Chemnitz: Die Jagd nach der Hetzjagd

Von MAX ROLAND | Die Hetzjagden von Chemnitz: Es scheint sie nicht gegeben zu haben. Aber das Narrativ steht.

Unheilvolle historische Linien: „Jetzt wird rücksichtslos durchgegriffen“ titelte das NS-Blatt „Völkischer Beobachter“ nach dem Reichstagsbrand. Wenn anhand der „Hetzjagden“ von Chemnitz jetzt zum „harten Durchgreifen“ gegen die AfD und andere aufgerufen wird, dann kann man fast nur Parallelen sehen.

Bereits in meiner Kolumne „Gegenwind“ habe ich mich Chemnitz gewidmet. Bereits dort habe ich in Frage gestellt, ob es die „Hetzjagden“ wirklich gab. Zwar wurde die Geschichte uns sogar von der Kanzlerin höchstselbst erzählt: Aber niemand, nicht der Regierungssprecher, nicht die zahllosen Qualitätsmedien unseres Landes, die sich doch sonst dem Kampf gegen „Fake-News“ verschreiben, keiner lieferte Beweise für die Angeblichen Jagden auf Ausländer. Auch gut eine Woche nach den Ereignissen in Chemnitz wurde kein stichhaltiger Beweis für diese Hetzjagden vorgelegt.

Jetzt kommt aber das Gegenteil ans Licht: Es scheint die fast schon Triumphal durch die Schlagzeilen der Haltungsblätter geschleiften Hetzjagden gar nicht gegeben zu haben. Denn die Generalstaatsanwaltschaft Sachsen hat auf verschiedene Anfragen immer das gleiche erklärt: Man habe keine Kenntnis über solche Ereignisse. Meine Jagd nach der Hetzjagd, die ich jetzt seit den Beginn der Medienberichterstattung betrieben habe, hat also nun doch zu einem Ergebnis geführt: Es gab sie nicht. Das wird man natürlich in den großen Medien, die diese These bis zum Exzess verbreitet haben, nicht lesen. Kein Politiker wird sich korrigieren. Das Narrativ steht, anhand dessen man jetzt zum Angriff gegen „die Bösen“ blasen kann, also alle, die die eigene politische Vormachtstellung bedrohen. Der Reichstag hat gebrannt, und man hat den Schuldigen gefasst, jetzt kann man zurückschlagen.

Ganz im Ernst, man kann den gerade eben gezogenen Vergleich vielleicht für Vermessen halten: Ich glaube aber, er ist angebracht, um das dahinterliegende, perfide Prinzip zu verdeutlichen. 1933 hatten die Nazis mit dem Reichstagsbrand die perfekte Propagandalüge, um Kommunisten und alle anderen, die ihnen noch wirklich Widerstand leisteten, Endgültig auf voller Front anzugreifen und die Maske fallen zu lassen.  Wenn die Hetzjagden, die es nicht gab, nun der Grund sind, um gegen die AfD vorzugehen (Wie von CDU bis Linke jetzt schon offensiv gefordert wird): Dann bewähren sich in Deutschland alte Methoden. Nazi-Methoden im Kampf gegen „Nazis“: Der K(r)ampf gegen Rechts wird endgültig zur Farce.

Mittlerweile würde ich am liebsten Täglich Artikel zu Chemnitz schreiben. Was unter dem Vorwand der angeblichen Ereignisse dort jetzt in Deutschland passiert, macht mich wütend und fassungslos.  Ich kann gar nicht so viel schreiben, wie ich sagen möchte. Und wer jetzt an das berühmte Max-Libermann-Zitat denkt, der hat meine Gefühlslage auch schon ganz richtig erkannt.

1 Antwort

  1. le chaim sagt:

    Ja, es ist wirklich zum Kotzen! Diesen verlogeneren Machtgeiern traut man inzwischen tatsächlich Notstandsgesetze zu. Ich hoffe allerdings, dass es genug Leute gibt, die sich dagegen wehren werden. Wozu Sie mit Ihren Artikeln ja auch beitragen – also lassen Sie sich nicht entmutigen sondern schrei(b)en Sie weiter gegen diesen Wahnsinn an!

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