Auch Trecker können Flashmob: Die nächste große Bauerndemo

Von Leopold Vogt | Nicht nur in Deutschland haben Landwirte Grund, auf die Straße zu gehen – auch in Holland ist die Politik sich offenbar nicht zu Schade, jedes Detail der Landbewirtschaftung zu reglementieren. Und wie überall, wo Menschen ihre Existenz gefährdet sehen, wollen auch dort die Bauern diesmal nicht tatenlos zusehen. Geplante Aktionen waren zum Beispiel die Blockade von Supermärkten, denn gerade der Lebensmittelhandel ist berüchtigt für den Preisdruck, den er ausübt.

Tatsächlich gibt es solche Proteste auch in den Niederlanden nicht zum ersten Mal, die Niederländische Regierung fühlt sich offenbar sogar soweit bedrängt, dass sie es für notwendig erachtete, die Demonstrationen der “Farmers Defence Force” zu verbieten. Doch die Organisatoren von FDF wären keine Landwirte, hätten sie keinen Hang zu pragmatischen Lösungen: Die Organisation übernahm glücklicherweise CBL, eine Verbindung niederländischer Tiefbauunternehmer, auch wenn leider aus dem kurzen und mehr symbolischen Blockieren des Einzelhandels vorerst wohl nichts wurde. 

Doch immerhin konnte CBL damit die Kundgebung teilweise retten, die gerichtliche Blockade wird wohl gerade angefochten. Und so demonstrierte die Branche, die immer noch von Familienbetrieben dominiert wird, Einigkeit in einem friedlichen (!) Widerstand gegen eine unsinnige, aber existenzgefährdende Politik der Irrationalität. Protestiert wurde wohl primär in größeren Städten, hier ist Groningen und Leeuwarden hervorzuheben.

Solidarität aus Deutschland

Und genau bei diesen Kundgebungen unterstützten viele deutsche Landwirte aus der Grenzregion ihre niederländischen Leidensgenossen im friedlichen Protest und fuhren in den frühen Morgenstunden über die Grenze. Dabei erschienen sie so zahlreich, dass Bundesstraßen und die Autobahn 1 (zwischen Hannover und Amsterdam) zeitweise massive Staus erlebten.

Aber auch auf deutschem Boden zeigte man sich solidarisch, zwar nicht mit zentralen Aktionen, aber zumindest mit kleinen Flashmobs an “vielbefahrenen Kreuzungen und Ausfahrten”, wo sich um 16:30 Uhr spontan getroffen und gegen 17:00 Uhr wieder weitergefahren wurde. Auch hier ist hervorzuheben, dass kein Verkehr blockiert wurde, sondern neben den “Knotenpunkten” Stellung bezogen wurde.

Landwirtschaft unter Druck

Auch in Deutschland sehen sich gerade junge Landwirte inzwischen in ihrer Existenz bedroht, sowohl durch angeblichen Insektenschutz wie auch durch die Verbannung moderner (und wissenschaftlich begründeter) Nahrungsmittelproduktion. Gerade im ältesten Wirtschaftssektor, der gerade jetzt mit einem extremen Wettbewerb zu kämpfen hat und der vor einem gigantischen Strukturwandel steht, will die Politik nun das geniale Konzept der Energie- und Verkehrswende wieder anwenden. Das bedeutet auch hier die Holzhammermethode, extreme Zielvorgaben zu setzen, ohne wirkliche Möglichkeiten anzubieten, diese zu erreichen.

Man sollte dies nicht falsch verstehen, die Landwirte lehnen Wandle und Verbesserung nicht ab. Gerade Tierwohl ist beispielsweise für viele Bauern ein Herzensanliegen, nur sind die Möglichkeiten dafür durch einen strengen ökonomischen Rahmen vorgegeben. Wer jetzt schon fast Minus macht, kann nicht groß in neue Ställe investieren.

Und dort, wo investiert werden soll, in Ställe mit mehr Platz und mehr Frischluft zum Beispiel, kommt das Baurecht den Plänen in die Quere, wegen Geruchsbelästigung, wenn Schweine auf eine Weide getrieben werden sollen oder anderen Spitzfindigkeiten. Gerade diese Probleme werden in der öffentlichen Diskussion meistens komplett ignoriert und vieles wird schlecht geredet.

Und weil diese Probleme ignoriert werden, hat auch die Politik sie noch nicht – außer in Form von öffentlichkeitswirksamen Krümeln – Ernst genommen. Daraus folgend werden Landwirte in Zukunft noch mehr Schwierigkeiten haben, ihren Betrieb in die nächste Generation zu führen, was zu mehr Unmut führen wird. Und wer seine schiere Existenz gefährdet sieht, erfährt auch mehr Motivation, für diese Existenz zu kämpfen. Mit einem baldigen Abklingen dieser europaweiten Demonstrationen ist also vorerst wohl nicht zu rechnen.