Der schlimmste Feind des Umweltschützers? Der Umweltschützer

Von Manuel Freund | Es ist ein Drama, das die Landes- und Bundespolitiker wirklich zum verzweifeln bringt. Vor allem bei mir im Norden hört man immer wieder davon. Die Energiewende wird nach und nach vollzogen – das kann man mehr oder weniger gut finden – und wir haben in Schleswig-Holstein inzwischen sogar einen theoretischen Überschuss an Energieproduktion, denn Windparks in Norddeutschland sind durchaus bereits ein Energieerzeuger, der sich eigentlich auch ohne große staatliche Zuschüsse kommerziell lohnen würde. Ja genau: eigentlich würde, denn dieser Stromüberschuss bringt uns leider gar nichts. 

Man müsste zuerst einmal Stromtrassen bauen, die durch große Teile Deutschlands verlaufen, um den Stromüberschuss im Norden zu entlasten und den Stromverbrauch in anderen Teilen Deutschlands zu decken. Die Pläne für entsprechende Stromtrassen liegen längst bereit und eigentlich sollten diese auch weitestgehend schon fertig sein. Was hält die Ökos also davon ab, die wenigen Visionen, die umsetzbar sind, auch wirklich umzusetzen? Richtig: Es sind die Ökos selbst. Tierschützer kämpfen dafür, dass rein gar nichts auch nur ansatzweise menschliches im Radius von Meilen um jede Art gebaut wird, von der es nur noch höchstens ein paar tausend gibt. Um ein Beispiel zu nenne, eine jede Stromtrasse muss einen Mindestabstand von 400 Metern zu jedem Neubaugebiet haben, vorher waren es 35, Naturschutzverbände fordern sogar 600. Ähnliches gilt für alle möglichen Tierarten. Erst neulich berichtete die Schleswig-Holsteinische Landtagsabgeordnete Annabell Krämer auf einem örtlichen JuLi-Kreiskongress, dass die Regierung in unserem Bundesland mit dem Bau der A20 diese Legislaturperiode keinen Meter weiter kommen werde. Jedes mal, wenn es Pläne zum Weiterbau gebe, finde irgendein örtlicher Naturschutzverband im letzten Moment noch irgend eine seltene Fledermaus, einen fast vorm Aussterben bedrohten Schmetterling oder – ja, sowas kommt tatsächlich vor – ein seltenes Gras, dass es in ganz Deutschland nur noch auf 7000 Wiesen gibt. Fortschritt geht nicht, hier wächst ein bedrohter Grashalm. 

Dadurch entstehen riesige Extrakosten. Bei Überproduktion von Windenergie, müssen die Betreiber der Windparks oft den privaten Besitzern der einzelnen Windräder vorschreiben, diese abzuschalten, obwohl gerade perfekte Bedingungen zur Stromproduktion vorhanden wären. Sollte nämlich zu viel Strom produziert werden, so müsste dieser entweder in den Boden geleitet oder exportiert werden. Das kostet allerdings. Ja richtig, man muss zahlen, wenn man Strom exportiert. Deswegen werden die Kraftwerke einfach zeitweise stillgelegt. Im ersten Quartal diesen Jahres hat Deutschland einen neuen Rekord aufgestellt. Insgesamt 3,23 Mrd. Kilowattstunden Windenergie wurden eben genau wegen der fehlenden Trassen nicht produziert.

Aber warum ist das jetzt teuer? Ist ja eigentlich das Pech der Windkraftwerkbetreiber. Falsch gedacht: Durch das EEG  ist gewährleistet, dass die Betreiber insgesamt 95 % des verlorenen Profits aufgrund von Zwangsabschalten der Windkrafträder als Entschädigung wiederbekommen. Heißt für das Rekordquartal in diesem Jahr ganze 364 Mio. Euro. Und das schlägt sich unmittelbar auf den Strompreis aus, denn diese Summen werden nicht vom Staat bezahlt, sondern von den Energiekonzernen.

Bundeswirtschaftsminister Altmaier will diese Probleme nun mit einem 18-Punkte-Plan lösen oder zumindest verkleinern. Er will so sicherstellen, dass Deutschland sein Ziel von 65 % Ökostrom bis 2030 erreicht. Als erstes forderte er die Umweltministerin Svenja Schulze von der SPD auf, den Artenschutz zu lockern. Er sagt: Wenn wir die Energiewende schaffen wollen, dann müssen wir dafür auch in der Umweltpolitik Opfer bringen. Des Weiteren forderte er Horst Seehofer in dessen Funktion als Bauminister dazu auf, den Mindestabstand von Windrädern zu Wohnsiedlungen zu verringern. Außerdem bat er Olaf Scholz darum, Kommunen nach der Grundsteuerreform so zu entlasten, dass es sich lohnen würde, Windparks in der eigenen Kommune zu bauen.

Wer eine billige Energiewende haben wollte, könnte sie schon lange haben. Kritiker der Energiewende hingegen können sich tatsächlich entspannt zurücklehnen – der schlimmste Feind der Umweltschützer ist der Umweltschützer. 

1 Antwort

  1. karlchen sagt:

    Ich fürchte ja eher, dass der „Klimaschutz“ der Umwelt den Garaus machen wird… Denn: die Grünen (in allen Parteien) sind nicht mehr grün, sondern links.

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