Kopftuchmädchen vs. Steuerpolitik: Wenn die Empörung wichtiger wird als Fakten

Von MARVIN WANK | Dr. Alice Weidel von der AfD-Fraktion hat in einer Rede zur sogenannten „Genrealdebatte“ im Bundestag mit provokanten Äußerungen für Aufsehen und Empörung gesorgt. Viel interessanter und brisanter als ihre Ausführungen über „Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse“ aber sind die vorherigen 7 Minuten ihrer Rede.

Dort kreidet sie zunächst die Intransparenz der öffentlichen Finanzen an und klärt etwa darüber auf, dass die milliardenschweren Transferleistungen an die EU überhaupt nicht im Haushaltsbericht veröffentlicht werden. Anschließend kritisiert sie gar die Inflationspolitik der EZB und macht deutlich, wie sich der Staat „auf Kosten der Sparer und Steuerzahler entschuldet“. Sehr erfrischend, so etwas aus dem Munde eines Berufspolitikers zu hören. Auch die irrsinnige Steuerbelastung thematisiert sie in ihrer Rede und stellt beispielsweise heraus, dass ein Arbeiter mit dem 1,5x fachen des Durchschnittsverdiensts bereits den Spitzensteuersatz (!) erreicht.

Bis dahin eine fundierte, niveauvolle und vor allem bitter notwendige Rede. Von diesem Teil bekommt man in den Medien allerdings überhaupt nichts mit. Stattdessen stürzen sich Journalisten wie die Aasgeier auf die 30 Sekunden ihrer insgesamt etwa zehnminütigen Rede, in der sie sich über Zuwanderer äußert. Zack, AfD als rassistische Einthemenpartei entlarvt, journalistischen Auftrag erfüllt, Chef ich mach dann mal Feierabend.

Es scheint als wäre es heutzutage wichtiger, das eigene Narrativ zu erfüllen denn von Fakten zu berichten. Eine solche Form des Journalismus verfehlt den Bildungsauftrag und bedient lediglich Klischees. Man kann von den Äußerungen halten was man möchte, aber durch eine derart undifferenzierte und kontextlose Berichterstattung ziehen die Leitmedien den letzten Rest ihrer Seriosität durch den Dreck.

 

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