Leben in Venezuela: Interview mit einem Schüler aus Caracas

Von Niclas Bensberg | Man erinnert sich noch gut an die Berichterstattung über die Zustände in Venezuela, während der großen Proteste und Umsturzversuche des (legitimen) Präsidenten Guaido gegen den sozialistischen Diktatur Maduro. Seit Monaten ist es aber erstaunlich still geworden. Wie sieht die Lebensrealität der Menschen jetzt aus, in diesem einst reichen Land, was in rasanter Geschwindigkeit völlig verarmt ist? Ich habe mich in Kontakt mit einem Schüler aus Venezuela gesetzt, den ich auf Malta kennengelernt habe. Wir nennen seinen Namen aus Sicherheitsgründen nicht.


Apollo News: Wie ist die Situation mit Lebensmitteln und Medikamenten, ist es immer noch so knapp?

Schüler aus Venezuela: Medikamente und Lebensmittel zu finden ist das kleinste Problem, so eine große Knappheit wie im März/April gibt es Gott sei dank nicht mehr. Sie zu Kaufen ist dann schon ein größeres Problem. Unser Geld ist nichts mehr wert, deswegen zahlt man mit amerikanischem Dollar, eine Pasta kostet z.B. 3 Dollar.

Apollo News: Das können sich viele aber nicht leisten oder?

Schüler aus Venezuela: Nein, kaum jemand! Das Schwere ist auch erstmal an Dollar zu kommen. Dadurch geht die Kriminalitätsrate hoch. Es wird sehr oft eingebrochen und man wird schnell Opfer eines Überfalles.

Apollo News: Was ist das Schlimmste was dir jetzt im ersten Moment einfällt, was passieren kann?

Schüler aus Venezuela: Der Ausfall von Strom und fließend Wasser. Manchmal fällt bei uns für bis zu 12 Stunden am Tag das Wasser und der Strom aus wir sind gezwungen immer Wasser zu bunkern.

Apollo News: Ist das täglich so?

Schüler aus Venezuela: Ja, fast jeden Tag.

Apollo News: Das ist sehr traurig zu hören. Was ist mit öffentlichen Einrichtungen? Kann man noch zur Schule oder ins Krankenhaus, kriegen die überhaupt Strom?

Schüler aus Venezuela: Ja du kannst in die Schule aber es wird kein Unterricht mehr gemacht. Die Lehrer verlassen das Land und ohne Lehrer ist kein Unterricht möglich. Was Krankenhäuser angeht: Sie haben keine Medizin mehr und wenn der Strom abgeschaltet wird, haben sie auch keinen Strom um die Menschen zu behandeln. Die Lage ist zum verzweifeln sie können Niemandem helfen.

Apollo News: Und was machst du dann den ganzen Tag lang?

Schüler aus Venezuela: Ich unternehme was mit Freunden und wir probieren uns abzulenken von all diesem Grauen.

Apollo News: Wie sieht es mit der restlichen Infrastruktur aus. Gibt es noch Benzin und wird der Müll abgeholt?

Schüler aus Venezuela: Benzin, ja klar gibt es noch. Aber Müll, Nein, der sammelt sich auf den Straßen, die armen Menschen, die keine Dollar auftreiben können, finden ihr Essen im Müll und durchsuchen ihn nach Essbaren.

Apollo News: Traust du dich denn überhaupt noch auf die Straße?

Schüler aus Venezuela: Nach 17 Uhr, Nein. Nach 17 Uhr sind alle Straßen wie ausgestorben keiner traut sich mehr raus. Die Straßen sind der unsicherste Ort in Venezuela!

Apollo News: Verständlich. Du hast Venezuela, ja nun verlassen. Wieviel Kontakt hast du noch nach Venezuela?

Schüler aus Venezuela: Ich bin zu meiner Familie nach Mexiko und lebe jetzt seit einem Monat in Mexiko, kriege aber jeden Tag Fotos und Nachrichten von Freunden die nicht diese Chance haben.
Die Situation ist unerträglich.

Apollo News: Wie sieht es mit der öffentlicher Meinung aus? Wievielt darfst du noch sagen und wenn du deine Meinung sagst, was passiert dann?

Schüler aus Venezuela: Nachrichten werden komplett geblockt es geht nichts aus dem Land, was nicht aus dem Land soll. Wenn man seine Meinung frei äußert – die Maduro kritisch ist – kann es passieren, dass man entführt oder sogar ermordet wird.

Apollo News: Wie stark ist die Angst in der Bevölkerung vor solchen Repressionen?

Schüler aus Venezuela: Einige haben Angst andere nicht. Maduro lässt aber so viele Menschen umbringen, dass es Alltag geworden ist. Ich achte immer darauf ob mir jemand folgt und bin immer wachsam

Apollo News: Sowas ist erschreckend. Gibt es etwas was euch zusammenhält?

Schüler aus Venezuela: Sport! Der Sport wird aufrechterhalten und ist immer noch sehr relevant im Land.

Apollo News: Was fühlst du wenn du all diese Dinge erlebst? Mord, Hungersnot, Zensierung, Korruption…

Schüler aus Venezuela: Entsetzen, Trauer, Wut. Wir leben in so einer modernen Welt und trotzdem passieren immer Dinge wie diese.

Apollo News: Was wünscht du dir für dein Land?

Schüler aus Venezuela: Dass das Militär putscht oder die USA einmarschieren.

Apollo News: Denkst du das ist Realistisch?

Schüler aus Venezuela: Nein, glaube ich nicht, aber ich wünschte es wäre so.

Apollo News: Glaubst du aber es wird sich etwas ändern?

Schüler aus Venezuela: Ja bis Ende des Jahres wird sich noch viel verändern, da bin ich mir sicher!
Es gab schon soviel Tote bei Demonstrationen und auch durch Plünderer, ich hoffe das Militär sieht was vor sich geht und wechselt die Seite, am Besten wäre es natürlich wenn die EU eingreift und Maduro zum Handeln zwingt. Diese Person hat so viele Menschenleben auf dem Gewissen und zerstört die Existenz eines ganzen Landes. Doch Venezuela wird wieder auferstehen!

Apollo News: Danke für diese Eindrücke!

2 Antworten

  1. nordseeschwalbe sagt:

    Vielen Dank für dieses bewegende Interview. Und besonders rührend und traurig, dass der junge Mann auf Intervention von der EU hofft…