Hongkonger Aktivist Joshua Wong kommt nach Berlin – Merkel will ihn nicht treffen

Von Sebastian Thormann | Bei Staatsbesuchen in autoritäre Ländern ist es üblich, dass sich deutsche Politiker mit Vertretern der Opposition treffen und am Rande der Besuche die Menschenrechtssituation kritisieren. Das ist oft nicht mehr als ein reiner PR-Termin neben dem offiziellen Teil. 

Beim China-Besuch der Bundeskanzlerin vor kurzem wäre allerdings eine öffentliche Unterstützung für die Proteste für Demokratie in Hongkong tatsächlich ein wichtiges Signal gewesen. Denn mehr internationaler Druck auf Peking ist für die Demonstranten ein wichtiges Anliegen, gerade um das blutige Niederschlagen der Demonstrationen zu verhindern. Stattdessen gab es aber nur sehr verhaltene Statements, in denen man beide Seiten “zum Dialog” aufgerufen hat.

Vor Merkels China-Reise hatte sich Joshua Wong, bekannt als einer der Wortführer der Hongkonger Proteste, in einem offenen Brief an Merkel gewandt und erklärt: „Wir wünschen uns, dass Sie den Mut und die Entschlossenheit gegen autoritäre Unrechtsregime zeigen, der  Deutschland und Europa vor dem Ende des Kalten Krieges inspiriert hat und den Europa heute zeigt.“

Nun kommt der Hongkonger Aktivist Joshua Wang nach Berlin, um dort für internationale Unterstützung der Proteste zu werben. Kurz vor Antritt der Reise war er bereits vorübergehend – angeblich aufgrund eines Gerichtsirrtums – inhaftiert worden. Nach seiner Freilassung kann er die Reise nach Deutschland antreten, wo er im Reichstagsgebäude bei einem Fest der BILD-Zeitung auftreten wird. Auf Twitter appellierte er an Deutschland u.a. Handelsverhandlungen mit China, bis „die Menschenrechtsfrage auf die Tagesordnung gesetzt wird“ einzustellen, sowie den Verkauf von Waffen zur Krawall-Bekämpfung an Hongkong zu beenden. Wie Regierungssprecher Seibert mitteilt, plant Merkel aber nicht ihn zu treffen. Wong wird sich also stattdessen wahrscheinlich mit Vertretern verschiedener Parteien begnügen müssen.

Die Aktivisten setzen viel Hoffnung in internationale Reaktionen, aber aktuell ist scharfe Kritik an der Polizeigewalt und der Einmischung des Regimes in Hongkongs Autonomie ausgeblieben. Die meisten Regierungen versuchen möglichst wenig zu unternehmen, um Chinas kommunistische Führung nicht zu verärgern. Die Bundeskanzlerin hätte mit einem Treffen also ein wichtiges Signal an Hongkongs Demonstranten und die Pekinger Führung senden können. Es bleibt aber dabei, dass Merkel es mal wieder vermeidet klar Stellung zu beziehen.

2 Antworten

  1. Jurgen Franke sagt:

    ein u-boot namens joshua wong

    vorbereitung – joshua wong traf nancy pelosi am 18.11.2015, marco rubio am 08.05.2017
    aktuelle lage – rezession brd, tradewar china-usa
    merkels reise nach china – tritt in ausgelegte falle. joe kaeser hatte vorgewarnt
    resultat – usa freut sich; make america great again…

    mutti hat fertig.
    alle wissen es und keiner tut was.
    hochinteressant.

  2. moneypenny sagt:

    Frau Merkel ist während der China-Reise vom Protokoll abgewichen, um sich an der Stelle, an der Mao angeblich durch den Jangtsekiang geschwommen ist, mit dem Fluss im Hintergrund fotografieren zu lassen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.