Europa ist unsere Zukunft, eine andere darf es nicht geben

Von MAX ROLAND |  Die EU: Eine Idee, die so gut ist, dass nur Abschreckung sie zusammenhält.

 

 

Der ehemalige britische Brexit-Minister David Davis hat Deutschland und der EU Kompromisslosigkeit im Umgang mit dem Vereinigten Königreich vorgeworfen. „Europa war entschlossen, dafür zu sorgen, dass wir keinerlei Vorteile haben würden“, sagt Davis dem „Spiegel“. Für den halbgaren Brexit-Deal, den die britische Premierministerin May mit Brüssel ausgehandelt hat, sieht er keine Zukunft: Das britische Parlament werde ihn kommende Woche ablehnen, „und er wird auch scheitern, wenn man ihn, mit ein paar kosmetischen Korrekturen, ein zweites oder drittes Mal zur Abstimmung bringt“.

Davis beklagt den Fanatismus, mit dem den Briten  von EU-Seite begegnet wird.  Während sein Land in den Brexit-Verhandlungen versucht habe, „einen guten Ausgang für alle Seiten“ zu finden, habe Brüssel voll auf Härte gesetzt: „Tatsächlich sagte Frau Merkel sinngemäß, dass Großbritannien auf keinen Fall vom Brexit profitieren dürfe.“ Logisch: Wenn die EU schlecht ist, dann muss der Ausstieg noch schlechter sein. Sonst hauen die Mitgliedsstaaten ja ab. Irgendwie erinnert mich das Theater zwischen der EU und Großbritannien an einen prügelnden Ehemann und seine Frau: Damit sie bei ihm bleibt, muss die Drohkulisse im Falle der Scheidung her. Die europäische Idee ist 2019 also so gut, dass man sie nur mit Abschreckung erhalten kann. Hoffentlich haben wir bald die EU-Armee made by FDP und Macron, damit wir direkt mit Panzern drohen können! Dann setzen wir eine deutsch-europäische Tradition fort.

Anstatt die Botschaft des britischen Volkes zu verstehen und die EU zu reformieren, ist das Motto in Brüssel „shoot the messenger“. Unsere Politiker befinden sich derweil natürlich noch im totalen EU-Rausch. So sagt Peter Altmaier auf Twitter, die EU sei „das beste, was uns je passiert ist“. Ist das noch rational?  Oder kann man, gerade im Hinblick auf die Südländer, die sich nach dem Brexit anschicken werden, die deutschen Kassen vollends auszunehmen, vom Stockholm-Syndrom sprechen? Die Antwort darf jeder selbst finden – solange am Ende herauskommt, dass das beste, was uns passieren kann, mehr Europa ist. Wer eine andere Schlussfolgerung zieht, sollte, wie die Briten, schleunigst sanktioniert werden. So, wie die EU mit den Briten umgeht ,könnte sie doch mit allen Bürgern ihrer Mitgliedsstaaten umgehen: Wer sich gegen die EU stellt, darf dann z.B. eine Extra-Steuer zahlen und wird gleichzeitig von allen steuerlichen Leistungen ausgeschlossen.Denn Europa ist unsere Zukunft: Eine andere darf es nicht geben.  Freude, schöner Götterfunken!  Vielleicht ist der Umgang des Mainstreams mit der EU aber auch ein Zeichen, dass man sie schon längst aufgegeben hat: Denn, wie  über Verstorbene, darf über sie nur positiv geredet werden.

2 Antworten

  1. Siegfried Vocasek sagt:

    Nu is das Chaos komplett, der GB aufgezwungene Vertrag abgelehnt.
    Egal wie schlimm das für alle Beteiligten ist – der Brexit d a r f nicht gelingen.
    Schließlich geht es um „unsere Werte“.
    Da ist es natürlich total verboten – der Gedanke darf gar nicht aufkommen – dass an der Sache mit dem Zusammenhalt auf dieser Basis irgendwie was faul sein muss.
    Europa funktioniert offenbar so nicht – es ist nicht zu übersehen.
    Irgendwie müssen diese Werte hohl sein, sie bewähren sich nicht …
    Wie wär‘s damit:
    Nicht einfach von „Europa“ reden, dem einzig möglichen, und hopp oder top.
    Entweder du bist dafür – oder dagegen und ein Feind der Menschen und des Fortschritts und unserer Zukunft und überhaupt.
    Europa, wie es uns heute präsentiert wird – und im Gegensatz zu seinen Gründern – ist es nicht
    1. Ideologie,
    2. Ideologie,
    3. vernünftiges wirtschaftliches und politisches Gebilde.
    Getan wird so, als wäre es nur letzteres – und dagegen kann man doch nicht sein!
    Appell an die Jugend:
    – JA zu dem letzteren, vernünftigen Europa. Entschlackt es, reformiert es, nicht nur wegen der unsinnigen Gurkenkrümmung.
    Sondern wegen einer alles durchdringenden Ideologie (Werte, die sich als hohl erweisen!)
    Diese Ideologie durchschauen, es ist eine Aufgabe! Geschichte betrachten hilft dabei!
    – Warum nicht Nationalstaaten, die sich zum gegenseitigen Vorteil zusammenschließen,
    im Sinne von 3 ? Weil das Frieden und Zusammenhalt gefährdet? Muss man das glauben?
    Nationalstaaten mit eigenen, gewachsenen Werten, eigener Tradition, eigenen Gesetzen
    (abgesehen von den wenigen, die der Zusammenarbeit dienen), einem eigenen,
    voll zuständigen Verfassungsgericht – nein, das ist nicht der Untergang.
    Es ist noch nicht mal National i s m u s, den es mal gab, dessen üble Formen heute außer bei Unverbesserlichen
    keine gesellschaftliche Chance mehr haben.
    Sie werden n i c h t, wie man uns glauben macht, wieder Kriege gegeneinander führen.
    Das ist vorbei – niemand würde hingehen … Es ist die falsche, uns eingeredete Horrorvorstellung!
    Die echte Horrorvorstellung:
    Ein „Europa“ als Machtzentrum mit dem alten Weltverbesserungs-Wahn als allgegenwärtige, allmächtige Ideologie.
    Oder?

  2. Doyle sagt:

    Diese Scheißutopien vom Sonnenstaat führen immer immer immer in die Diktatur. Man sollte mal in Erwägung ziehen, sich der Realität zu stellen statt mit naiv-unerbittlichen Kinderträumen die Leute zu tyrannisieren. Wie sagte Helmut Schmidt so schön? „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“

    Oder etwas lyrischer ausgedrückt: „The dreams of which I‘m dying were the best I‘ve ever had.“ (Ultravox, glaub ich.)