DDR: 3 Todesfälle in Kindergefängnis zur “sozialistischen Umerziehung“

Von MAXI ZIMMER | In Bad Freienwalde gab es ein Gefängnis extra für Minderjährige. Ein Betroffener erzählt nun seine bedrückende Geschichte.

Selbst knapp 30 Jahre nach dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch der sozialistischen Diktaturen im Osten Europas sind noch nicht alle Verbrechen des Regimes aufgeklärt.
Zu einem wird gerade in Brandenburg ermittelt.
In Bad Freienwalde wurde von 1968 bis 1987 ein Gefängnis extra für Kinder und Jugendliche betrieben, die nicht in das sozialistische System passten.
Im Alter von 3 bis 18 Jahren wurden hier etwa 1.000 Minderjährige eingesperrt und unter unmenschlichen Bedingungen zur Arbeit gezwungen, 3 von ihnen überlebten das Gefängnis nicht.
Die DDR-Behörden gaben den Familien damals keine Auskunft über die Todesursache, daher ist es bis heute unklar was damals geschah.
Offiziell durften die Kinder dort nur 18 Tage eingesperrt werden, viele waren aber bis zu 6 Monaten dort.
Einer der damaligen Insassen, Roland Herrmann, heute 53 berichtet über seine damaligen Erfahrungen:
„Ich wurde vom 13. November 1979 bis zum 22. Mai 1980 dort eingesperrt. Meine Oma schenkte mir Westgeld. Davon kaufte ich mir Levi’s und andere Westklamotten. Als mich meine Russisch-Lehrerin so sah, sagte sie, Schüler mit kapitalistischen Klamotten unterrichte sie nicht. Und warf mich aus der Klasse. Da ging ich angeln. Nach 14 Tagen griff man mich auf.“.
Auch was in dem Gefängnis passierte schildert Herrmann:
“Ich musste mich ausziehen, wurde entlaust, obwohl ich keine Läuse hatte. Meine eigenen Sachen musste ich gegen Knast-Klamotten tauschen. Das waren Lumpen. Ich kam in eine vergitterte Vier-Mann-Zelle. Ohne WC, ohne Waschbecken, nur ein Kübel für die Notdurft. Ekelhaft. Zwei Erzieher waren besonders brutal zu uns.“

Jetzt soll das damalige Verbrechen aufgeklärt werden, der leitende Oberstaatsanwalt in Brandenburg hat sich des Falles angenommen.
Geprüft wird eine strafrechtliche Relevanz, sowie eine Aufarbeitung.
Ob dies erfolgreich sein wird muss sich zeigen, es ist fraglich ob dafür noch Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden können.
Aber eines zeigt der Fall mal wieder auf bedrückende Weise: Die Diktatur der SED war ein grausames System und das wird bis heute von großen Teilen der Gesellschaft geleugnet oder heruntergespielt. Deshalb ist es um so wichtiger, die Geschichte aufzuarbeiten.
Auch die ideologischen Wurzeln müssen als solche erkannt und bekämpft werden.

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3 Antworten

  1. Eva Golderbiet sagt:

    Jetzt müssen wir aufpassen, dass dasselbe nicht wieder passiert. Dieses Mal Dank der Scharia…

  2. nordseeschwalbe sagt:

    Schrecklich. Und ja, das sollte dringend aufgearbeitet werden – sowie auch der „alltägliche“ Horror in den Kinderkrippen und Heimen.

    • Raubtierkapitalist sagt:

      In den Schulen im Osten ist beim Thema DDR (-Terror) häufig Revisionismus angesagt, insofern die DDR nicht sowieso nur nebenbei und oberflächlich behandelt wird.

      Was in Kinderheimen, Schwererziehbarenheimen, Einrichtungen für geistig behinderte Menschen etc. los war, kann sich beim verniedlichendem Umgang mit der DDR kaum noch einer überhaupt nur vorstellen.

      Ich habe letztens eine Doku im MDR gesehen. Zitat: „Der Alltag der Menschen in der DDR unterschied sich nicht wesentlich von dem der Menschen im Westen.“

      Diese blödsinnige, propagandistische und revisionistische Aussage brauche ich hier nicht weiter zerpflücken. Das Beispiel im obigen Artikel ist ja Beispiel genug. Und das war Alltag! – Ebenso wie Zwangsarbeit für Politische in den Uran-Minen, Zwangsadoptionen, Erschießen bei Republikflucht, Folter in Verhörkellern, oder durch das Abspielen „subversiver westlicher Musik“ in einer Parkanlage wegen „Asozialen Verhaltens“ in den Knast zu gehen – oder in ein Heim für Schwererziehbare.

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