Robert Habeck will Thüringen demokratisch machen: Mehr als nur ein Ausrutscher

Von MAX ROLAND | Robert Habeck hat seine Accounts auf Facebook und Twitter gelöscht. Schade! Denn seine Äußerungen auf Twitter waren immer wieder ein gutes Argument gegen ihn und seine Partei.

 Robert Habeck bringt die Demokratie überallhin.  Foto: stephan-roehl.de (Lizenz)

2019 wird in Thüringen ein neuer Landtag gewählt – und die Wahlkampfmaschine der Grünen läuft schon. Auf dem Account der Grünen in Thüringen wurden deswegen Äußerungen vom Spitzenpersonal veröffentlicht. Auch vom Parteichef Habeck. Der sagte im Video: „Wir versuchen, alles zu machen, damit Thüringen ein offenes, freies, liberales, demokratisches Land wird, ein ökologisches Land.“

Thüringen muss demokratisiert werden – und ich dachte, das hätten die Thüringer 1989 schon geschafft. Aber nein, die Grünen bringen Freiheit und Demokratie, wie schon im Oktober letzten Jahres nach Bayern, wo Habeck dazu aufrief, die „CSU-Alleinherrschaft“ zu beenden, damit man sagen könne: „Endlich gibt es wieder Demokratie in Bayern.“ Ich freue mich, wenn 2019 auch Sachsen, Brandenburg und Bremen demokratisiert werden!

Aber mal ganz im Ernst: War das alles nur unglückliche Rhetorik? Ich glaube, dass diese Aussagen mehr waren als nur ein dummer Fehler. Sie sind Ausdruck einer absoluten Hybris der Grünen: Denn niemand hat so einen moralischen Überlegenheitsanspruch wie sie. Eigentlich sehen sich die Grünen nicht nur als das Zentrum der Demokratie, nein, sie sehen sich als ihre exklusiven Verteidiger. Auch im Europawahlkampf rief die Spitzenkandidatin Franziska „Ska“ Keller zum totalen Kampf für „ihr“ Europa auf. Auch hier das Selbstbild als Verteidiger einer guten EU gegen dunkle Kräfte. Endsieg gegen den Feind, die Rechtspopulisten.

Die Grünen tragen einen Geist der totalen Überheblichkeit, den wir als Deutsche ohnehin leider schon haben, bis zum Exzess überall hin: Sie wissen, was richtig und gut ist. Debatte? Braucht man nicht wirklich. Die Antworten sind ja schon da. Und wer die Grünen nicht wählt, hat die Richtigkeit ihres Handelns höchstens noch nicht verstanden – oder ist halt ein schlechter Mensch. Demokratisch sind solche Geisteshaltungen eher weniger.

Wenn aber selbst die Grünen anerkennen, dass nach fünf Jahren Rot-Rot-Grün in Thüringen dringend Demokratie notwendig ist. Das hat ja Habeck gesagt, nicht ich. Und wer nach eingehender Selbstbetrachtung zu einem solchen Schluss kommt – wie könnte ich da widersprechen?