SPD-Chefhaushälter Kahrs auf Twitter: AfD-Verbot!

Von MAX ROLAND | Die größte Oppositionspartei soll verboten und ihre Mitglieder aus dem Öffentlichen Dienst entlassen werden, fordert ein führender Politiker einer Regierungspartei. Klingt nach Erdogans Türkei – ist aber eine Forderung, die Johannes Kahrs (SPD) jetzt auf Twitter erhoben hat. 

Wenn es um den Umgang mit der AfD geht, ist Kahrs ein Sonderfall. Der Hamburger geht die drittgrößte Bundestagsfraktion nicht etwa inhaltlich an – stattdessen hat er einen Stil gewählt, den er wohl schon in der KiTa gelernt hat. Kahrs nennt die AfD einfach „Rechtsradikal“ – damit endet dann auch seine Auseinandersetzung mit dieser Partei. Er beleidigt, pöbelt und verweigert sich dem Dialog: „Mit Rechtsradikalen red ich nicht“, oder „Hass macht hässlich – schau’n sie mal in den Spiegel!“ sind Kahrs-Klassiker, die so schon hinter dem Rednerpult im Bundestag gefallen sind. Man fragt sich, wer hier der Hasserfüllte ist. 

Kahrs gehört auch zur Riege von SPDlern, die noch selbst twittern. Sehr zu ihrem Verhängnis – und zu meiner Unterhaltung. Doch wozu er sich nun hat hinreißen lassen, ist weniger Unterhaltsam – eher beunruhigend. Kahrs twitterte im Bezug auf ein rechtsextremes Terrornetzwerk sinngemäß, man müsse jetzt hart gegen Rechtsextreme durchgreifen. Auf eine Frage, wie das aussehen solle, kam prompt die Antwort: „afd verbieten. dann afd mitglieder aus dem beamtenverhältnis entlassen.“ Schreibfehler gehen nicht auf mein Konto, sondern auf das von Herrn Kahrs. Der schreibt anscheinend weder Buchstaben, noch Demokratie groß. Mit Rhetorik, die wir sonst von Despoten vom Bosporus oder vom Roten Platz kennen, fordert ein Politiker einer Regierungspartei, die größte Oppositionskraft zu verbieten.  Kahrs-dogan’s Logik: Wer die Demokratie retten will, muss die Demokratie mit Füßen treten. Schließlich geht’s um die Demokratie, oder? 

Übrigens – warum ich gerade teilweise nur aus dem Gedächnisprotokoll zitieren konnte? Weil Kahrs mich auf Twitter blockiert hat, nachdem ich den fraglichen Tweet mit Kommentar retweeted hatte. 

Ja, Kritik nimmt der gute Mann wohl ungern an – der Account von Apollo-News ist auch schon blockiert. Despoten machen ihre Kritiker doch auch Mundtot, oder? Naja, Kahrs-dogan kann das nur auf seinem Twitter-Account.

Fun Fact: Der Mann, der die größte Oppositionspartei verbieten und ihre Mitglieder aus dem öffentlichen Dienst entfernen will, trägt das Bundesverdienstkreuz. Aber gut – das trugen auch Nicolae Ceaușescu und Josip Tito. Womit wir doch wieder beim Umgang mit der Opposition wären.

6 Antworten

  1. Thomas Jacobs sagt:

    Nordseeschwalbe! Wenn ich Sie jetzt richtig verstanden habe, dann sprechen I. E. gewisse Leute sporadisch, aber immer wieder aus, was sie später gemeinsam mit den anderen umsetzen, damit dann niemand mehr sagen könnte, sie hätten es nicht gewusst oder es sei niemals vorher thematisiert worden? So ähnlich wie bspw. die Aussagen in Hitlers „Mein Kampf“, die man zunächst nur für Gewäsch eines „Hirnis“ hielt und nicht ernst nahm???

    • nordseeschwalbe sagt:

      Ich meine eher, dass die Tatsache, dass zunehmend Leute sowas aussprechen, ohne dafür von höherer Stelle kritisiert zu werden, ein Zeichen dafür ist, dass es genau in diese Richtung gehen soll. Erst wird was gesagt, dann widerspricht keiner, dann wird es gemacht.

  2. nordseeschwalbe sagt:

    Man lässt die Narren schonmal aussprechen, was später im Ernst umgesetzt wird: Enteignung, Notstandsgesetze, Verbot der Opposition… Das meinen die nicht so? Doch, das meinen die genau so. Und werden nicht trotzdem, sondern deswegen gewählt.

  3. Thomas Jacobs sagt:

    Hätte Kahrs die Maßnahmen auch vor weit über 30 Jahren gefordert, als sein Parteifreund Holger Börner in Hessen mit den damals noch in Teilen durch den Verfassungsschutz beobachteten Grünen unter J. Fischer mehrmals koalierte? Hat Kahrs jemals diese Forderung gegenüber der Partei „Die Linke“ gefordert, von denen Mitglieder noch heute beobachtet werden und die nach wie vor eine in Teilen stalinistische „Fraktion“ besitzt?
    Stellt er diese Forderungen auch gegenüber den Grünen, die in Teilen, z. B. in Berlin, recht herzlich mit Vertretern der „Roten SA“ ( Autonome, Antifa u. a.) und der Interventionistischen Linken „kungeln“? Stellt er diese Forderungen gegenüber der eigenen Partei, von denen bekannte Vertreter kurz nach der Entlassung Maaßens öffentlich bekundeten, man müsse gegen „Rechts“ auch die Kooperation mit „Organisationen“ oben genannter Art suchen? Hat er diese Forderungen gegenüber eigenen Parteikollegen gestellt, die auf einer Veranstaltung gegen „Rechts“ die Anwesenheit von Vertretern der „Roten SA“ herzlich begrüßten? Fordert er den Rücktritt des Bundespräsidenten, der Bands, die linksradikales Gedankengut in Liedern verbreiten, gegen Polizisten hetzen, bei Versammlungen/Aktionen gegen „Rechts“ ausdrücklich lobend erwähnte, ihnen für deren Anwesenheit dankte?
    Ist Kahrs vielleicht jemand, der nicht zwischen linken, verfassungsfeindlichen Organisationen einerseits und demokratisch gewählten Parteien andererseits unterscheiden kann/will, die im diesjährigen Verfassungsschutzbericht zwar als Opfer linksradikaler Aktionen, aber nicht als Täter genannt werden? Ist Kahrs vielleicht auch nur einer der „Hinterbänkler“, die ab und an auf Biegen und Brechen auffallen wollen/müssen, damit man überhaupt etwas von ihnen hört, und seien es nur dümmlich-narzisstische Trompetenstöße in eigener Sache?
    Man wird ja wohl noch fragen dürfen!! Oder auch dies schon nicht mehr in diesem Land???

  1. 10. Juli 2019

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