Ich habe mich bei „Ze.tt“ verirrt

Von Max Roland | Neulich kommentierte mein Chef, der Air Türkis, via Twitter einen Artikel von „Bento“. In diesem wurde behauptet, die Greta-Jugend würde jetzt Adorno lesen. Die Frankfurter Schule und „Fridays for Future“ wären zwar eine furchtbare Symbiose, aber ich glaube, wir können beruhigt sein. Adorno soll selbst für gestandene Akademiker ein Albtraum in Puncto Lesbarkeit sein. Da wird eine Bewegung, deren politische Argumente auf dem Level von „Let’s fuck each other instead of the Planet“ sind, wohl kaum ernsthaftes Interesse dran zeigen. Ich hab nichts gegen Polemik – sie sollte nur klug sein. 

Wo mir aber schonmal der Name „Bento“ unter die Augen kam, entschloss ich mich kurzerhand, einen Ausflug auf „Ze.tt“ zu unternehmen. „Ze.tt“ entspringt, wie Bento, dem Versuch von gestandenen Medienhäusern (Zeit, Spiegel), mit einem massiv neulinken Angebot an „die jungen Leute“ neue Leserschaft zu generieren. Und ich wollte einfach mal gucken, was die Kollegen Jungautoren so treiben. Ungefähr so, wie ich mir als eingefleischter Werderaner auch Spiele des Hamburger Sportvereins angucke – ich bin darauf aus, Blamagen zu sehen. Wie häufig beim HSV wurde ich auch von „Ze.tt“ in meinen Erwartungen nicht enttäuscht. 

Die Kolleg*innen bieten 6 Rubriken an: „Liebe & Sex“, „Politik & Macht“, „Feminismus & Körperkult“, „Kunst & Kultur“, „Queeres Leben“ und „Video“. Nach kurzer Entscheidungsphase entschied mich mich, „Liebe & Sex“ sowie „Queeres Leben“ links liegen zu lassen und widmete mich stattdessen in freudiger Erwartung dem, was in „Feminismus & Körperkult“ so stand. Ich scrollte also vorbei an Artikeln wie „ Warum eine WM im Frauentragen sexistisch ist“, oder „Bodyshaming: Hört auf, meinen dünnen Körper zu kommentieren!“ und landete bei einem Artikel einer gewissen Katharina Alexander. Katharina ist „Ze.tt“-Autorin, für sie ist laut websiteeigener Beschreibung der intersektionale Feminismus der „Masterplan für eine bessere Welt“. Denn erst, wenn die islamische Welt sowohl Frauen als auch Trans*Frauen, MannZuFrau und Intersex-Menschinnen und -Menschen unter die Burka zwingt, ist die Welt eine bessere.

Auf jeden Fall schreibt Katharina Alexander Stuhl. Pardon, ich meine natürlich, sie schreibt über einen Stuhl. Und zwar einen ganz besonderen:  Eine britische Designstudentin entwickelte einen „Anti-Manspreading-Stuhl“, der Männer dazu zwingt, die Beine im Sitzen aneinanderzuhalten. Denn Manspreading (das ist, wenn eine*r Feminist*in feststellt, dass Männerinnen und Männer ihre Beine zu weit spreizen) geht gar nicht. Daher dieser unfassbar wichtige Stuhl. „Denn die Tendenz von Männern, breitbeinig zu sitzen, ist nicht anatomisch zu begründen, sondern meistens ein Ausdruck von Dominanz“, so die Autorin. 

Schuld-und Pflichtbewusst, wie ich es als männlicher Zeitgenosse des 21. Jahrhunderts ja bin, habe ich dann direkt mal versucht, feministisch korrekt zu sitzen und so wenig Dominanz wie möglich auszudrücken. Ich habe relativ schnell und zu meinem Bedauern feststellen müssen, dass es doch was mit Anatomie zu tun hat. Männliche Anatomie scheint in sich einfach sexistisch zu sein. Daher habe ich  beschlossen, jetzt nicht mehr in öffentliche Verkehrsmittel zu steigen und mich dort des Manspreadings schuldig zu machen. Ich fahr jetzt nur noch Auto. Sorry Greta, aber man(n) muss sich halt entscheiden – Feminismus oder Klima. 

3 Antworten

  1. DJ_rainbow sagt:

    Was mich jetzt aber echt beschäftigt, nachdem ich diesen wundervollen Artikel gelesen habe:
    Ist ze.tt noch dümmer als bento, der Kinder-Stürmer von der Relotius-Spitze, bei dem ja bekanntlich die Redaktaugtnixen und Redaktaugnixinnen noch dümmer sind als ihre Leser?

  2. karlchen sagt:

    Köstlich 😂😂😂

  3. Andrés Ramos sagt:

    Sehr schöner Artikel, der den feministischen Befindlichkeitskult gekonnt aufs Korn nimmt. Schlimm, dass gerade in unserem Land die Frauen am lautesten schreien, die am wenigsten auszuhalten haben. Die Sitzhaltung eines Mannes als unerträgliche Provokation zu empfinden ist ein Luxusproblem von dem Frauen in islamischen Ländern, Afrika oder Lateinamerika nur träumen können.

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