„Alan Kurdi“ läuft Lampedusa an

Von MAX ROLAND | Nachdem die „Sea-Watch 3“ unter Kapitänin Rackete mit voller rückwirkender Unterstützung aus Deutschland, vom Bundespräsident bis zum Außenminister, die Gesetze eines souveränen Staates missachtete, Beamte dieses Staates in Gefahr brachte und den Willen eines Volkes für de facto nichtig erklärte, indem sie trotz allem ein Boot der italienischen Behörden rammte und in den Hafen von Lampedusa einlief, haben wir wieder ein Vorbild geschaffen. Wenn ich durch die Innenstadt laufe, sehe ich sogar schon Plakate mit dem Gesicht der 31-Jährigen. Ja, Deutschland ist bewegt von seiner neuen Nationalheldin, die gegen alles, was eine Nation ausmacht, vorgeht. Leider hat noch keiner der guten Frau Rackete das eiserne Kreuz verliehen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Nationalheldin Rackete hat jetzt auch ein weiteres deutsches „Rettungsschiff“ inspiriert: Die „Alan Kurdi“ aus Stralsund ist zur Stunde auch im Mittelmeer unterwegs und hat jetzt angekündigt, auch in den Hafen von Lampedusa einlaufen zu wollen. Nachdem General Rackete in der heldenhaften Schlacht vor Lampedusa die Italiener bezwungen hat, sehen die Deutschen den Hafen der Insel als ihren Besitz an und fahren ein, wie sie lustig sind. Wenn Salvini wieder dicht macht, dann gibt es wieder einen Sturm der Entrüstung. Ich glaube: Das letzte mal, dass sich die deutsche Öffentlichkeit so über eine souveräne Entscheidung der Italiener aufgeregt hat, war 1943.

Es scheint, als würden die deutschen Mittelmeer-NGO’s es nun als ihr gottgegebenes Recht ansehen, Migranten nach Italien zu schippern, wie es ihnen beliebt. Italiens Wille? Zweitrangig gegenüber der deutschen Hybris, man müsse die Welt retten. Ein Land missachtet das andere – im Namen der „europäischen Werte“ pflegen wir unseren Moralimperialismus auf die widerlichste Art und Weise. Warum die NGO’s meinen, den Willen eines souveränen Landes und eines Volkes missachten zu können, bleibt mir schleierhaft – sind diese Leute der Ansicht, das (moralisch) überlegende Volk gegenüber den Italienern zu sein? Sind Italiener ein (moralisch) unterlegendes Volk, dessen Willen man missachten und deren Rechtsordnung man den eigenen Vorstellungen unterwerfen kann? Mit dem Moralimperialismus zeigt Deutschland seine hässliche Fratze – dass Europa da vorsichtig wird, kann man nicht verübeln. Ich schäme mich für den Überlegenheitsanspruch meiner Landsleute.

3 Antworten

  1. nordseeschwalbe sagt:

    Kriegt die arme Greta jetzt etwa Konkurrenz um den Friedensnobelpreis…?

  1. 6. Juli 2019

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  2. 7. Juli 2019

    […] • Weiterlesen • […]