“Die sind schuld“: Über alternative Feindbilder

Von MAX ZIMMER | Seit 2014, sprich seit dem Jahr der Krim Krise, polarisiert kaum ein Thema wie dieses: Nato und Russland. Für die etablierte Presse und ihre Think Tanks, seien es die “Atlantik Brücke“ oder andere westliche Councils,  ist die Situation sehr eindeutig: Ein aggressives Russland, welches aus imperialistischen Beweggründen den kleinen Nachbarn Ukraine unter Druck setz und letztlich mit der Krim sein Land annektiert. Eine derart klare Haltung braucht natürlich eine entschiedene Gegenstimme. Und diese gibt es: In Form der “alternativen Medien“. Auch für sie scheint der Konflikt sehr eindeutig, jedoch genau umgekehrt. Grob gesagt glauben sie an ein durchweg unschuldiges Russland, welches Opfer der imperialistischen westlichen Politik ist. In diesem Weltbild bedienen sie sich eines neuen alten Feindbildes – das der USA. Es scheint das alternative Narrativ zum bösen Russland zu sein, werden doch die USA für alles erdenklich Negative schuldig gesprochen. Dieses alternative Feindbild findet in so vielen Situationen Ausdruck, gar nicht erst seit der Krim Krise. Die ideologische Betrachtungsweise auf die internationale Geopolitik im Bezug auf die Vereinigten Staaten hat Geschichte. Es fing mit Vietnam an und zog sich wie ein roter Faden durch die Jahrzehnte. Immer hatte dieses eine Land (angeblich) an einem fatalen welthistorischen Ereignis die Schuld getragen. Egal ob dies nun stimmte oder nicht, wurden sie als die einzige Macht wahrgenommen, die derart agiert. Immer schon hatten die USA es mit einem besonderen Scheinwerferlicht auf der Weltbühne zu tun. Denn auch Russland bzw. die ehemalige Sowjetunion hat wahrlich keine weiße Weste, was das Verfolgen eigener Interessen mit militärischer Gewalt angeht. Und auch das Etablieren von so genannten “Marionettenstaaten“ und das Nutzen der eigenen Gehemindienste hat in Russland durchaus Tradition. So ist es verwunderlich, dass in den selbsternannten “unabhängigen“ Medien, die sich nicht zu selten das Verbreiten der objektiven “Wahrheit“ auf die Fahne schreiben, nie die ganze Wahrheit thematisiert, sondern immer nur das eigene Weltbild und das eigene Feindbild bestärkt und dementsprechende Berichterstattung getätigt wird. Eine ausgewogene, gar neutrale und nicht tendenziöse Berichterstattung wird man in kaum, wenn sogar in gar keinem alternativen Medium finden können. Gibt es doch immer diesen Geist “des Amerikaners“, dessen imperialistische Politik es zu bekämpfen gilt. Dass dabei vielleicht gar nicht mal so unschuldige Staaten wie Russland fast schon idealisiert werden, und regionale Konflikte ohne Beachtung ihrer Historie und Beleuchtung aller Perspektiven zu rein politischen Geschehnissen gemacht werden, scheint keinen zu stören. Auch werden pauschal gewisse Seiten als aggressiv und verschwörerisch dargestellt, ohne die als neutraler Journalist verpflichtende Annahme, dass diese auch eine legitime Sichtweise haben könnten. So wird aus dem traditionellen Verteidigungsbündnis Nato, welches seit 1949 besteht und eine absolut legitime Existenzberechtigung zumindest hatte wenn nicht sogar heute noch hat, ein von Grund auf böses, von finsteren Mächten gesteuertes Angriffsbündnis geschustert, welches morgen Operation Barbarossa 2.0 startet. Dass gerade einmal etwa 3% der russischen Grenze von Nato Staaten ausgemacht werden, und dass die Nato nicht einmal genug Soldaten und Material zur Verteidigung im Falle eines russischen Angriffs auf ihrem Grenzterritorium stehen hat, scheint dabei nicht von nennenswerter Relevanz. Denn, wie Volker Pispers, wenn auch in einem anderem Kontext, weiß: “Mit einem klaren Feindbild hat der Tag Struktur“.

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