Finanzkrise 2007: Krise der Vernunft

Von MARVIN WANK | Die Finanzkrise von 2007 war die wohl heftigste Erschütterung der globalen Wirtschaft seit 1928. Für Linke sind die Schuldigen klar: die gierigen Banker, die unkontrollierten Finanzspekulationen oder ganz allgemein der „böse Kapitalismus“. Tatsächlich haben wilde Spekulationen ihren Teil zur Krise beigetragen. Doch wie so oft waren diese nur eine Folge der tatsächlichen Ursachen.

Die wahren Verursacher lassen sich allesamt in den USA finden, dem Mutterland der Immobilienkrise, aus der die Finanzmarktkrise hervorging. Dort stiegen bereits seit Ende der 90er-Jahre die Immobilienpreise rasant, wie der sogenannte „Case-Shiller Index“ zeigt. Zusätzlich befeuert wurde dieser Trend, als die Bush-Regierung ab 2004 die „ownership society“ zur Staatsräson erklärte.

Diese sah unter anderem vor, auch den ärmeren Bevölkerungsschichten ein Eigenheim zu verschaffen, welches traditionell als Statussymbol der amerikanischen Mittelschicht gilt. Aufgrund ihres niedrigen Einkommens war es den Ärmeren aber nicht möglich, aus eigener Kraft ein Haus zu finanzieren oder auf dem freien Markt einen Kredit mit bezahlbaren Zinsen zu bekommen. Das war kein böser Wille der Banken, sondern stattdessen eine vernünftige Entscheidung, denn natürlich ist es auch im Interesse der kreditwürdigen Kunden, dass die Bank das geliehene Geld auch zurückbekommt.

Der Regierung waren diese Signale des freien Marktes freilich egal, ihr ging es darum, die Wahlkampfversprechen umzusetzen. Also hat man die Kompetenzen und Ressourcen und Kompetenzen von „Freddie Mac“ und „Fannie Mae“ massiv ausgeweitet. Diese beiden Firmen sind sogenannte „government sponsored enterprises“, also staatsfinanzierte Unternehmen. Auch ihr Verwaltungsrat wird vom Kongress ernannt. Damit sind sie de facto Staatsunternehmen.

Was aber war ihr Rolle in der Krise? Vereinfacht gesagt haben sie die Kredite, die die Banken den Kunden zur Finanzierung ihrer Immobilien ausgestellt haben, aufgekauft. Damit war die Bank das Risiko los und hat meist noch einen hübschen Gewinn gemacht. Nun hatten die Banken also Unmengen an Kapital übrig und zudem einen Abnehmer auch für hochspekulative Gewinne. Denn Freddie und Fannie hatten den Staatsauftrag, den Banken so gut wie alle Kredite abzukaufen, um allen ein Eigenheim zu ermöglichen.

Schon allein der Konkurrenzdruck bewegte die Geschäftsbanken daraufhin dazu, auch Menschen einen Kredit zu geben, bei denen die Rückzahlung fast ausgeschlossen war. Dazu kam, dass im Rahmen des „Community Reinvestment Act“ die Banken vom Staat dazu gezwungen wurden, Kredite an Minderheiten und Unterschichten zu vergeben, die eigentlich nicht kreditwürdig waren.

Darauf folgte, was folgen musste: Die Hausbesitzer, die Kredite mit besonders niedrigen Zinsen in der Anfangszeit aber sehr hohen Zinsen in den Jahren darauf aufgenommen hatten, konnten ihre Raten nicht mehr begleichen. Daraufhin wurden viele Häuser zwangsversteigert. Dies war solange kein Problem, wie die Preise ständig stiegen. Ab 2006 fielen diese infolge des durch die absurden Immobilienpreise ausgelösten Baubooms aber. Die Banken blieben also auf ihren Krediten hängen, was sie in solche Schieflagen brachte, dass nicht wenige durch Staaten gerettet werden mussten und auch heute nur durch die Zentralbanken am Leben gehalten werden können.

Die Finanzkrise wurde zum überwältigenden Teil vom Staat ausgelöst. Die Banken legten zwar ein aus heutiger Sicht unverantwortliches Verhalten an den Tag, wurden durch schwachsinnige Gesetze aber entweder direkt oder durch den Konkurrenzdruck dazu gezwungen. Die Krise war eine Krise des Staates, nicht des Marktes. Dennoch wurde die Schuld den Märkten gegeben und das zeigt eine noch viel dramatischere Entwicklung auf: eine Krise der Vernunft.

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