Kommt Ali Bashar doch frei?

Von ERIK SNIPER | Am Samstag wurde der Hauptverdächtige im Mordfall der 14-jährigen Susanna F. von kurdischen Polizisten in der Regionalhauptstadt Erbil an eine deutsche Spezialeinheit ausgeliefert und nach Hessen gebracht. Ali Bashar wurde in Deutschland vernommen und war geständig. Er soll Susanna vergewaltigt und dann brutal ermordet haben. Doch nun kritisiert das irakische Außenministerium in Bagdad die Übergabe des Verdächtigen als Rechtsbruch. Es habe nie einen offiziellen Auslieferungsbescheid für Bashar gegeben. Die kurdische Regionalregierung hätte kein Recht, über Auslieferungen zu entscheiden, das dürfe nur das Justizministerium der Zentralregierung in Bagdad. Sollte der Gefangene freigelassen und in den Irak zurückgeschickt werden, würde dies für einen öffentlichen Aufschrei sorgen. Selten war das öffentliche Interesse für einen Kriminalfall bei den Deutschen so hoch. Der Verdächtige hatte sich nach der Tat mit falschen Papieren und ohne Probleme in ein kurdisches Autonomiegebiet im Irak abgesetzt. Seine Eltern verrieten ihn an die örtlichen Sicherheitskräfte, nachdem er ihnen die Tat gestanden hatte. Der Chef der Bundespolizei, Dieter Romann, ist persönlich in den Irak geflogen, um den Verdächtigen abzuholen. Er hatte dafür viel öffentliches Lob erhalten. Eine Freilassung des Verdächtigen, der die Tat bereits mehrmals gestanden hat, wäre ein fatales Zeichen. Es würde sämtliches Vertrauen in den deutschen Rechtsstaats zerstören und ihn schwach und abhängig wirken lassen. Der Fakt, dass der Verdächtige ohne Probleme die Passkontrolle überwinden konnte, ist schon katastrophal genug.