Ein Harvard-Film mit ein bisschen wenig Hollywood

Von MAX ROLAND | Die weltberühmte Universität Harvard hat den „Commencement Speaker“ für den Abschlussjahrgang 2019 bekanntgegeben.  In einem wirklich bemerkenswerten Trailer wird niemand geringeres als unsere Bundeskanzlerin angekündigt.  Eine „Commencement Speech“ ist in den USA gängige Praxis bei den Abschlusszeremonien an Universitäten.

Angela Merkel wird den 2019er-Jahrgang Harvards also verabschieden. Und die Jungs und Mädels in der Universitätsleitung sind mächtig stolz. So stolz, dass die Universität von der Ostküste direkt mal etwas produziert hat, was der unbedarfte Beobachter ein „Ankündigungsfilmchen“ nennen würde. Doch es geht weit über das hinaus.

Mit episch-dramatischer Musik wird das Leben von Angela Merkel bis zu ihrem Einstieg in die Politik dargestellt.  „Der Rest ist Geschichte“, heißt es ab diesem Zeitpunkt. Ab zu den Ehrungen. Es wird der „Guardian“ zitiert, der sie die „mächtigste Frau der Welt“ und die „de facto- Anführerin Europas“ nannte. Außerdem werden Preise erwähnt, die Merkel erhalten hat: Die vom US-Präsidenten verliehene „Medal of Freedom“, oder der Karlspreis. Mit dem dramatischen Ende der Musik erscheint eine Rücken bzw. Seitenansicht der Frau. Die Musik hört langsam, aber nicht weniger dramatisch auf zu Spielen. „Angela Merkel, Commencement 2019“, steht in weißen Buchstaben mit künstlerischem Schattenwurf am Ende des Videos.

Ein Trailer, wie man ihn nicht mal aus dem Kino kennt. BILD-Journalist Timo Lokaschat schreibt dazu: „Fast damit gerechnet, dass am Ende dieses pathetischen Trailers Außerirdische die Erde angreifen und Angela Merkel einen Kampfjet mit seiner letzten Rakete, die sich nicht abfeuern lässt, direkt in die Primärwaffe des Alien-Raumschiffs steuert.“

In der Tat: In der Hinsicht hätte Harvard mal einen besseren Schluss finden können. Wenn auch etwas Realitätsnaher. Vielleicht hätte man Merkel zeigen können, die mit dem Auto eine Grenzbefestigung niederfährt. Oder in eine Bank einsteigt und die Ersparnisse der nächsten Generation klaut. Oder sowas. Eine Uni aus dem Land von Hollywood hätte da sicher noch Ideen finden könne.

Angela Merkel erzählt jungen Amerikanern also jetzt etwas zum Abschluss. Da ich 2019 auch einen Abschluss mache, mein Abitur, würde ich Frau Merkel gerne einladen. Dann könnte sie mir nämlich erzählen, wie ich meine Zukunft gestalten kann, die sie mir so nachhaltig ausgebremst, verschlechtert und erschwert hat.