „Russia Today“ ist vielleicht eine größere und viel unmittelbarere Bedrohung für die demokratischen Gesellschaften des Westens als jede russische Atomrakete. 

1 Antwort

  1. karlchen sagt:

    Äußerst interessante Gedanken – vielen Dank, Herr Zimmer!