Eine alte Frau mit zu viel Zeit

Von MAX ROLAND | Vom BGH-Urteil im wahrscheinlich unnötigsten Gerichtsprozess der letzten Jahre haben sicher mittlerweile alle gehört. Marlies Krämer, eine 81-Jährige Rentnerin, hatte die Sparkasse verklagt. Warum? Sie sagte, sie wurde nicht in der weiblichen Form angesprochen. Die Wahrheit ist: In allen Korrespondenzen wurde sie selbstverständlich als Frau angesprochen. Nur in Formularen und anderen Formsachen war vom „Kunden“ die Rede, ein genormter Begriff für genormte Formulare. Über solche Lächerlichkeiten entbrennen nun tatsächlich Debatten in den Medien. Im SWR hörte ich einen Kommentar, wie rückschrittlich der BGH doch sei, dass er nicht für das Anliegen der Klägerin geurteilt hatte. Linkstwitter überschlägt sich auf lächerlichste Art und Weise mit dummen Anmerkungen wie „Der Kunde ist König. Aber nicht die Kundin.“

Deutschland geht es wirklich zu gut. Anscheinend haben wir einfach verlernt, was echte Probleme sind und schenken deswegen dem Anliegen der Frau Krämer nationale Aufmerksamkeit. Marlies Krämer macht sowas übrigens schon ihr ganzes Leben lang. In den 90ern zog sie vor Gericht, als sie ihren Reisepass verlängern musste: Nur die Formulierung „Inhaber“ war bei der Unterschrift vorgegeben. Sie verweigerte den Pass solange, bis die Anrede angepasst wurde. 1996 störte sie sich dann daran, dass Tiefdruckgebiete in Deutschland immer weibliche Namen trugen, und erwirkte, dass nun jährlich wechselnd Tiefdruckgebiete weibliche oder männliche Namen erhalten. Richtig: Ihr Lebensinhalt ist, irgendwo eine „Diskriminierung“ zu finden und dann dagegen vorzugehen. Irgendwie wie Rentner, die Falschparker notieren, nur eben deutlich nerviger und teurer für den Steuerzahler. Ich als angehender Abiturient würde mir ja wünschen, die Zeit einer Marlies Krämer zu haben. Denn Zeit hat diese Frau offensichtlich zu viel. Übrigens ist Frau Krämer Mitglied der Linkspartei (wen wundert’s) und Ehrenvorsitzende des Ortsverbandes Sulzbach.

Liebe Frau Krämer. Toll, was Sie alles erreicht haben. Wirklich Klasse. Die Beamten in den Behörden Ihrer Heimatstadt verstecken sich bestimmt mittlerweile unter den Tischen und decken hastig alle Formulare zu, wenn Sie auch nur in einen 500 Meter-Radius kommen. Und Ihr Geschenk an die Meteorologen, das mit den Tiefdruckgebieten, wie Sie da hunderte Menschen aus einer eingeschlechtlichen Einöde befreit haben, einfach beeindruckend. Aber ich bitte Sie. Blicken Sie doch auf Ihr großes, feministisches Lebenswerk zurück und beschenken Sie uns nicht noch weiter. Sie sind 81. Buchen Sie sich doch einen schönen Urlaub auf Mallorca oder eine Kreuzfahrt in der Karibik, lassen Sie sich einen Cocktail an die Liege bringen und seien Sie Stolz darauf, welchen Mehrverbrauch an Druckertinte Sie bundesweit möglich gemacht haben.

1 Antwort

  1. Peter Stuyvesant sagt:

    Wunderbarer artikel. Hadmut Danisch mutmaßt ja auf seinem blog, dass die tante nur eine strohpuppe ist, und das BVerfG solche klagen selber initiert um dann urteilen zu können.

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