Kashoggi ist jetzt Person of the Year

Von AIR TUERKIS | Das „Time Magazine“ vergibt die Auszeichnung „Person of the Year“ in diesem Jahr an Jamal Khashoggi, den Journalisten, der im Saudischen Konsulat in der Türkei ermordet wurde.

Man muss fairer Weise dazu sagen, dass die Auszeichnung „Person of the Year“ nicht per se eine positive ist. Sie beschäftigt sich lediglich mit der Frage, wer den größten Einfluss auf das Weltgeschehen hatte – so wurden Hitler und Stalin ebenfalls ausgezeichnet. Trotzdem stellt sich die Frage: Was hat Kashoggi denn so weltbewegendes geleistet?

Der Mord an Kashoggi ist selbstverständlich aufs Schärfste zu verurteilen. Genau wie jeder Mord an einem politischen Widersacher – unabhängig von der Person. Es ist egal ob der Ermordete ein Liberaler oder ein Faschist, ein Demokrat oder ein Kommunist, ein Monarchist oder ein Nazi ist: die Tat bleibt abscheulich. Genauso aber wie es für unsere Verurteilung eines politischen Mordes irrelevant ist, wer der Ermordete war, so ist es ebenso irrelevant für die Bewertung einer Person, ob diese Person ermordet wurde. Die Tatsache, dass Kashoggi ermordet wurde macht sein Lebenswerk nicht größer oder kleiner. Dass Kashoggi ermordet wurde ändert nichts an dem Fakt, dass er nur einer von vielen fortschrittsfeindlichen Muslimbrüdern, einer von vielen fanatischen Antisemiten und Hamas-Unterstützern war. Kashoggi war ein Islamist und davon hat der nahe Osten wirklich genug.

Trotzdem wird Kashoggi von den westlichen Medien konsequent in den Himmel gelobt. Die Washington Post veröffentlichte gar nach der Ermordung einen Kommentar Kashoggis mit der Bemerkung „Diese Kolumne offenbart perfekt seine Hingabe und Leidenschaft für die Freiheit in der arabischen Welt. Eine Freiheit, für die er anscheinend sein Leben gegeben hat.“. Kashoggis enge Kontakte zum Hamas-nahen Tamimi-Clan, seine Freundschaft zu Osama bin Laden die bis zu dessen Tod andauerte und seine öffentliche Unterstützung der Hamas und der Forderung nach der Vernichtung Israels – das wird alles ignoriert.

Wenn das „Time Magazine“ tatsächlich die Absicht hat, lediglich die große weltpolitische Bedeutung der Ermordung Kashoggis hervorzuheben, dann sollte sie den Agenten, der das Mordkommando leitete oder den Saudischen Prinz auszeichnen. Aber dann könnte man sich eben nicht so schön als Verfechter der weltweiten Meinungsfreiheit inszenieren: Der Titel wird den Wächtern im „Krieg gegen die Wahrheit“ gewidmet. Die Intention ist also klar.

Wenn das Time Magazine so sehr darauf bedacht ist, seinen Titel im Geiste der Meinungsfreiheit zu vergeben, dann sollte es aber nicht zuerst an den x-ten Islamisten denken, der in einem inner-islamistischen Konflikt gestorben ist, sondern an die Unterdrückten Menschen in China oder an die Demonstranten, die trotz erheblicher Repressalien gegen die Mullahs im Iran auf die Straße gehen. Allein 85 Minderjährige sitzen derzeit in iranischen Todeszellen und warten auf ihre Hinrichtung: Doch hier schweigt der westliche Haltungsjournalismus.

1 Antwort

  1. nordseeschwalbe sagt:

    In der Tat ein „Krieg gegen die Wahrheit“. Ekelhaft.
    Journalisten als „Wächter“ kann man im Falle des Time Magazines dann wohl eher als Wärter verstehen, die darauf achten, dass niemand aus dem vorherrschenden Meinungsgefängnis ausbricht.
    (Haben sie eigentlich Anis Amri zur Person of the Year 2016 gewählt? Wahrscheinlich nur nicht, weil er nur lokal und nicht weltweit gewirkt hat…)