Konkurrenz von ungewohnter Flanke: Die Rechten drängen in die Gewerkschaften

Von MAX ROLAND | Gewerkschaften: Traditionell SPD-nah und auf der linken Seite des politischen Spektrums sind sie ein wichtiger Teil in der gesellschaftlichen Ordnung der Bundesrepublik. In wenigen Ländern der Erde haben Gewerkschaften soviel Macht und Einfluss wie in Deutschland, und diesen Einfluss nutzen sie, um Werbung und Stimmung für linke Politik zu machen. Doch die Alleinherrschaft über das Klientel der Gewerkschaften und Arbeiter wird Links nun Streitig gemacht: Von Rechts. Dass in der AfD ein nicht unwichtiger linker Flügel unter Leuten wie dem Ex-SPDler und Gewerkschaftler Guido Reil besteht, ist nichts neues. Neu ist jedoch, dass in den Betrieben selbst nun der Revierkampf beginnt. Jüngst berichtete die „Stuttgarter Zeitung“ über eine „rechtsextreme Vereinigung“, die immer mehr Einfluss in den lokalen Daimler-Werken gewinnt: Die Gewerkschaft „Zentrum Automobil“. Was als Rechtsextrem betitelt wird, schlägt zunächst durchaus linke Töne an: Auf ihrer Website spricht „Zentrum Automobil“ von sich als „Alternative zu den Monopolgewerkschaften“, die einen stillschweigenden Pakt zwischen Arbeitgebern und eben jenen Monopolgewerkschaften brechen soll. Als Orientierung wird auch die GDL erwähnt, die Gewerkschaft deutscher Lokführer, die durch ihre Streikwut vielen Deutschen ein Begriff sein dürfte und eine kleinere Gewerkschaft ist. Gegründet wurde „Zentrum Automobil“ 2009 durch Personen vom klar rechten Rand, unter anderem sind ehemalige Rechtsrocker und Wikingjugend-Mitglieder unter den führenden Köpfen der Gewerkschaft. Zweifelsohne beginnt, vielleicht auch und gerade wegen der historischen Schwäche der SPD, der Griff von Rechts nach der Arbeiterschaft. Was einst in der Form der Linkspartei kam, kommt jetzt von der anderen Seite. Dass Menschen, die man vor 10 Jahren vom Werksgelände gejagt hätte, nun in die Betriebsräte einziehen, ist ein weiteres Symptom des kommenden Bebens in der Parteienordnung, welches spätestens mit den Querelen um eine neue Regierung evident ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.