„Kleine Germanen“-Unseren täglichen Nazi gib uns heute


Von Elisa David I Was täte die deutsche Filmindustrie bloß ohne Nazis? Es würden wohl ein Dutzend herzzerreißende Propagandafilme weniger auf die Leinwände gestrahlt werden. Und auch der neuste dieser Art wäre uns erspart geblieben – „Kleine Germanen“, ein Dokumentar- und Animationsfilm der Regisseure Frank Geiger und Mohammad Farokhmanesh, soll darauf aufmerksam machen, wie in unserer Gesellschaft  Kinder mit rassistisch-völkischen Parolen großgezogen werden. Der Film lässt sich in zwei Teile aufteilen, einen animierten Teil und eine Dokumentation.

Der animierte Teil des Films erzählt die Geschichte von Elsa, angeblich nach wahren Begebenheiten, was man allerdings nicht nachprüfen kann, die echte Elsa möchte aus Angst anonym bleiben. Sie erzählt davon, wie sie als Kind von ihrem Großvater dazu erzogen wurde alles Fremde zu hassen, Juden zu fürchten und „Mein Kampf“ auswendig zu lernen. Als sie älter wird, erzieht sie ihre Kinder nach den gleichen Werten, steckt sie in Feriencamps, die der paramilitärischen Erziehung dienen sollen, zu Hause werden sie von ihrem Vater regelmäßig geschlagen. Irgendwann wagt Elsa den Ausstieg, nimmt ihre Kinder mit sich und lässt alles zurück, muss ihren Namen ändern. Auf der anderen Seite gibt es den Dokumentarteil. Hier werden „Aussteiger und Kenner der rechten Szene“ interviewt, aber auch „die Köpfe der neuen rechten Szene“ werden befragt. Zusammen sollen die beiden Teile das Gesamtbild einer „beängstigenden Parallelgesellschaft“ vermitteln. Doch wenn man sich die Strategie, mit der der Film arbeitet, genauer anschaut, ist es nur die typische Propaganda gegen rechts, die gerade vor der Wahl genau richtig kommt. 

So sieht man im Animationsteil, wie die kleine Elsa in Uniform den rechten Arm ausstreckt und dabei „Für Führer, Volk und Vaterland!“ ruft. In einer Szene wird ihre verängstigte Tochter zur Strafe mitten in der Nacht in einen kalten Stall gesperrt, obwohl es draußen schneit und sie selbst nur ein Nachthemd trägt. Das sind tatsächlich ziemlich verstörende Bilder – wenn das ganze wirklich so stimmt. Schließlich kann man das ja praktischerweise nicht nachprüfen. Außerdem würde man doch dafür sorgen, dass die Polizei sich darum kümmert und keinen Film draus machen. Der Regisseur Mohammed Farokhmanesh erzählte in einem Interview mit ARD, dass er die Idee für den Film hatte, weil er, nachdem er aus dem Iran nach Deutschland ausgewandert ist, geschockt war, dass es in einem demokratischen Land immer noch Familien gibt, die sich freiwillig so einschränken. Der Regisseur Frank Geiger erklärte aber, dass es nur ein oder zwei bekannte Fälle von Aussteigern aus der rechtsextremen Szene gibt. Irgendwie widerspricht sich das ganze doch. Wenn die so geheim und abgeschottet leben und es nur wenige bekannte Fälle gibt, wie kann es dann sein, dass es trotzdem so viele Fälle gibt, dass es für einen Einwanderer der erste Eindruck von einem Land ist und es ein scheinbar so ein wichtiges Problem ist, dass man einen Film darüber drehen muss? Außerdem werden in den Interviews keine fragwürdigen Dinge gesagt, jedenfalls im Trailer nicht. Aber hier haben die Regisseure vorgesorgt. Da die „Selbstentlarvung“ der Rechtspopulisten ausbleibt und sie tatsächlich wie ganz normale Menschen wirken, werden Reden von ihnen eingespielt, um dem Zuschauer klarzumachen, was für Leute das wirklich sind. Doch auch hier bleiben, zumindest im Trailer die wirklich fragwürdigen Positionen aus. Es wird zum Beispiel Sigrid Schüßler vor die Kamera geholt. Sie wird als rechte Aktivistin und ehemalige NPD-Funktionärin vorgestellt, was auch auf mich ziemlich krass wirkt. Aber die Dinge die sie sagt, sind nicht annähernd so schlimm wie der Film es gerne hätte. So erklärt sie, dass sie sich in erste Linie als Mutter von vier Kindern sieht, sozusagen ihr Hauptberuf. Ist man tatsächlich schon ein Nazi, wenn man Kinder hat und das auch ernst nimmt? Dann wird ein Ausschnitt von einer ihrer Reden eingespielt. Darin redet sie nicht sondern schreit eher, und zwar so aufgebracht, dass ihre Stimme sich überschlägt – ein tatsächlich befremdlicher Anblick. Doch worüber schreit sie? Der Ausschnitt ist recht kurz, aber es scheint sich gegen die Frühsexualisierung von Kindern zu richten. Das ist nichts im Vergleich zu der kleinen Elsa, die „Mein Kampf“ runter beten soll – trotzdem werden beide Geschichten in einen Kontext gebracht. Wenn Sigrid Schüßler NPD-Funktionärin war, dann hätte man sicher radikalere Dinge von ihr finden können, als die Tatsache, dass ihr der Schutz von Kindern wichtig ist. 

Der Film nutzt scheinbar die Geschichte von Elsa, um mit ihr einen tatsächlich ziemlich beängstigenden Kontext zu schaffen. In diesen Kontext werden dann Ansichten gesetzt, die im Grunde ganz normal sind und nicht in irgendeiner Art verfassungsfeindlich, die für die linke Propaganda aber ein Dorn im Auge sind. Allerdings ist es beruhigend, dass der Film nicht sonderlich gut anzukommen scheint. Auf allen Kanälen auf YouTube, die den Trailer veröffentlicht haben, ist die Anzahl der Dislikes mehr als doppelt so hoch wie die der Likes und er wird auch nur von ausgewählten Kinos ausgestrahlt. Trotzdem wurde er mit dem „Prädikat besonders wertvoll“ ausgezeichnet und es sollen sich schon rund 500 Schulen vorgenommen haben, den Film mit ihren Schülern zu schauen – aber Propaganda an Schulen ist ja schon lange nichts neues mehr.


3 Antworten

  1. Alice Day sagt:

    Bei zarten Kinderseelen hinterlässt ein solches Machwerk das munter Fiktion und Realität mischt natürlich ein Schreckgespenst, das sie für real halten. Dazu die restliche Dauerpropaganda – ich sehe für die nächste Generation schwarz bei solch allumfassender Indoktrination. Zumindest an den abgeschotteten Privat-Schulen der grünlinken Bourgeoisie, die ausser vereinzelten Akademiker-Migranten-Kindern nie eine Berührung mit den neuen Herrenschülern machen.
    Schwerer dürfte es an Schulen sein, wo Christen, Juden , Sicks, Buddihsten… Kinder schon jetzt einen Vorgeschmack auf den „unverschleierten“ Islam bekommen – ob hier solche Märchen-Geschichten die nichts mit ihrer Lebensrealität zu haben, wirken???? Wenn Lebenswirklichkeit und Gegenwartsbeschreibung so weit auseinander klaffen, dürften selbst Kinder die Lüge entlarven. Hoffe ich zumindest, wichtig sind Eltern, die dem Kind ständig vermitteln, nein du bist nicht verrückt, vertraue dir selbst, bleib selbstständig, suche Gleichgesinnte, steht gemeinsam auf…

  2. Kein Jebsen 🇩🇪🇮🇱 sagt:

    Nur ein weiterer komplett schwachsinniger Propaganda Streifen für den heiligen Krieg gegen Rechts, der mittlerweile als unheimliches Ritual der politischen Linken zelebriert wird.