Crashkurs Liberalismus: Die Akademie der Freiheit

Von AIR TUERKIS | Fünf Redakteure von Apollo reisten vergangene Woche in ein schönes Hotel in Brandenburg.

Ein wundervoller See, in dem wir wegen den hohen Temperaturen sehr oft schwimmen waren, gutes Essen (für Hotels sehr ungewöhnlich) und ein herzlicher Gastgeber sorgten für eine angenehme Atmosphäre.

Aber wir waren nicht da, um in netter Umgebung zu faulenzen: wir reisten zur Akademie der Freiheit, einer Veranstaltung der F.A. von Hayek Gesellschaft, bei der 20 jungen Menschen im Alter von 15 bis 25 Jahren über eine Woche lang liberale Ideen näher gebracht wurden. Wir diskutierten über Denker wie Platon oder Popper, Martin Luther oder Carl Menger.

Prof. Dr. Habermann, Vorstandsvorsitzender der Hayek-Stiftung, klärte uns über die große freiheitliche Tradition der Deutschen auf – inspiriert von diesem Vortrag entstand bereits ein Artikel auf Apollo. 

Herr Prof. Dr. Hagedorn konnte in seinem Referat über die Wiener Schule der Nationalökonomie (C. Menger, L. Mises, F.H. Hayek) selbst das trockene Blatt der Volkswirtschaftslehre lebendig herüberbringen. Kompliziert klingende Ideen wie „Theorie des abnehmenden Grenznutzens“ sind in Wahrheit hoch interessante Feststellungen über die grundlegendsten Zusammenhänge menschlichen Lebens, mit deren Verständnis man viel einfacher die wirtschaftlichen Gegebenheiten eines Landes verstehen kann.

Neben den inhaltlichen Debatten und Vorträgen wurden auch Fähigkeiten der politischen Auseinandersetzung geschult: Wie diskutiere ich richtig? Wie überzeuge ich jemanden von meinen Ideen? Wie verfasse ich einen Text?
Grundlegende Fähigkeiten, die für eine gute politische Arbeit notwendig sind. Es ist immerhin von einiger Relevanz, das spärliche Humankapital des liberalen Lagers effektiv einzusetzen. Nur so kann eine Aufklärung im Sinne der Freiheit gelingen.

Wer die Hintergründe verstehen will, sollte sich aber auch einmal die Praxis ansehen. Genau das taten wir: In einem gemieteten Bus fuhren wir eines Morgens zu einer Besichtigung des Reichstags nach Berlin. Im Rahmen dessen konnten wir ein interessantes Gespräch mit Dr. Philipp Lengsfeld (ehemaliger Bundestagsabgeordneter der CDU und Sohn der DDR- Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld) über politische Abläufe führen und ehrliche Einblicke in das Leben eines Politikers bekommen. Eine Mahlzeit in der Bundestagskantine war auch vorgesehen: Nicht besonders lecker – ein Grund mehr, unseren Einfluss auf die deutsche Politik zu erweitern.

Anschließend liefen wir zur Redaktion des Focus-Magazins, wurden durch die Räume geführt und konnten einen – für mich hochinteressanten – Einblick in redaktionelle Abläufe und journalistisches Arbeiten bekommen. Journalismus ist wirklich ein sehr hartes Geschäft, und die Herausgabe eines wöchentlichen Blattes stellt einen vor schier unlösbare Probleme rein logistischer und zeitlicher Natur. Unter welchem Zeitdruck man bei einer Tageszeitung steht, möchte ich mir gar nicht vorstellen.
Vom Dach des Hochhauses schauten wir über die „Skyline“ von Berlin und hatten eine wunderbare Aussicht. Apollo überlegt, die Räumlichkeiten eventuell demnächst zu übernehmen. Aber ich schweife ab: „Fakten, Fakten, Fakten – und immer an den Leser denken!“

Das was diese Woche aber eigentlich so schön gemacht hat, war das extrem gute zwischenmenschliche Verhältnis: Wenige Streits, viele gute Gespräche und Diskussionen. Wir haben zusammen gesungen, im See gebadet und auf dem See gerudert. Andere liberale junge Menschen kennenlernen – für einen Jugendlichen aus Berlin-Kreuzberg ein seltenes und schönes Erlebnis. Die Akademie bringt nicht nur liberale Werte nahe, sie ist auch in sich sehr freiheitlich. Freie Debattenkultur, kein Ausschluss von unliebsamen Meinungen. Die Wertschätzung der eigenen Meinung durch die anderen war ein Antrieb, sich immer stärker einzubringen.
Viele Teilnehmer – darunter ich – hielten kurze, dafür spannende, informative und/oder bewegende Tischreden.

Um auf den Titel zurückzukommen: Die Akademie der Freiheit hat ihr Ziel mehr als erreicht. Wir wurden wohl alle in unserem freiheitlichen Gedankengut bestärkt und für Diskussionen und politischen Alltag bestens gerüstet und motiviert.

Netzwerktechnisch war es eine sehr sinnvolle Sache: Auch Individualisten können gemeinsam mehr erreichen als alleine. Im Bereich der Organisation klassisch-liberaler Jugendarbeit besteht auf jeden Fall noch dringender Handlungsbedarf. Es ist schließlich unsere Zukunft, die auf dem Spiel steht und um die wir kämpfen müssen. Aber wenn man diese Truppe von engagierten jungen Menschen gesehen hat, muss man erkennen, dass die letzte Schlacht noch nicht geschlagen wurde. Es gibt noch Hoffnung!

Über die 6 Tage konnte man merken, wie sehr sich die Organisatoren, allen voran Frau Fußer, ins Zeug gelegt haben, um diese Woche zu einem tollen und effektiven Event zu machen – das ist Ihnen mehr als gelungen. Ich möchte allen danken, die diese wunderbare Woche für uns möglich gemacht haben. Es war ein wichtiges Erlebnis, das unserer Zukunft auf jeden Fall beeinflussen wird. Ich kann die Akademie der Freiheit nur jedem freiheitlichen jungen Menschen dringend ans Herz legen. Nächstes Jahr im Sommer startet die Akademie wieder. Wer sich so eine Gelegenheit entgehen lässt ist selbst Schuld!

1 Antwort

  1. linda sagt:

    Das klingt ganz wunderbar – Ludwig von Mises wäre begeistert!
    Eine solche Tagung wirkt sicher lange nach und wird weitere Kreise ziehen.
    Auf dass die liberalen Kräfte dieses Landes sich sammeln und vereinen!

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