„Lifeline“ und Co.: Das Problem von „Lebensrettern“ und die Mitschuld der deutschen Gesellschaft

Von MAX ROLAND | Ob „Aquarius“ oder „Sealine“: Schiffe von NGOs dominieren momentan die Schlagzeilen. Selbsternannte „Seenotretter“, die im Mittelmeer, meist zwischen Italien und Libyen, Flüchtlinge aufsammeln. Sie bezeichnen sich selbst als „Lebensretter“ und werden von vielen auch hierzulande als solche gesehen. Doch es wird verkannt, was sie – gewollt oder ungewollt – sind: Schlepper. Was an die studentische Kaffee-Gemeinschaft Berlin-Kreuzberg, die Linkspartei oder die Redaktionen großer deutscher Medienhäuser nicht ganz durchdringt ist, dass Schlepperbanden die deutschen/europäischen NGOs mittlerweile fest in ihr Netz eingeplant haben. Sie wissen: Ein paar Meilen vor der Küste kreuzt ein Kutter voller linker deutscher Weltverbesserer. Dann können ja noch mehr Leute auf noch schlechtere Boote gepackt werden, denn die NGOs sammeln ja auf und bringen sie direkt in den nächsten Hafen. Das Schleppertum aus edleren Motiven macht sich so zum Komplizen der kriminellen Schleuserbanden. Jahrelang ging das so. Doch nun wollten Malta und Italien Schluss damit machen, ihre Häfen sperren. Und die deutsche Gesellschaft und ihre Haltungsjournalisten sind empört: „Italien und Malta lassen Flüchtlinge auf dem Schiff verhungern und verdursten!“ schreien die progressiven Kaffeeclubs der Republik und ihre politischen Arme.

Doch wer sind die Beteiligten dieses Schauspiels? Die Crews der NGO-Schiffe sind einfach Weltverbesserer, die, vielleicht aus Naivität, aber wohl eher bewusst, mit kriminellen kooperieren. Viel wichtiger ist aber: Wer ist die Ware (denn genau das sind die Leute für die Schlepper, in deren Hände sie geraten)? Woher kommen die Menschen, die zum Beispiel an Bord der „Lifeline“ sind?

Wenn man die Videos, die die Crew des Schiffes veröffentlicht, ansieht, dann fällt auf: Man sieht keine Araber. An Bord des Schiffes sind ausschließlich Schwarzafrikaner. Und das verdeutlicht erst die Lage, in der wir migrationstechnisch momentan stehen. Denn in den wenigsten Ländern Schwarzafrikas herrscht Krieg. Die DR Kongo, der Südsudan und der Sudan, Somalia und einige weitere werden vom Krieg erschüttert: viele andere aber nicht. In vielen Ländern ist es die ökonomische Notlage, die die Menschen zur Reise nach Europa treibt. Hunger, Perspektivlosigkeit etc.. Und das ist genau das, was wir verkennen. Die Mehrheit der Menschen, die über das Mittelmeer nach Europa kommen, kommt nicht wegen Krieg oder Verfolgung: Sie kommt aus wirtschaftlichen Gründen. Sie kommen über Nordafrika, wo sie in Ländern wie Algerien, Marokko oder Tunesien Sicherheit finden könnten, aber sie wollen weiter nach Europa. Denn sie wissen: Sie kriegen hier mehr, als sie sich zuhause nur erträumen könnten, völlig umsonst. Zurecht stellen “böse Nazis“ wie ich seit 2015 fest: Man kann einen Sozialstaat oder offene Grenzen haben, aber nicht beides.

Ich habe Verständnis für den Wunsch, nach Europa zu kommen. Nein, ich würde es sogar selbst machen – wer nicht? Wenn man Unterkunft, Essen, Bildung, Gesundheitsversorgung & Co. völlig umsonst erhält: dieses Angebot schlägt man nicht aus. Es ist nicht der Wille der Migranten, nach Europa zu kommen, der das Problem ist: Es ist unsere eigene gutmenschliche Naivität. Denn wenn wir auf die Situation der „Aquarius“ oder der „Lifeline“ mit „Die armen Flüchtlinge! Wir müssen sie jetzt aufnehmen!“ reagieren, dann senden wir ein Signal: Wer es auf ein NGO-Schiff schafft, der hat das Ticket nach Europa. Wir bewegen damit immer mehr Menschen dazu, den Weg übers Mittelmeer auf sich zu nehmen. Wir machen uns auch zu Schleppern. Italien und Malta handeln daher hart, aber richtig. Denn wenn wir ein Schiff aufnehmen, wie lehnen wir das nächste Schiff ab? Und das danach? Öffnen wir einmal unsere Häfen, können wir sie nicht wieder schließen. Es ist die „unholy Alliance“ von drei Kräften: Den NGOs und ihren Schiffen, die direkt vor den Hoheitsgewässern Libyens die Migranten aufsammeln, den Schleppern, die das genau wissen und fest mit den NGOs planen und der gesellschaftlichen Haltung, die das dann zur „Rettungsmission“ erklärt und damit den Kreislauf erst richtig in Gang bringt, wenn sie die „Flüchtlinge“ aufnimmt.

1 Antwort

  1. Johannes K. sagt:

    Die Moralisten haben zu viel Einfluss. So verlernt das Land klar zu denken.

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