Justice pour Sarah Halimi – Mörder wird auf Grund von Drogeneinfluss nicht verurteilt


Von Michal Kornblum | Viele Franzosen demonstrieren seit Ende Dezember in mehreren französischen Großstädten für Gerechtigkeit im Fall Sarah Halimi. Im April 2017 wurde die jüdische Frau in ihrer Wohnung in einem Pariser Vorort von ihrem aus Mali stammenden Nachbarn misshandelt, ermordet und vom Balkon geworfen. Noch heute wirft die Tat viele Fragen auf, da Zeugenaussagen zu Folge „Allah“ gerufen, Koranverse rezitiert und die Ermordete als Teufel beschimpft wurde. Auch weitere Aussagen, dass der Täter zuvor in einer ortsbekannten salafistischen Moschee gesehen wurde oder, dass die Verhaftung in der Wohnung von Sarah Halimi stattfand, während der Täter betete, können bis heute weder bestätigt noch widerlegt werden. Denn die Polizeiakten dürfen noch nicht einmal von Halimis Anwälten eingesehen werden und bleiben unter Verschluss. 

Im Dezember hat ein Pariser Berufungsgericht entschieden, dass der Täter Kobili Traore nicht verurteilt werden kann. Er habe sich zum Tatzeitpunkt in einem durch Marihuanakonsum ausgelösten Delir befunden und ist deswegen nicht zurechnungsfähig gewesen. Das Gericht ordnete den Verbleib in der psychiatrischen Einrichtung, in der er sich seit der Tat befindet, mit einem Drogenentzugsprogramm an. In der Entscheidung des Gerichts finden sich zwar einige Verweise auf das möglicherweise antisemitische Motiv des Täters, aber der Fokus liegt auf seiner Unzurechnungsfähigkeit durch Drogenkonsum. Der Mord, der 2017 für internationale Schlagzeilen gesorgt hat und gleichzeitig im neuralgischen Zeitraum kurz vor den Präsidentschaftswahlen 2017 stattgefunden hat, bleibt nach derzeitigem Stand unbestraft. 

Drogenkonsum und psychische Unzurechnungsfähigkeit als Vertuschungsmethode von islamistischen, terroristischen und antisemitischen Motiven zu verwenden, ist auch hierzulande nicht unbekannt. Einen kaltblütigen Mord ungestraft zu lassen, ist aber eine neue Dimension des Unrechts im Recht. Die Pervertierung des Rechtsstaats liegt darin, die Täterperspektive immer gewichtiger zu bewerten als die des Opfers. Kiffen als Begründung für ein zerstörtes Menschenleben – das ist der wahre Knockout des Rechtssystems. Der Täter selbst soll vor einem Richter ausgesagt haben, dass er nicht Herr seiner Sinne gewesen sei, aber: das jüdische Gebetbuch und die traditionelle Menorah haben seinen mentalen Zustand verschärft. Der Täter wirft damit dem Opfer noch vor, dass es ihn mit rituellen Gegenständen (in der eigenen Wohnung) provoziert habe. Anstatt einen gewalttätigen Antisemiten und Mörder mit allen Mitteln des Rechts zu bestrafen, wird die Angelegenheit durch einen Joint beendet. Dies ist kein Zeichen einer funktionierenden Judikative, sondern viel mehr die Einladung oder Legitimation für alle Gräueltaten, Verbrechen und Schandtaten, solange man ausreichend Rauschgift konsumiert. In unserer Zeit der Symbolpolitik wird damit nur das Zeichen gesetzt, dass Kiffen gegen jede rechtsstaatliche Konsequenz immunisiert. Wer glaubwürdig den Antisemitismus bekämpfen will, muss die Ursachen und Hintergründe klar benennen, auch wenn diese nicht aus der geliebten rechten sondern aus der unbequemen muslimischen Ecke kommen; ansonsten wirkt jedes Bemühen wie ein Alibi.  

Gerechtigkeit für Sarah Halimi, eine Ärztin und Mutter dreier Kinder! Was würde Emile Zola, einer der größten französischen Denker, wohl zu diesem heutigen Frankreich sagen?

4 Antworten

  1. Angelica T. sagt:

    Ich lebe teilweise in Frankreich und schäme mich für die französische Justiz.
    Allerdings glaube ich nicht, dass es im deutschen System anders ausgegangen wäre.
    Über die terroristische Brisanz dieses Falles hinaus gehend sagt uns das: wenn du eine Straftat vorhast, dröhne dich vorher zu – das kommt bei den Richtern – und Richterinnen natürlich – strafvereitelnd an.

  2. Marcel Arndt sagt:

    Die zur Zeit der Kreuzritter sehr gefürchteten Assassinen hatten vor der Ausführung ihrer (oft heimtückischen) Mordanschläge ebenfalls exzessiven Haschisch-Konsum (Haschaschin). Man sollte den Richter daran erinnern. Gerade für islamistische Mörderbanden ist solch ein Urteil eine Schablone und Steilvorlage zugleich.

  3. Niklas sagt:

    Es ist nicht zu rechtfertigen, dass Taten wie Mord, Vergewaltigung, etc, aufgrund von Drogenmissbrauch (Alkohol, Kokain, Gras) unbestraft oder gemildert werden. Eine Unzurechnungsfähigkeit bedingt durch den Drogenkonsum gibt es nicht! Eine Tat bleibt eine Tat und nüchtern betrachtet hat kein Täter deshalb eine Milderung verdient. Insbesondere nicht bei der besonderen schwere der Tat.
    Man raucht ja keinen Joint und wacht 10 stunden später wieder auf und kann sich an nichts mehr erinnern. Man handelt mit dem vollen Bewusstsein. Es ist bekannt, dass bestimmte Menschen während des Konsums panisch reagieren. Zwischen Panik und Mord liegen jedoch welten.
    Achja: Cannabis ist im Blut bis zu 3 Wochen nachweisbar…

  4. baghira sagt:

    Furchtbar. Und richtig: Das öffnet Grausamkeiten Tür und Tor. Viele Gotteskrieger bedröhnen sich oder putschen sich mit irgendwas hoch, das ist doch bekannt. (Wie z.B. die Mörder vom Bataclan.)