Kataloniens (Un)abhängigkeit

Von JULIA VÖGEL |

Die Unabhängigkeitsbefürworter erreichten ihr scheinheiliges Ziel: Die Katalanische Unabhängigkeit wurde von dem Parlament erklärt, das eigentlich von Spanien aufgelöst wurde, und kurze Zeit später juristisch gesehen wieder rückgängig gemacht. Eigentlich ist es in der Sache abgehakt, doch ein Blick auf die Lage kann nicht schaden.

Spaniens Zug
Katalonien stimmte für seine Unabhängigkeit. Doch was darauf geschah war eine Verwirrung, die für den Auslöser eventuell Jahrzehnte Gefängnis kosten kann. Carles Puigdemond, katalanischer Regionalpräsident, unterschrieb die Unabhängigkeitserklärung, die er allerdings noch nicht geltend machte. Dass er Unsicherheit im gesamten katalanischen, als auch im spanischen Volk und ihrer Regierung verbreitete, kostete letzten Endes auch seine persönliche Unabhängigkeit. Nach einem offiziellen Brief des spanischen Ministerpräsidenten an die katalanische Regionalregierung, ob die Unabhängigkeit erklärt wurde oder nicht, und ihrer vernachlässigten Beantwortung wurde der Adressat abgesetzt und sein Parlament aufgelöst. Es soll Neuwahlen geben, so die spanische Regierung, die laut und mit ihrer Verfassung die nötigen Mittel hat.

Eine Europäische Lösung
Im Geheimen versammelte sich das katalanische Parlament noch vermutlich ein letztes Mal und stimmte über die offizielle Abspaltung von Spanien ab: Mit einer überwiegenden Mehrheit hatte sie ihre Zustimmung. Für ein paar Stunden lebte inner- als auch außerhalb die katalanische Republik – aus spanischer Sicht allerdings nicht eine Sekunde: Juristisch gesehen bleibt Katalonien nämlich nach wie vor spanisch. Doch was hätte Katalonien machen können, wenn laut Spanien eine Abspaltung illegal ist? Es hätte sicherlich viele weitere und erfolgreichere Wege gegeben, doch ein weiterer Gang zum Europäischen Gerichtshof wäre mit Sicherheit von weitreichender Intelligenz gewesen. Denn wenn die Unabhängigkeitserklärung wirklich legal sein konnte laut diesem, wären Spanien die Hände gebunden – und der Weg zu einer katalanischen Republik geebnet.

Ein Blick in die Vergangenheit
Nach der ersten Katalanischen Republik, von 1936 bis 1939, mussten die Bürger mit eigener Sprache und Kultur durch General Franco, von Hitler und Mussolini unterstützt, in einer neuen spanischen Diktatur leben. Aus der Zeit junger katalanischer Demokratie wurde wieder eine Kalte des Gehorchens, ohne selbst der Nation Spanien richtig anzugehören. Jetzt, mehr als 30 Jahre nach der Franco-Diktatur, gehört das noch immer durch seine eigene Kultur und Sprache geprägte Katalonien auch mit eigener Nationalität zu Spanien, das heute glücklicherweise und trotzdem demokratisch ist.

Das Prinzip zählt
Verständlich, wieso die konservative Regierung Spaniens die Unabhängigkeit verhindern und nicht „einfach“ hinnehmen möchte. Aber dennoch ist, historisch gesehen, ebenfalls die Sehnsucht einer eigenen unabhängigen Republik den Katalanen lieber und gerechtfertigter als ihre Abhängigkeit von Spanien.
Ist also die katalanische Unabhängigkeit zu befürworten oder abzulehnen? Ja, allerdings nicht für die Spaltung beider Völker. Doch geht es nicht um die persönliche Freiheit jedes Einzelnen? Wenn sich jemand als Katalane nicht spanisch fühlt, ist es zu tolerieren. Möchte aber eine große Volksgruppe eine eigene Nation, ist es zu akzeptieren.

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