Gaza-Protestbewegung droht Israel mit drittem Weltkrieg

Von ERIK SNIPER | Die Gaza-Krise spitzt sich zu. Als am vergangenen Freitag 16 Palästinenser bei Protesten getötet wurden, kam der Gaza-Konflikt wieder in die Schlagzeilen. Nun droht der Initiator der Proteste und Gründungsmitglied des Komitees des „großen Marsches der Rückkehr“, Isaam Hammad, in einem Interview mit der WELT Israel mit dem dritten Weltkrieg, sollte die Besatzung nicht sofort aufhören. Die Protestbewegung will 45 Tage lang Aufstände anzetteln und könnt den Staat Israel in die größte Krise seit seiner Gründung führen. Israel hatte zuvor bereits mit etlichen terroristischen Organisationen zu kämpfen, die den Gaza-Streifen an sich reißen wollten. Etwa mit der Hamas-Regierung in Palästina, die Anschläge auf israelische Städte verübten und sie mit Raketen beschossen. Jedoch konnte keine dieser Gruppen gegen die größte Armee im Nahost-Gebiet ankommen. Die Organisation von Hammad verfolgt eine perfide Strategie, die Gebiete an sich zu reißen. Sie wandern einfach in Massen auf die Grenze zu. So gerät Israel in eine Zwickmühle. Lassen sie die Palästinenser illegal die Grenze überqueren, haben sie verloren. Halten sie sie mit Waffengewalt auf, verlieren sie ihre internationale Achtung. In Israel wird Hammads Vorhaben für eine geheime Operation der Hamas gehalten: Das Komitee sei die letzte Chance der Islamisten, die Bevölkerung Gazas von eigenen Fehlern abzulenken. Sie hätten das Komitee unterwandert und unterstützten es mit mehr als zehn millionen Dollar. Die Islamisten missbrauchten friedliche Proteste als Deckung für Terrorangriffe, um die Lage an der Grenze zu eskalieren. Hammad widerspricht: Er trat bei den Kommunalwahlen in Gaza als Vertreter einer unabhängigen Partei an. Er gehöre weder zu Hamas, noch zu Fatah. Laut ihm wird die Bewegung komplett von privaten Spenden unterstützt. Die Hamas-Regierung habe damit nichts zu tun. Die Proteste am Freitag hätten 220.000 US-Dollar gekostet. Die Summe, die die Israelis nannten, sei absurd. Er bestreitet ebenfalls, Teilnehmer seiner Bewegung hätten die israelische Armee am Freitag mit Sprengsätzen angegriffen. Er selbst lehne bewaffneten Widerstand ab. Das Rückkehrrecht ist eine der heikelsten Fragen des Nahost-Konflikts. Als Israel 1948 gegründet wurde, flohen aus dem Staatsgebiet rund 750.000 Palästinenser oder wurden vertrieben. Rund 250.000 erreichten den Gazastreifen und verdreifachten dessen Bevölkerung. Da Palästinenser als einziges Volk weltweit ihren Flüchtlingsstatus
vererben, leben heute rund 1,2 Millionen anerkannte Flüchtlinge in Gaza. Weltweit schätzt Hammad ihre Zahl auf rund fünf Millionen Menschen. Israel will, dass diese Flüchtlinge in Zukunft auf dem Gebiet eines Palästinenserstaats eine neue Heimat finden. Die Forderung, Millionen feindlich gesinnter Araber im eigenen Staatsgebiet aufzunehmen, klingt für Israelis wie eine Aufforderung zum nationalen Selbstmord. Auf die Frage, wie Israel weiterexistieren könne, wenn die Flüchtlinge heimkehrten, antwortet Hammad: „Das ist nicht mein Problem. Ich muss keine Lösungen für den Staat Israel schaffen.“ Er sei bereit, die israelische Staatsbürgerschaft anzunehmen, bestehe aber auf sofortige Rückkehr – „ob Israel dem zustimmt oder nicht“. Rund 30.000 Palästinenser waren am Freitag dem Aufruf gefolgt, zu Protesten an der Grenze zu kommen: „Weit mehr, als wir dachten – zu Fuß, auf Eseln und Fahrrädern.“ Hammad rechnet damit, dass spätestens im Mai Millionen am Marsch teilnehmen werden: „Wir werden den Befehl geben und alle werden gleichzeitig losgehen. 70 Jahre lang hat Israel uns in einem Dampfdruckkessel festgehalten. Jetzt ist das Spiel endgültig vorbei. Entweder lässt Israel uns heimkehren, oder der Dritte Weltkrieg beginnt.“

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