Assad ist die Herrschaft mehr wert als Zivilisten

Von MAX ZIMMER | Bald 7 Jahre Krieg und hunderttausende Tote. Dies war sicher nicht die Intention derer, die im Frühjahr 2011 in Massen gegen die undemokratische Assad Regierung auf die Straßen gingen.
Der Verlauf des Krieges spricht Bände: Waren es zumeist syrische Bürger, die von den Anhängern der Regierung bekämpft wurden, weil sie zu viel Freiheit forderten.
Der ganze Krieg mündete aus der angespannten Situation während des arabischen Frühlings, und dem Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat: Dem militärischen Vorgehen der zu einem Regime verkommenen Regierung Assads.
Statt im Zuge der Massenproteste massive Reformen anzustreben oder gar einen Rücktritt in Erwägung zu ziehen, entscheidet er sich lieber, das Problem der Unzufriedenheit an seiner Herrschaft mit Waffengewalt zu lösen, und das inmitten einer Situation, in der bereits mehrere Nachbarstaaten von teils blutigen Revolutionen erschüttert wurden.
Die zahlreichen Gegner der Regierung gaben nicht klein bei, sondern stellten sich ihren Unterdrückern entgegen. Der Krieg brach aus.
Die Folgen sind uns nur zu gut bekannt.
Und auch die Tatsache, dass die Regierungstruppen im Laufe des Krieges nichts unterließen, um den Gegnern ihrer Befehlshaber den Gar aus zu machen.
Wohl der Gipfel dieses Krieges gegen die eigene Bevölkerung war die Belagerung Aleppos Ende 2016, bei der durch russische und syrische Luftangriffe tausende Zivilisten in der Rebellenhochburg starben.
Nach dem Fall der Stadt sprachen russische Medien von einer “Befreiung“. In Wahrheit mussten die Bürger nur ihrer Regierung nach-, und den Traum einer freien Zukunft aufgeben. Ein derart trauriger Höhepunkt scheint sich derzeit zu wiederholen, diesmal in Ost Ghouta bei Damaskus.
In den letzten Tagen wurden hier mindestens 300 Zivilisten getötet und tausende verletzt, als russische und syrische Flugzeuge die letzte wirklich von Rebellen kontrollierte Stadt bombardierten. Wie auch in Aleppo wird hierbei keine Rücksicht auf Zivilisten genommen.
Stattdessen wird der rücksichtslose Feldzug der Regierung genau so erbarmungslos weiter geführt, wie er das Land bereits seit Jahren terrorisiert.
Natürlich war wohl das schlimmste Ereignis des Krieges das kurzlebige Erstarken des islamischen Staates. Nicht nur, wegen den unfassbaren Verbrechen, der dieser begangen hat.
Auch hat der islamische Staat die Rebellen der freien syrischen Armee in die Bedeutungslosigkeit gefegt.
Er übernahm das größte Territorium im Krieg, und stoppte den Siegeszug der Revolution, die bis dato ziemlich erfolgsversprechend verlief. Zudem wurden die anfänglich demokratisch orientierten Kämpfer der FSA in weiten Teilen von radikal islamischen Strömungen unterwandert.
Ob es in Zukunft eine Chance für ein freies, demokratisches Syrien gibt, wird sich somit wohl zwischen den Kurden und dem Assad Regime entscheiden.
Momentan aber sieht es dank der türkischen Invasion so aus, als würden die beiden ein Zweckbündnis eingehen.
Dies wäre für die demokratische Bewegung wohl keine gute Nachricht.

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