Bloomberg-Ranking: Deutschland „innovativste Nation der Welt“?

Von Elisa David | Die amerikanische Nachrichtenagentur Bloomberg erstellt nun seit acht Jahren das Top-60-Ranking „Bloomberg Innovation Index“. Sechs Jahre in Folge ging Südkorea hierbei als Sieger hervor, doch jetzt – ausgerechnet jetzt – kann sich Deutschland als „innovativstes Land der Welt“ die Krone aufsetzten. Südkorea wurde auf Platz zwei verdrängt, dicht gefolgt von Singapur, der Schweiz, Schweden und Israel auf Platz sechs. Dann folgen Finnland und Dänemark, während die USA auf Platz neun verbannt wurden.

Früher wäre ich bei solchen Nachrichten unglaublich stolz auf mein Heimatland gewesen. Klar ist Deutschland auf Platz 1, wir sind ja auch verdammt cool und haben die besten Automarken der Welt. Doch jetzt, wo ich ein bisschen älter bin – also mit meinen 19 Jahren quasi schon kurz vor der Rente – bin ich mir da nicht mehr so sicher.

Von Innovation bekomme ich in meinem Alltag absolut nichts mit. Wenn ich meinen alten Klassenraum mit der Kreidetafel, dem OHP-Projektor mit Wackelkontakt und der kaputten Heizung vergleiche mit Dokumentationen über Schulen in Seoul, sehe ich keinen Grund, warum Deutschland da besser weg kommen sollte. Das letzte Mal, als ich Zug gefahren bin – irgendwann Ende letzten Jahres – wollte mir die Datumsanzeige in meinem Abteil verklickern, dass wir uns im Januar 2000 befinden. Und von der Leistung der Deutschen Bahn her mag das auch zutreffen.
Wer mit dem ICE fährt sollte als Umsteigezeit nicht weniger als zwei Stunden einplanen, wenn er nicht irgendwo in Fuhlsbüttel stranden will, weil der Anschlusszug nicht warten konnte. Und wenn auch nur eine Schneeflocke fällt, kann man sich den Weg zum Bahnhof gleich sparen und stattdessen die Skier rauskramen, das geht dann eh schneller. Vergleicht man das mit Berichten von japanischen Zügen, wo 54 Sekunden Verspätung schon eine Schande sind, ist Japans Platz 11 auf der Liste alles andere als nachvollziehbar. Und wie lange braucht China (Platz 15) um einen Flughafen zu bauen? Keine 14 Jahre, so viel steht fest. Zum französischen Nationalfeiertag letzten Jahres präsentierte das französische Militär eine Flugshow, deren Highlight der „fliegende Mann“ war – der französische Jetski-Rennfahrer Franky Zapata flog mit dem sogenannten Flyboard Air, einer fliegenden Mini-Plattform, über die Champs-Élysées. Währenddessen kriegt unsere Bundeswehr nichtmal einen Hubschrauber gestartet. Trotzdem trumpft Deutschland auf Platz 1 und Frankreich versauert auf Platz 10. Während Nationen wie die USA, Brasilien, Kanada und selbst Indien auf die echte Zukunftstechnologie der Gentechnik setzen, lässt Deutschland auch den Zug vorbei ziehen und forscht nicht mal in die Richtung – sondern verbietet es. Noch ein Gebiet auf dem wir den Anschluss verlieren.

Also womit hat Deutschland diese Auszeichnung verdient? Was treibt Deutschland ausgerechnet jetzt nach vorne – jetzt wo wir unsere Energieerzeugung in die Steinzeit zurück verfrachten, indem wir uns von Atom- und Kohlekraft verabschiedet haben und dabei sind, uns auch noch von Erdgasen loszusagen. Jetzt wo wir unsere Autos, auf die ich früher so stolz war und die zu den leistungsfähigsten der Welt zählten, mit E-Motoren verstümmeln. Jetzt wo Frauenquoten und Diversity am Arbeitsplatz mehr zählen als Leistung. Was macht Deutschland jetzt zum innovativsten Land der Welt? Haben die Kollegen bei Bloomberg jedes Mal mitgezählt, wenn Merkel uns mit gutem Beispiel voran ins Verderben geführt hat, denn nur so kann ich mir das erklären.

Nun, es scheint auch so ähnlich zu sein, denn der Index berücksichtigt unter anderem die Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Hierbei wirken sich vorallem Milliardenausgaben von deutschen Autobauern wie Volkswagen, BMW und Daimler, positiv im Gesamtranking aus, die hohe Summen in den Bereichen Elektromobilität und autonomes Fahren investieren. Also im Grunde alles Sachen, die keiner haben will. Es ist ja nicht mal so, als würden sie das Rad neu erfinden.

Das wäre gar nicht so schlimm – es würde unnötig viel Geld und Zeit kosten, aber immerhin hat man danach ein funktionsfähiges Rad. Aber so haben wir am Ende einfach garnichts, außer hypermoderner, todschicker E-Autos, die keine Sau haben will, sich kein Mensch leisten kann, die ab und zu explodieren, alle halbe Stunde aufgeladen werden müssen und nach Gebrauch die Umwelt mehr verpesten, als CO2 es je könnte. Es ist nichts was uns als Land voran bringt, ganz im Gegenteil – durch den Umstieg auf E-Mobilität können bis 2030 300.000 Arbeitsplätze gefährdet werden. Wir machen unser Land, unsere Wirtschaft kaputt aber weil wir auf dem Weg dorthin genug Geld in viel zu einseitige Forschung stecken, werden wir als strahlende Helden gefeiert. Es wird ein böses Erwachen geben, wenn wir uns die ganzen unnötigen, contraproduktiven Innovationen irgendwann nicht mehr leisten können und uns am Ende der Liste bei Marokko wiederfinden. Aber wenigstens haben wir jetzt erstmal Rache an Südkorea für die Niederlage bei der WM genommen – nur um welchen Preis ist die Frage.

3 Antworten

  1. Kare sagt:

    Ja, tolle Berichterstattung wenn weder ansatzweise erklärt wird wie denn das Ranking überhaupt zusammenkommt noch der auf den Originalartikel bei Bloomberg eingegangen wird. Dann hätte man festgestellt, dass auch Bloomberg einige warnende Worte hätte. Und übrigens auch noch lesen können, dass Bloomberg neben VW und Daimler ebenso noch Bayer und Siemens in der Liste der Top 20 börsennotierte Unternehmen mit den höchsten R&D-Ausgaben eingereiht hat.

    Auch die interessante Bemerkung, dass „keine Sau“ E-Autos will, während Tesla von ihrem Model 3 in den USA mehr verkauft als BMW, Audi und Daimler mit ihren Mittelklasslimousinen zusammen, ist schön recherchiert. Dass man hier aktuell Tesla kampflos das Feld überlässt scheint keinem zu stören. Man muss bei weitem kein Freund von E-Autos sein um sowas zu erkennen. Passend dazu Autonomes Fahren im gleichen Atemzug dann auch noch als „will eh keiner“ bezeichnen. Das wird garantiert kommen, auch in Deutschland. Ihr hättet wahrscheinlich auch das erste iPhone als unnötig abgetan, das olle Nokia hatte doch einen viel besseren Akku.

  2. nordseeschwalbe sagt:

    Sehr witzig geschrieben – musste trotz des traurigen Inhalts mehrfach lachen… Merci dafür!

  3. Gerhard sagt:

    Ich bin erstaunt, dass junge Menschen derart realistische und objektive Ansichten vertreten (ist z.Bsp. bei FFF nicht zu sehen). Der Artikel ist wirklich lesenswert. So etwas nenne ich eine gute Berichterstattung. Sollte den Mainstream-Medien zu denken geben. Alle Achtung. Bitte weiter so.