Ist Marx noch aktuell? Interviews in Trier



Apollo-Autorin Liana Schütz befragt Menschen in Trier zur Aktualität von Marx und der für ihn aufgestellten Statue.

2 Antworten

  1. Siegfried Vocasek sagt:

    Also ich habe an einer DDR-Hochschule studiert.
    Dort war Dialektischer Materialismus mit Marx, Lenin usw. die ersten 2 Jahre Pflicht.
    Kommunist bin ich nicht geworden, eher sowas wie das Gegenteil.
    Das als Voraussetzung – ich finde, ist immer wichtig für das Verständnis.

    Marx hat – ohne Zweifel – eine scharfsinnige Analyse des Kapitalimus vorgelegt.
    Könnte man heute noch was draus lernen!
    Eine völlig andere Sache sind seine Schlußfolgerungen + der Weg, den er – leidenschaftlich – aufzeigt:
    „Arbeiter aller Welt vereinigt euch!“ – da hieß ganz und gar nicht, geht in die Gewerkschaften und macht dort
    auf eure Forderungen aufmerksam, oder so.
    Es hieß ganz eindeutig:
    Das System ist faul, es wackelt schon aufgrund seiner eigenen Widersprüche – Zeit, es zu stürzen!
    Eine ganz neue Gesellschaft müsst ihr aufbauen – und ich sage euch, das hat jede geschichtliche Berechtigung.
    Diese neue Gesellschaft kann es aber nur geben, wenn die „Ausbeutung des Menschen durch den Menschen“
    radikal beendet wird.
    Ein faszinierender Gedanke – und er h a t Massen fasziniert! Ich weiß es, ich war dabei, jeden Tag.
    Es gehört zur unbequemen Wahrheit, dass eben nicht n u r der Druck von oben, sondern auch diese Faszination, diese Zukunftshoffnung, die DDR getragen hat, jedenfalls über viele Jahre (grob 1955 … 1980).
    Ja, dann wurde es damit weniger und weniger. Warum?
    Es war die Realität, die sich zwangsläufig ergibt, wenn man Marxens G r u n d g e d a n k e n verwirklichen will.
    Die Betriebe gehörten nicht länger den Ausbeutern.
    Sie gehörten jetzt dem Volke – also gefühlt niemandem, oder jedem, der was braucht.
    Also hoffnungslos, was die nötige Leistung angeht, jedenfalls langfristig. Wenige Ausnahmen.
    Die Landwirtschaft, kollektiviert in LPGs, ebenso hoffnungslos.
    Die notwendige Leistung – und zwar viel größer als in dem verfaulenden Westen – wurde erwartet von einem
    „neuen Bewußtsein“, befeuert nach Kräften von einer allgegenwärtigen Ideologie vom neuen Menschen der
    Zukunft, in der alle gleich sind und für aller Bedürfnisse gesorgt ist …
    Ein so heiliges Ziel m u s s man schützen, von Feinden bedrängt!
    Man m u s s t e eine undurchlässige Grenze errichten, m u s s t e eine starke Volksarmee haben, einen fähigen Geheimdienst, m u s s t e, musste …
    Oder sollte man im Ernst – um nur ein Beispiel zu geben – jedermann studieren lasse, nicht nur völlig kostenlos, sondern mit Stipendium, damit er dann im Westen ein schönes Leben hat ???
    Warum eigentlich schreibe ich das?
    Weil ich als politisch Interessierter wahrnehme, hier und heute:
    „Der Marx war so übel gar nicht – man darf halt nicht solche Fehler machen …“
    Die ernste Frage ist:
    Ist das nicht die Quadratur des Kreises?

  2. Sqilxump sagt:

    Sympathisch und nice (Interviewerin, nicht Marx)

    „Bleibt immer schön liberal und genießt die Freiheit“

    😉