Lori Lightfoot: Chicagos erste schwarze, lesbische Bürgermeisterin

Smart Chicago Collaborative from Chicago , USA – Chicago Accountability Special Task Force Meeting, Creative Commons Attribution 2.0 Generic, Bild Bearbeitet

Von Elisa David | Chicago hat gewählt – der ehemalige Bürgermeister Rahm Emanuel, der seit 2011 im Amt war, soll jetzt von einer Frau abgelöst werden. Als ich das in den Nachrichten gelesen habe, war mein erster Gedanke: Quote. Lori Lightfoot ist nicht nur eine Frau, sie ist die erste Afro-Amerikanerin und die erste öffentlich homosexuelle Person, die dieses Amt ausführen wird, drei Quoten auf einmal also? Mein erster Eindruck stellt sich als nicht ganz unberechtigt heraus, denn sie zählt zum linken Rand der Demokraten. Die Medien feiern sie – nicht für die Ziele, die sie sich gesetzt hat, die werden nur nebenbei genannt. Nein, sie feiern ihr Geschlecht, ihr Aussehen und ihre Sexualität. Dabei sollte das alles im 21. Jahrhundert keinen Einfluss auf eine solche Wahl haben. Bei einem Politiker sollte egal sein, ob ein Mann oder eine Frau am Abend auf ihn wartet – was er den Tag über gemacht hat ist entscheidend. Aber trotzdem scheint es ausgerechnet für die, die sich den Kampf gegen Homophobie, Sexismus und Rassismus auf die Fahnen geschrieben haben, nichts Wichtigeres zu geben.

Unterdrückte Minderheiten an die Macht! Ich wusste garnicht, dass Frauen eine Minderheit sind, aber was ergibt bei den Linken schon Sinn?

Ob Lightfoot auch das Ergebnis von dieser Minderheiten-Politik ist weiß man nicht. Aber, dass sie sich nicht nur mit einem, sondern gleich drei Volltreffern zum Übermenschenstatus katapultiert, ist schon ein ziemlicher Zufall.

Aber was, wenn nicht? Was, wenn sie tatsächlich am besten für diese Position geeignet ist und hart dafür gearbeitet hat? Und genau das ist das Problem. Die Bevölkerung in Chicago ist immerhin zu 30% dunkelhäutig und weiblich ist auch jeder zweite. So unwahrscheinlich ist es vielleicht doch nicht. Die Quoten führen genau zu dem, was sie bekämpfen sollen. Man wird immer misstrauisch sein wenn jemand, der einfach zu gut ins Schema passt, so erfolgreich wird. Manchmal hat man damit Recht, aber manchmal eben auch nicht. Gerade als Frau sehe ich das als Problem, weil mir das auch selbst schon im Alltag passiert. Immer wenn ich eine bessere Note habe als ein Mitschüler, wird mir vorgeworfen, dass der Lehrer Mädchen bevorzugt. Ob ich einfach besser bin oder mehr gelernt habe, wird dabei komplett außer Acht gelassen. Ich kann ihnen aber keinen Vorwurf machen, wie zu Beginn erwähnt, reagiere ich schließlich ähnlich. Und das ist das gefährliche an solchen oberflächlichen Lösungen, dass sie nur neue Probleme schaffen. Ob ich sage, dass jemand weniger wert ist, weil er eine bestimmte Hautfarbe, Sexualität etc. hat, oder dass er aus dem selben Gründen Hilfe in Form einer Quote braucht, ist das genau das Gleiche. Die ganzen bösen Wörter die auf -ismus enden werden missbraucht und wieder hoffähig gemacht, nur diesmal auf eine andere Weise.

3 Antworten

  1. Das Linke Paradox sagt:

    Die „linke Elite“ braucht immer ein hilfloses Kind, das sie bemuttern kann. Egal ob Arbeiterklasse, Migranten, Frauen, Homos… durch ihren „Fürsorge“-Wahn reduziert sie ihre „Klienten“ auf Kleinkinder, spricht ihnen jegliche Eigenverantwortung/Eigenstärke ab.
    Man schaft faire Teilhabe und Gleichberechtigung indem man Benachteiligten alle Steine, die nur ihren Weg säumen, besiete schafft. Aber indem man ihnen den Weg bevorzugt ebnet, benachtiligt man A) die anderen und spricht vor allem B) die Fähigkeit ab, es ohne dergleichen Vorteile nicht aus eigener Kraft zu schaffen. Selbstredend schreien alle faulen und talentlose „Benachteiligte“ nach Quoten, die Fleissigen und Talentierten empfinden sie hingegen als Demütigung.
    Interessant das die meisten „Dachverbände“ und „Zentralräte“ der diversen Gruppierungen dieses Demütigungs-Spiel mitspielen und ihrerseits ihre Klienten als ihre unbeholfenen Kinder betrachten.
    Positive Ausnahme der Zentralrat der Sinti. Die übrigens den Begriff Zigeuner nicht als Beleidigung deklarieren. Ihr Haupt-Argument explizite Hervorhebung, Sonderrechte, Quoten und dergleiche schaffe eben nicht mehr Akzeptanz sondern sei kontraproduktiv, grenze nur noch zusätzlich aus. Recht haben sie!

    PS. Kann man sich hier nicht irgendwie registrieren, es nervt ständig die Pfichtfelder erneut ausfüllen zu müssen! Ferner sehe ich fette und subtile Fehler meist erst wenn „abgeschickt“, aber ohne Editiermöglichkeit bleiben sie halt stehen 🙁

  2. Annamierl sagt:

    Genau! Die Frauenquote ist eine Beleidigung für uns Frauen, alle anderen Quoten genauso für die Betroffenen. Ist wie Vorsprung beim Wettrennen: peinlich und demütigend…..

  3. nordseeschwalbe sagt:

    Schöne Analyse!