Julia Skripal aus dem Krankenhaus entlassen

Von ERIK SNIPER | Fast genau einen Monat nach der Nervengiftattacke auf Julia Skripal konnte die 33-Jährige aus dem Krankenhaus entlassen werden. Sie hält sich nach Informationen der Tagesschau an einem sicheren Ort auf. Ihr Vater Sergej Skrpal muss weiter behandelt werden. Der frühere russische Doppelagent und seine Tochter wurden am 4. März auf einer Parkbank im südenglischen Sailsbury aufgefunden. Julia Skripal hatte sich am vergangenen Donnerstag erstmals seit dem Attentat in einer Mitteilung öffentlich zu Wort gemeldet und von Fortschritten bei der Genesung berichtet. Auch ihrem 66-jährigen Vater geht es inzwischen deutlich besser. Toxikologen halten aber Spätfolgen wie etwa Organschäden für nicht ausgeschlossen. Nach Angaben britischer Experten wurden die beiden mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet. Das Nervengift wurde einst in der Sowjetunion hergestellt. London bezichtigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin als Drahtzieher des Anschlags. Der Kreml weist das aufs Schärfste zurück, der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus. Zeitweise drohte die britische Premierministerin May Putin mit einem Atomkrieg.

Das Gift

Die Sowjetunion hat unter der Bezeichnung Nowitschok (zu deutsch Neuling) zwischen den 1970er- und 1980er-Jahren eine Serie neuartiger Nervenkampfstoffe entwickelt. Die rund 100 Varianten gehören zu den tödlichsten Nervenkampfstoffen, die jemals hergestellt wurden. Sie können über die Haut und die Atmung in den Körper gelangen. Das Gift ist nur schwer nachzuweisen, die Überlebenschancen sind gering. Selbst übliche Gegenmittel wie Atropin können meist nur wenig ausrichten. Die englische Schreibweise der Kampfstoffe lautet Novichok.

Die Hinweise, dass Russland in den Anschlag verwickelt ist, sind schwerwiegend. Außer Putin hat niemand Interesse daran, Ex-Doppelagenten im Ausland unschädlich zu machen. Diese Entwicklung erinnert an den kalten Krieg, in dem Russland ähnliche Methoden verwendete. Großbritannien muss nun intensiv ermitteln, zur Not die UN einschalten. So kalt war die Leitung zwischen dem Westen und Russland noch nie. Putin muss trotzdem weiterhin in die Gespräche eingebunden werden. Russischen Ermittlern Einblick in die Ergebnisse zu verwehren ist der völlig falsche Weg. So kann die Wahrheit nicht gefunden werden. Russland ist ein wichtiger Handelspartner der EU und Amerika. Ihn zu verlieren wäre fatal. Aber Sanktionen sind weiterhin wichtiger denn je. Die Annektion der Krim und weitere völkerrechtliche Verstöße müssen geahndet werden. Der Dialog muss offen und westliche Verhandler hart bleiben. Eine gute Zusammenarbeit muss auf beiden Seiten gewährt bleiben.