Axel Springer und Karl Marx geben gemeinsame Erklärung ab

Von Max Roland | Friedhofsbesucher in London und Berlin mussten eine schockierende Entdeckung machen. Zunächst fand man in Berlin das Grab von Verlegerlegende Axel Springer offen vor. Wenig später wurden gleiche Meldungen auch aus London bekannt – auch das Grab von Karl Marx schien von innen geöffnet. Gutachter bestätigten, dass sich die beiden begrabenen durch „massive Rotationsbewegungen“ aus ihren letzten Ruhestätten entfernt hatten. 

Doch damit ist die Meldung noch lange nicht vollständig. Wenige Stunden später wurden die totgeglaubten Munter in Berlin gesichtet. Springer und Marx scheinen aus dem Himmel herab- beziehungsweise aus der Hölle heraufgefahren zu sein, um etwas richtig zu stellen. Leihen wir den beiden unser Ohr. 

„Ich weiß nicht, wie das passieren konnte“, begann Springer. „Ich glaubte, ein Unternehmen, welches meinen Namen trägt, sollte sich nicht so von meinen Grundsätzen entfernt haben können. Und doch, was sah ich auf diesem… (er macht eine kurze Pause, um auf seinen Notizzettel zu blicken)… diesem Twitter von einem gewissen Ulf Poschardt? ‚Axel Springer gibt seinen Mitarbeitern für den „Klimastreik“ am 20. September frei’, heißt es da! Mein Verlag hat unter meiner Führung nicht über Jahrzehnte gegen die „DDR“ angeschrieben, nicht über Jahrzehnte gegen die 68er und andere Kommunisten in Deutschland gekämpft und die freie Marktwirtschaft verteidigt, um jetzt vor dieser neuen Ökobewegung einzuknicken! Ich meine, „Fridays for future“? „Bild“ und „Welt“ haben gegen einen ganzen Block von Staaten angeschrieben, gegen Terrorgruppen und eine tatsächliche Bewegung von Revoluzzern unter diesem Dutschke – und jetzt knickt mein Konzern vor einer Gruppe von Kindern ein, die sich von ihren Eltern zur Demo fahren lassen, um für den Klimakommunismus zu demonstrieren? Jetzt kriegen die Mitarbeiter meines Konzerns FREI, um an einem STREIK dafür teilzunehmen? Wie weit ist es gekommen?“ Springer beruhight sich, nimmt einen Schluck Wasser und blickt zu Karl Marx, der daraufhin auch das Wort ergreift.

„Der Herr Springer und ich teilen wenig außer eine wechselseitige Abneigung. Aber auch ich kann nicht schweigen, wenn ich das sehe. Entweder die Kapitalismus-Kampfpresse Springer hat sich einen genialen Plan einfallen lassen, um die Arbeiterbewegung lächerlich zu machen und sie zu vernichten, oder aber wir haben es hier mit dem permanenten Ende der Revolution zu tun. Erstmal diese gesamte Freitagsbewegung – Da gehen Kinder mit dem Segen von Eltern, Lehrern und sogar den regierenden Eliten auf eine Demo und nennen es „Revolution“? Wenn so der Kapitalismus abgeschafft wird, dann behalte ich ihn lieber. Ich will eine Revolution in Würde, nicht  so ein schlappschwänziges Gehabe! Und eine Arbeiterschaft, die von ihren Ausbeutern Arbeitsfrei bekommt, um an einem „Streik“ teilzunehmen? Ich bin gerade vom Tot zurückgekehrt und sehe ihn mir schon wieder herbei. All meine Bemühungen waren absolut zwecklos, wenn sowas ernsthaft passiert. Was soll das sein? Arbeitskampf mit Erlaubnis der Bourgeoisie?“

„Da teile ich“, beginnt Axel Springer erneut, „zum ersten mal eine Analyse des Herrn Marx. Die 68er sind wenigstens noch richtig auf die Straße gegangen. Das waren noch Krawallmacher, die man wenigstens vernünftig bekämpfen konnte. Die hatten wenigstens die Eier, sich aufzulehnen und die Konfrontation zu suchen! Wenn einer von denen seinen Arbeitgeber gefragt hätte, ob er für eine Demo freigestellt wird, wäre er sowohl seinen Job als auch seinen Platz bei dieser APO losgeworden, und beides völlig zurecht. Lieber man ist aufrechter Kommunist als so ein Versager. Der Dutschke hatte ja noch rhetorisches Talent. Da verstand man, warum er die Galionsfigur war. Aber jetzt versammelt sich ein Haufen Kinder hinter einer 16-Jährigen mit Aspergersyndrom, und selbst das Verlagshaus, das meinen Namen trägt, unterstützt diese Bewegung. Ganz zu schweigen von der einst so stolzen Union. Adenauer und Strauß hätten sich niemals von 14-Jährigen die politische Auseinandersetzung diktieren lassen. Und in der DDR hat wenigstens die Politik die 14-Jährigen kontrolliert, und nicht die 14-Jährigen die Politik! Wenn mein Konzern seinen Leuten für einen solchen Streik freigibt, können weder Herr Marx noch ich schweigen. Wir fordern von Herrn Poschardt und dem Springer-Konzern eine klare Distanzierung von diesem Statement. Das hat weder etwas mit dem Geist meines Konzerns, noch mit einem Streik zu tun. Jetzt bitten wir Sie, uns zu entschuldigen – durch das ganze im-Grabe-herumdrehen ist die Erde da völlig aufgewühlt und wir müssen aufräumen. Wir wollen nicht nochmal unsere letzte Ruhestätte verlassen und fordern ganz ernsthaft, dass der Springer-Konzern mit diesem Unfug aufhört!“

1 Antwort

  1. DJ_rainbow sagt:

    Ich verneige mich, danke für diesen Text!

    Allerdings muss ich dann auch noch meinen Senf dazugeben, es fehlt nämlich etwas:

    Wenn Murx und Hüpfer der selben Meinung sind, ist der Tag der Apokalypse gekommen. Und zwar gekommen, um zu bleiben!

    Die vier Reiter*Innen dieser Apokalyps*In, ihre Reittier*Innen gehören übrigens der Gattung „Aeromobilus interkontinentalus“ an, heißen Gretl, Luisa und Rezo. Das sind zwar nur drei, aber ein bisschen Schwund ist ja immer – und für eine(n) Baumschulabbrecherix*In ist alles, was >2 ist, sowieso nur „viele“. Kommt also nicht drauf an.

    Und wenn es nach 1 und 2 eh nur noch „viele“ gibt, kommt es auf den einen oder anderen Zentner Müll, der bei den vom Regime genehmigten „Demos“ anfällt, auch nicht mehr an.

    Zugegeben, der ist geklaut: „Der Antlantik ist trüb, die Luft ist rein – Gretl muss ersoffen sein.“

    In diesem Sinne: Weiter so!