„Palästinenservertretung“ plötzlich radikaler als die Hamas?

Von MAX ZIMMER | Am 13. September 1993 trafen sich in Washington die damaligen Außenminister Israels, der USA und Russlands sowie Vertreter der palästinensischen Dachorganisation PLO, um das Abkommen Oslo I zu unterzeichnen.
Die “Prinzipienerklärung über die vorübergehende Selbstverwaltung“ beinhaltete die gegenseitige Anerkennung beider Staaten, sowie die Anerkennung der PLO als offizielle Palästinenser Vertretung durch Israel, unter der Bedingung, dass diese jegliche Forderungen nach der Zerstörung Israels aus ihrem Grundsatzprogramm nimmt.
Anschließend wurde vom israelischen Parlament – dem Knesset – völkerrechtlich verbindlich beschlossen, die PLO fortan als Vertreter der Palästinenser zu betrachten. Die PLO verabschiedete sich aber nicht von ihren Grundsätzen zur Bekämpfung Israels entfernt.
Dennoch trat das Abkommen einen Monat später, am 13. Oktober 1993 in Kraft.

An diesem Status hat sich trotz andauerndem Konflikt und mehrmaliger Eskalationen zwischen Autonomiebehörde und israelischen Sicherheitskräften nichts geändert.
Aufgrund von Machtkämpfen in den Palästinensergebieten droht die PLO jetzt jedoch damit, eben jenes Abkommen außer Kraft zu setzen, und Israel die Anerkennung als Staat zu nehmen.
Die PLO begründet dies mit der Forderung nach einem eigenen Staat mit der Hauptstadt Ost-Jerusalem.
Dies war allerdings nie ein Gegenstand irgend eines Abkommens, hierbei handelt es sich lediglich um einen Schachzug der, innerhalb der palästinensischen Bevölkerung als auch der arabischen Liga an Bedeutung und Rückhalt verlierenden PLO, welche vor allem aus der „ehemaligen“ Terrororganisation Fatah besteht.
Gleichzeitig wird die Hamas, die den Gaza Streifen kontrolliert verstärkt vom benachbarten Ägypten – von dem die Hamas abhängig ist – zu Verhandlungen mit Israel gezwungen.
Dies stellt eine interessante Verschiebung der Verhältnisse in den palästinensischen Gebieten dar, ist doch die Hamas laut eigenem Selbstverständnis noch immer eine Terrororganisation, die jetzt jedoch aufgrund ägyptischer Initiative kooperativer ist als die eigentlich gemäßigtere PLO, die sowohl von Israel als auch von der UN als offizielle Vertretung der Palästinenser angesehen wird.

Auch zu beobachten ist das Erstarken des “islamischen Dschihad“, einer noch radikaleren Splittergruppe der Muslimbruderschaft, die – beeinflusst von der Ideologie Ayatollah khomeini’s nach der iranischen Revolution Ende der 70er Jahre – entstanden ist.
Der Islamischen Dschihad wird nachweislich von den iranischen Revolutionsgarden finanziert und unterstützt, und richtet sich nun am radikalsten gegen den Kurs der Hamas, mit Israel zu verhandeln.
Bislang unterstützt der Iran jedoch auch die Hamas, z.B. mit Raketen.
Ob der Iran damit offiziell die Seiten gewechselt hat, ist abzuwarten.
Letztlich wird das Regime in Teheran all jene unterstützen, die einen Frieden zwischen Arabern und Israelis verhindern, und den Kampf gegen den “jüdischen Staat“ fortsetzen.
Wenn dies nicht mehr die Hamas ist, muss eben eine noch radikalere Gruppe her.

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3 Antworten

  1. moneypenny sagt:

    Vielen Dank für den guten Überblick über dieses Wirrwarr!

  2. Jannis F. sagt:

    Das ist auch iwie irre. Aber die Palis und irre „Vertreter“…. was will man erwarten

  3. Schneeflöckchen sagt:

    Schön, dass ich hier mal aufgeklärt werde. Danke!

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