Greta und die deutsche Bahn – jetzt schaltet sich die halbe Welt ein

Von Elisa David | Aus irgendeinem Grund redet die halbe Welt darüber: Greta Thunberg ist auf ihrer Heimreise von der Klimakonferenz in Madrid mit der Deutschen Bahn gefahren – und in China ist ein Sack Reis umgefallen. Auf ihrem Twitter Account teilte Greta ein Foto auf dem sie – umgeben von Massen an Gepäck – in einem ICE auf dem Boden sitzen muss. Dazu schrieb sie, dass sie in überfüllten Zügen in Deutschland auf dem Weg nach Schweden sei.

Eigentlich sollte das keine Meldung wert sein, denn überfüllte Züge sind hier in Deutschland schließlich nichts Neues. Trotzdem sprachen viele Greta ihr Mitgefühl aus, denn es muss ja schließlich so furchtbar belastend sein, mal kein Segelschiff für sich zu haben. Auch die Deutsche Bahn entschuldigte sich auf Twitter und versprach, in Zukunft an solchen Problemen zu arbeiten. Wenig später folgte darauf eine andere Stellungnahme. In der heißt es erst, dass man Greta sehr dankbar sei, dass sie den ICE 74 auf seiner Fahrt beehrt hat, dass es aber noch schöner gewesen wäre, wenn sie auch berichtet hätte, „wie freundlich und kompetent“ sie an ihrem „Sitzplatz in der ersten Klasse“ betreut worden ist.

Von da ab an überschlugen sich die Berichterstattungen. Sämtliche Zeitungen titelten mit der Geschichte. „Spiegel Online“ kommentierte gewohnt unvoreingenommen und professionell: „Für ihre Anwesenheit in einem ICE würde das Unternehmen, wäre sie käuflich, mehr Geld hinblättern als für ihren Formel-1-Werbeträger Nico Rosberg. (…) Wie kann man dieses Geschenk nicht nutzen? Wie kann man das verbocken? Indem man sich benimmt wie der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und nicht entblödet, eine 16-Jährige zu trollen.“ Die „Welt“ hat nur kurz darauf eine angebliche Mitreisende ausfindig gemacht, die sich noch haargenau erinnerte, wie sich das Bahnpersonal um Greta gekümmert hat, ihr Schokolade mit der Aufschrift „Lieblingsgast“ schenkte und sie fragte, ob sie noch Kaffe haben wolle. Ebenfalls nichts außergewöhnliches, schließlich gehört der Service zur ersten Klasse dazu. Aber nicht nur in Deutschland, auch im Ausland war das ganze Theater ein riesen Thema. So titelte die dänische BT: „Deutsche Bahn enttarnt Greta“, BFMTV (Frankreich) meldet: „Kleines Kräftemessen zwischen der militanten Umweltaktivistin Greta Thunberg und der deutschen Eisenbahn“ und auch CNN, Yahoo News und das britische Boulevardblatt „Express“ konnten sich eine Berichterstattung nicht verkneifen.

Inzwischen hat Greta zu der Geschichte Stellung genommen und erklärt, sie wäre ja schließlich auch umgestiegen und sogar einige deutsche Regierungspolitiker sahen es scheinbar als ihre Pflicht, die Zugfahrt einer Zivilistin zur Staatsangelegenheit zu machen. Unsere Familienministerin Franziska Giffey wirft Greta zum Beispiel Selbstinzinierung vor, rudert aber natürlich gleich zurück und erklärt, dass sie es trotzdem sehr beachtlich finde, dass Greta sich für den Klimaschutz so leidenschaftlich begeistern kann und so weiter. Der CDU-Politiker und Wirtschafts-Staatssekretär Thomas Bareiß antwortete auf Twitter mit dem Spruch: „Wie sagte schon meine Großmutter: ‚Heilige und Scheinheilige liegen oft ganz nah beieinander.‘“

Aber natürlich gab es auch Politiker, die sich auf die Seite der heiligen Greta stellten. So beschwerte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow von den Linken sich einerseits, dass die Deutsche Bahn es gewagt hat, Daten von Gretas Reise so leichtfertig im Internet verbreitet zu haben und andererseits missfiel ihm scheinbar auch, dass die Bahngesellschaft Greta so respektlos einfach geduzt hat.

Seit wann interessiert man sich denn auf der linken Seite für so etwas spießig-konservatives wie respektvolle Umgangsformen? Das nimmt man da wohl immer so, wie es gerade passt. Und warum geht die Mahnung nur an die Deutsche Bahn? Denn wer spricht denn bitte von Frau Thunberg – jeder nennt sie doch nur beim Vornamen, warum sollte man sie dann plötzlich siezen. Und mal allgemein: warum muss man so ein großes Theater um eine Jugendliche machen, die Zug fährt? Wenn man so einen Wirbel machen kann, weil mal jemand in der Bahn keinen Platz bekommen hat, kann es nicht so schlecht um unsere Welt stehen. Ist nicht irgendwo ein Gletscher abgebrochen über den man berichten kann? Und was ist mit den anderen jungen Klimaktivisten, die auf der Konferenz aufgetreten sind, die nicht von Spanien nach Dänemark sondern bis nach Afrika oder Asien zurückreisen müssen? Auf der Konferenz selbst hatte Greta sich doch noch ganz selbstlos gegeben und erklärt: „Es gibt keine Notwendigkeit mehr uns zuzuhören.“ Das hatte sie zwar nicht auf ihre traumatische Heimreise bezogen, sondern darauf, dass die Stimmen derer Aktivisten aus katastrophengeschädigten Gebieten auf der Konferenz wichtiger sind als ihre selbst – aber sie hätte ja mal konsequent bleiben können.

Sie hat sich für eine tagelange Heimreise mit dem Zug entschieden. Sie hätte natürlich auch in wenigen Stunden und im kuscheligem Sitzplatz mit dem Flugzeug reisen können, aber sie wollte die ganz große Show. Und es mag ja sein, dass sie sich nicht wortwörtlich beschwert hat. Aber trotzdem spricht das Bild doch Bände. Die Koffer und Taschen, die perfekt ästhetisch um sie herum aufgestellt sind, die Art wie sie posiert und poetisch theatralisch aus dem Fenster in die Ferne schaut, sind natürlich inszeniert – da braucht man keine Giffey für, das erkennt man auch so.

Natürlich teilt sie kein spontan aufgenommenes Bild auf dem sie Schokolade mampft und in der ersten Klasse umherkutschiert wird. Das würde das ganze Image des jungen Mädchens, das im einsamen Kampf um die Rettung der Welt selbstlos sämtliche Bedürfnisse aufgibt und auf dem Boden kauern muss, doch total zerstören. Das ist PR nichts weiter und deshalb sollte man dem auch keine große Beachtung schenken – auch wenn ich zugeben muss, dass ich mich jetzt auch in die Karawane eingereiht habe.

7 Antworten

  1. Madeleine Nass | Bonn sagt:

    DArin zeigt sich die Verkindlichung der deutschen Gesellschaft, wir retardieren zu Kleinkindern, die über jeden Furz einen Shitstorm loslassen. Armes Deutschland.

  2. Alexandra Hinkel sagt:

    Na ja irgendeine Art Theater muss man doch vorspielen.
    Und da passt es doch genau in dessen Weltbild.Nicht nur das Greta Politiker an die Wand stellen möchte,die nicht dem Weltrettungsplan nacheifern was ja schon hart krenzwertig ist solche Aussagen öffentlich zu machen.

    Und da ja die FfF Demos mittlerweile wegen Regen und Kälte abgesagt werden,muss man im Gespräch bleiben.
    Somit ist dieses Theater um die arme kleine Greta gerade mal wieder zur richtigen Zeit gekommen.
    Man muss ja schließlich zeigen wie stark man ist,in einem angeblich überfüllten ICE am Boden zu sitzen.
    Man kann ja schlecht zugeben das man in der 1. Klasse verwöhnt wurde.
    Was würde das für ein Bild abgeben,wenn man doch so sehr ums Klima und der Weltrettung kämpft.

    Derweil amüsiert sich Gretas Mutter auf Lesbenpartis und knuscht noch öffentlich wirksam mit einem Glas Champus rum.
    Und sagt noch zu den Journalisten das ihre Tochter genug Kohle mit heim bringen müsse da Luxus ja was kostet.

    Was sollte man dazu noch sagen.
    Solange die Menschen sich angesprochen fühlen,das Greta so einen einsamen Kampf um die Erde kämpft solange hält der Hype an .

    Nur alle Weltretter vergessen das wir weder die Erde noch das Klima retten müssen.Der Planet ist auch in Milliarden Jahren noch da,sondern es geht darum das der Mensch über lebt aber das wird völlig ausser acht gelassen .

  3. dasLinkeParadox sagt:

    Versteh den Tenor des Artikels nicht. Wenn ich das richtig sehe, war das ein ziemliches Eigentor für unsre Scheinheilige, den selbst die Clown-Medien eingestehen müssen, wahrscheinlich um den fetten Werbekunden DB nicht zu verprellen. Da ist dann auch mal Schluss mit der guten Sache, wenn direkt der Geldhahn zu sickern droht;-)

    Alles in allem begrüsse ich diesen missglückten PR-Stunt. Nur ein Mückenstich zwar, aber vielleicht hilft es ja den einen oder anderen die Inszenierung hinter der Geschichte wieder ein Stück klarer zu sehen. Die wirkungsvollste Waffe gegen den Klimaschwindel dürfte zum einen die oberheuchelnde Bigotterie der „Aktivisten“ sein und zum anderen den Geldfluss immer weiter transparent zu machen.

  4. nordseeschwalbe sagt:

    Klatsch und Tratsch lesen wir nunmal gerne – auch bei Apollo…

  5. Fred G. Eger sagt:

    Geehrte Elisa David,
    ihr Artikel ist kein schlechtes Beispiel, weil auf Punkt.
    Ihre Gedanken waren genau meine Gedanken als ich dieses PR-Schmankerl das erste mal sah.
    Hochachtungvoll,
    Fred G. Eger

  6. Jorgos48 sagt:

    Welch ein Zirkus um Greta Thunfisch, das kleine Pipimädchen aus Sverige.
    Wird sie jetzt von der Pressemischpoke heilig gesprochen?

  1. 16. Dezember 2019

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