Mehr Schuld, bitte!

Von MAX ROLAND | Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) fordert Deutschland auf, sich verstärkt der Kolonialgeschichte zu stellen.

In Schuldig sein sind wir Deutschen Weltmeister. Nicht nur, weil Deutschland historisch einmalige Verbrechen begangen hat, sondern, weil wir auf eine unfassbar seltsame Weise unser Selbstbewusstsein daraus ableiten. Nicht aus den Verbrechen selbst, Gott behüte, sondern aus dem, was wir heute daraus machen. So fällt Cem Özdemir, wenn er erzählt, worauf er als deutscher Stolz ist, als erstes die „Erinnerungskultur“ ein. Wie geil, dass wir Schuldig sind! Denn was wären wir sonst? Und deswegen bauen wir aus KZs Museen, auch, wenn das den Juden nicht gefällt. Egal. Wir sind so Schuldig und uns dem so bewusst, dass wir wieder gut sind! Moralische Überlegenheit folgt aus dem Umgang mit dem Zivilisationsbruch.

Da muss doch noch mehr sein. Wir, die Deutschen, müssen noch besser werden, aber den Holocaust haben wir für unseren Moralimperialismus ja schon ausgeschlachtet. Haben wir nicht doch noch irgendwas verbrochen? Ah ja, die Kolonialzeit liegt ja noch brach. Und jetzt kommt Monika Grütters.

Die Kulturstaatsministerin und Vorsitzende der CDU Berlin schreibt, zusammen mit SPD-Staatsministerin Michelle Müntefering, in einem Gastbeitrag für die FAZ, Deutschland müsse sich verstärkt der Kolonialgeschichte stellen. Diese sei über viele Jahrzehnte ein blinder Fleck in der Erinnerungskultur gewesen. „Von Museen und Sammlungen erwarten wir die Bereitschaft, sich offen der Frage einer Rückgabe von Kulturgütern aus kolonialen Kontexten zu stellen“, schreiben die beiden Politikerinnen. Der Bundestag solle sich auch einer Debatte um eine Gedenkstädte für koloniales Unrecht stellen. Die Debatte gehöre aber auch „in die Hörsäle, in die Schulbücher und ins Fernsehprogramm.“

Kulturgüter aus den Museen nach Afrika zurückgeben. Klar. In der demokratischen Republik Kongo gibt es zwar Bürgerkrieg, aber dafür bald ein Nationalmuseum in der Hauptstadt. Passt doch! Außerdem ist das koloniale Unrecht doch viel zu verlockend, um es nicht durch die Finger der Moralisierung laufen zu lassen. Wie viele Denkmäler man deswegen bauen könnte! Und wie viel besser wir uns fühlen könnten, wenn wir endlich auch hier unsere Schuld bekennen.

Das deutsche Gedenken an die Verbrechen des eigenen Landes ist nicht mehr wirklich ehrlich. Es ist lediglich alter Nationalismus neu verpackt: Nur leiten wir unseren Nationalismus jetzt daraus ab, dass wir nicht nationalistisch sind. Des Kaisers berühmte Worte, „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ sind dabei  bis heute die Losung. Wir deutschen sind halt einfach schon die besten, denn wir waren böse und wissen das.  Und falls jemand noch mehr Verbrechen findet, mit denen wir uns dann noch besser machen können: Immer her damit!

1 Antwort

  1. lechaim sagt:

    Wir haben Jesus umgebracht!
    Wie? Nicht? Das waren die anderen Weltmeister im Schuldhaben?
    Mist! Sind uns aber auch überall voraus….