Die Liberalen und Pinochet

Von ADRIÁN | Es ist ein Vorwurf, den ich mir schon öfter anhören musste: Liberale & co. seien Pinochet-Unterstützer. Augusto Pinochet, ein berüchtigter Diktator und Massenmörder, soll ein Vorbild für uns sein. Warum? Wegen ein paar dummen Witzen. Aber was sind denn die Gründe, warum man ihn aus liberaler Sicht unterstützen könnte und warum (Spoilerwarnung) sind sie eigentlich nichtig?

Dazu bedarf es zunächst ein paar geschichtlicher Hintergründe. Augusto Pinochet war der General der chilenischen Armee. Bis 1973 regierte dort der sozialistische Präsident Allende. Das Land war in einem katastrophalen Zustand, die Arbeitslosenquote lag bei ca. 50%, die meisten Betriebe lagen in staatlicher Hand und es herrschte Hunger. Man muss anmerken, dass Allende mehr oder weniger versuchte, dagegen vorzugehen, allerdings bewirkte seine Art von „Problemlösung“ eher das Gegenteil. Man könnte seine Regentschaft am Schluss als diktaturähnlich beschreiben, aber davon lasse ich besser mal ab. Augusto Pinochet, Oberbefehlshaber der chilenischen Streitkräfte, plante mit  einem Teil des seines untergebenen Generalstabs einen Putsch. Die CIA unterstützte diese Aktion. Am 11. September 1973 wurde dieser Plan in die Tat umgesetzt, der Palast des Präsidenten wurde bombardiert, die Armee erklärte die Regierung für abgesetzt und allein in der Hauptstadt Santiago de Chile wurden ca. 50.000 Menschen in Konzentrationslager wie z.B. das extra dafür hergerichtete Stadion gebracht. In den darauffolgenden Wochen durchkämmte ein Mordkommando mit Hubschraubern Chile und ermordete 62 ehemalig wichtige Allendenahe Politiker. Daher stammt übrigens der bekannte „Witz“: man gäbe linken einen „kostenlosen Helikopterflug“. Die Leichen der Politiker wurden nämlich in den Pazifik geworfen. Einige wurden auch  lebendig aus großer Höhe hineingestoßen. Ob man hier eine Grenze überschreitet, muss hier jeder für sich entscheiden.

Bis jetzt fragt man sich: wo besteht da eine Verbindung zu Liberalen, warum kommt dieser „Witz“ vorranging aus unserer Ecke? Das liegt daran, dass Pinochet unter Diktatoren eine Art Besonderheit darstellt. Er bekam einige Tipps durch den liberalen Ökonomen Milton Friedman, der wichtigste davon war, die Wirtschaft zu privatisieren. Er hatte also die Wahl, entweder die Wirtschaft durch seine Generäle leiten zu lassen, also eine stark planwirtschaftliche Schiene zu fahren, oder eben den Markt zu befreien. Er entschied sich eben glücklicherweise für die freie Marktwirtschaft. Das wird heute auch als das „Wunder von Chile“ bezeichnet. Das Land erlebte einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung, von dem nicht nur einige wenige profitierten. Und um jetzt der Anstalt den Wind aus den Segeln zu nehmen, die Friedman als Berater des angeblich schlimmsten Diktators der Welt darstellt: er hat einige Tipps in Form von Briefen und einem Anruf gegeben. Er hst zu der Zeit Briefe mit ökonomischen Tipps an alle möglichen Diktatoren geschrieben, unter anderem auch nach China. Nach steigendem öffentlichen Druck setzte Pinochet 1990 demokratische Wahlen an, durch die er dann abgesetzt wurde. Die Schreckensherrschaft war damit nach 17 Jahren vorbei.

Sind diese tatsächlich guten Taten jetzt ein Grund, um ihn zu unterstützen? Ich kann mit Sicherheit nein sagen. Denn seine guten Taten sind nicht so besonders, wie es bis jetzt erscheinen mag. Denn eigentlich hat er nur Tipps angenommen und sie durchgesetzt. Es war nicht seine Idee, sondern die von anderen. Und es war für ihn auch nicht schwer, sich gegen seine Mitstreiter durchzusetzen. Und zu dem simplen Befolgen der Tipps kommt noch die allgemeine wirtschaftliche Situation in den 70ern und vor allem 80ern. Überall verbesserten sie sich stark, Pinochet musste nichts weiter machen, als Chile daran mit hochzuziehen. Abschließend muss ich noch sagen, dass selbst, wenn die Umwandlung Chiles in ein kapitalistisches Land wirklich die Idee von ihm gewesen wäre und die weltwirtschaftliche Situation nicht so vorteilhaft gewesen wäre, keine von diesen Taten seine vielen Morde entschuldigen. Ca. 3.200 Menschen fielen seinem Regime zum Opfer, politische Gegner, die nur wegen einer anderen Meinung inhaftiert, gefoltert und ermordet wurden. Liberalismus stellt sich gegen die gewalttätige Ausgrenzung von Leuten mit anderen Meinungen, egal von welcher Ideologie. Es gibt keinen Grund für die Ermordung von irgendwem, denn die Menschenrechte würden dadurch nicht nur von Terroristen und Diktatoren, sondern auch von uns untergraben werden. Ich warne auch vor der Formulierung „unter Diktatoren war Pinochet gut“, denn das mag vielleicht stimmen, aber das Wort „gut“ im Zusammenhang mit ihm zu verwenden, wird in jedem Fall falsch aufgenommen, das kann ich aus Erfahrung sagen.

1 Antwort

  1. Rudi sagt:

    Meine Meinung ist da ganz einfach. Sympathien für eine Militärdiktatur sollte es für echte Liberale nicht geben. Denn der Neoliberalismus ist für mich kein echter Liberalismus, was sich an Chile zeigt.

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